Montag, 30.03.2020

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Ein kleines Ice-Tigers-Wunder: O'Brien genießt das Eis

Rückkehr in Rekordzeit: US-Amerikaner könnte am Rhein debütieren - 15.01.2020 08:16 Uhr

Und im Hintergund lacht Chris Brown: Jim O‘Brien könnte für die Wohlfühlgeschichte sorgen, die die Ice Tigers derzeit brauchen. © Foto: Thomas Hahn/Zink


Mit Eishockeyspielern über Gefühle zu sprechen, ist in etwa so erfolgversprechend wie der Versuch, einen Wagner-Apologeten in ein Gespräch über die neuesten Entwicklungen im Dschungelcamp zu verwickeln. Selbst wenn ihnen dazu etwas einfiele, wollen sie dabei lieber nicht ertappt werden. Jim O‘Brien ist ein typischer Eishockeyspieler.

"Ich bin wirklich glücklich, wie das gelaufen ist" 

Es dauert auch an diesem Dienstag ein bisschen länger, bis sich der US-Amerikaner auf den kurzen Weg zurück in die Kabine macht. O‘Brien findet in diesen Tagen immer einen Grund, noch ein bisschen länger auf dem Eis zu bleiben. Vielleicht auch deshalb, weil er es so lange nicht unter seinen Füßen hat spüren dürfen. Mit ihm genau darüber zu sprechen, wird dann allerdings ein wenig mühsam. Eishockeyspieler sprechen bereitwillig über das Team, dem Team helfen zu wollen und dem Team dankbar zu sein. Sie sprechen davon, hart arbeiten zu wollen, zurück aufs Gleis zu finden und durch ein dreckiges Tor wieder zum Erfolg zurückfinden zu wollen. Aber was in ihnen vorgeht, wenn sie in einer Wohnung liegen, die nicht ihre ist, weit weg von der Heimat, und darüber nachdenken, wie das weitergehen soll, mit ihnen und dem Eishockey, das deuten Eishockeyspieler allenfalls an.

O‘Brien spricht von "work in progress". In Nordamerika stehen diese drei Worte auf gelbschwarzen Baustellenschildern. Irgendwie passt das zu einem Berufssportler, dessen Körper nach einem verheerenden Unfall eine einzige Baustelle war. Denn O‘Brien hatte sich am 18. August 2019 in Straubing nicht nur verletzt, O‘Brien prallte in der 39. Minute des Finales um den Gäubodencup gegen Wolfsburg aus vollem Lauf in die Bande und zog sich dabei Verletzungen zu, die für Unfallchirurgen leider Alltag, im selbst im oftmals harten Eishockey aber glücklicherweise die Ausnahme sind. Zwischen Hüfte und Oberschenkel hatte sich O‘Brien derart heftige Verletzungen zugezogen, dass ihm nach der Operation eine Pause von mindestens sechs Monaten prognostiziert wurde, vielleicht sogar ein Jahr, bis er wieder spielen könne. Viereinhalb Monate später stand O‘Brien wieder mit den Ice Tigers auf dem Eis. "Ich bin wirklich glücklich, wie das gelaufen ist", sagt er und spricht über die Zeit nach der Operation: "Das war definitiv ein Tiefpunkt in meinem Leben als Eishockeyprofi. Ich saß nur rum, wochenlang. Wobei, sitzen konnte ich ja nicht einmal. Eigentlich lag ich nur."

Geduldig sein im Rekordtempo 

Der Mann, der es auf 84 Einsätze in der besten Liga der Welt gebracht, der sein Heimatland bei vier WM-Turnieren vertreten hatte, brauchte Hilfe, weil er nicht einmal alleine aufs Klo gehen konnte. So hilflos aber sollte seine Karriere nicht zu Ende gehen. O‘Brien war nach Nürnberg gekommen, um Eishockey zu spielen. Er blieb in Nürnberg, um erst das Gehen und dann das Eishockey spielen neu zu lernen. "Ich hatte ja nichts anderes zu tun. Also habe ich sechs Tage in der Woche daran gearbeitet, zurück aufs Eis zu dürfen." Genau dahin hat er es schon wieder geschafft, am Freitag soll er in Düsseldorf sein DEL-Debüt für die Ice Tigers geben. Vielleicht. O‘Brien hat im Rekordtempo gelernt, geduldig zu sein.

Die Frage, wie er sich in der Zeit gefühlt hat, bezeichnet der 30 Jahre alte Mann aus Minnesota als "hart", sieht davon ab, sie zu beantworten und spricht stattdessen darüber, wie dankbar er dem Team, den Ärzten und Physiotherapeuten ist. "In vier bis sechs Wochen werde ich mein altes Niveau erreicht haben." Sollte es wirklich so kommen, es wäre ein kleines Wunder.

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