Endlich das Erwartete: Der FCN um Kapitän Valentini gefällt

4.5.2021, 05:55 Uhr
Seit dem Derby gefällt Enrico Valentini dank mutiger und aggressiver Auftritte.

Seit dem Derby gefällt Enrico Valentini dank mutiger und aggressiver Auftritte. © Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr

Ein Ciabatta, sechs große Tomaten, eine Zwiebel, zwei Knoblauchzehen, ein Bund Basilikum sowie Olivenöl, Salz und Pfeffer stehen im Rezept für die Aktion "Spielräume". Enrico Valentini bereitete am Montagabend mit jenen preiswerten Zutaten ein typisch italienisches, ursprünglich bäuerlichen Gericht zu: Bruschetta. Frische Tomaten, würzige Zwiebeln und natürlich Basilikum auf krossem, gerösteten Brot – das Gericht liefert das, was seine einzelnen Zutaten versprechen. Nicht mehr, nicht weniger.

Selbige Beschreibung dürfte derzeit auch auf den 1. FC Nürnberg zutreffen: Seit dem Gastspiel bei der ungeliebten SpVgg Greuther Fürth zeigt der Club endlich die Leistungen, die man sich lange erhofft und angesichts der Qualität im Kader auch versprochen hatte. Und sein Kapitän spielt so, wie es die Komponenten "32 Jahre", "gelernter Offensivspieler", "gebürtiger Nürnberger", "Kapitän" und "Routinier" nahelegen: erfahren und clever in der Antizipation, durch die er seine Geschwindigkeitsdefizite kompensierten kann, wach und aggressiv, mutig in den Vorstößen und couragiert in jeder Aktion. Valentini und der Club überraschen oder begeistern nicht, aber sie gefallen über mehrere Spiele hinweg.


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So adelte der kicker die Leistungen der Abwehrmannes in den vergangenen sechs Partien mit einem Notendurchschnitt von 2,83 und drei Berufungen in die Elf des Tages. Woran liegt der Aufschwung des Zabo-Italieners? Vielleicht an der Geburt des Sohnes kurz vor dem Derby, die ihn – wie er selbst sagt – "vielleicht ein bisschen" beflügelt. Mutmaßlich auch am Kopf, gelang es dem Club doch, den Auftrieb nach dem Derby in die darauffolgenden Spiele mitzunehmen, sich Selbstbewusstsein zu erarbeiten und dank des nun eingetüteten Klassenerhalts befreiter aufzuspielen.

Wahrscheinlich liegt es auch an der Formation mit der Raute: Nicht nur die vier Mittelfeldspieler, deren Stärken und Schwächen sich in der Rauten-Konstruktion hervorragend zu ergänzen scheinen, sondern auch der Rechtsverteidiger profitiert von der taktischen Umstellung: Die Flügel werden im 4-4-2 mit Raute überwiegend dem Kapitän und seinem Kollegen auf links, Tim Handwerker, überlassen, während die Achter die Halbspuren besetzen. Entsprechend ist diese Formation nahezu prädestiniert für Außenverteidiger, die ihren Flügel beackern – sie lädt förmlich dazu ein. Jene Einladung nimmt Valentini gerne an und stößt immer wieder nach vorne.


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Exemplarisch dafür steht sein Assist im Heimspiel gegen Kiel: Der Rechtsverteidiger erhält den Ball kurz vor dem eigenen Strafraum, passt nach außen zu Tom Krauß und zieht das Tempo an, um den Doppelpass anzubieten. Als er die Kugel wieder erhält, steht er umzingelt von drei Störchen, kann sich gegen zwei grätschende Gegner behaupten und steckt das Leder durch auf Dennis Borkowski, der schnell aufdreht und letztlich stark vollendet. Tor Borkowski, Vorarbeit Valentini – sein fünfter Scorerpunkt, von denen er drei seit dem Derby sammelte.

Nicht nur mit dem Ball, sondern auch gegen ihn gefällt der Spielführer ebenso wie die gesamte Mannschaft nun deutlich besser. Weil der Club deutlich kompakter agiert, dadurch besser in die Zweikämpfe kommt und letztlich gute Chancen hat, diese auch für sich zu entscheiden. Im Anlaufen steuert der 1. FC Nürnberg den Spielaufbau seiner Gegner und provoziert dementsprechend die Angriffsversuche, auf die er vorbereitet ist.

Valentini erklärte zuletzt im Gespräch mit der Bild: "Fabi Nürnberger und Tom Krauß machen es richtig gut, gehen auch die Wege nach außen und absolvieren sehr viele Sprints. Wenn Sie so das Zentrum dicht kriegen, können sie dem Gegner im Spielaufbau sehr viel wegnehmen." Dies mache es für die Verteidiger einfacher, zu antizipieren, und erlaubt es, höher zu stehen. Im Verbund mit Tom Krauß, der absichert, abräumt und seinen Kapitän unterstützt, entwickelte sich somit ein aggressives und nissiges Duo auf der rechten Abwehrseite, die lange als fragile Schwachstelle galt und nun stabiler ist als ihr Pendant auf der anderen Außenbahn: Vier der letzten fünf Gegentreffer aus dem Spiel entstanden (überwiegend) auf links.


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Freilich offenbart auch Valentini noch immer Defizite, beispielsweise ließ er sich gemeinsam mit Georg Margreitter vor dem Elfmeter gegen Heidenheim doch recht leicht düpieren. Dennoch: Der Kapitän, den man ob seiner Geschwindigkeitsnachteile und seiner mitunter ungestümen Zweikampfführung über weite Strecken der Saison kritisierte, blüht nach der taktischen Umstellung und der Geburt seines zweiten Sohnes zum Ende der Spielzeit auf. Der 32 Jahre alte Außenverteidiger aus Nürnberg lieferte genau das, was man von einem 32 Jahre alten Außenverteidiger in Nürnberg erwartet hatte. Nicht mehr, nicht weniger. Und das ist nach den Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit am Valznerweiher doch recht erfreulich.

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