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Erfolglos schön? Diesmal siegt Fürth dreckig

Das weiß-grüne Ergebnis übertüncht die Defizite in der Spielkultur - 09.12.2019 20:12 Uhr

Branimir Hrgota konnte sich am Samstag über einen Doppelpack und drei Punkte freuen. © Sportfoto Zink / Melanie Zink


In den letzten Wochen waren die Kicker der Spielvereinigung nicht selten gelobt worden. Es drängte sich bisweilen sogar der Eindruck auf, dass sich gegnerische Trainer in ihren Analysen einen Spaß daraus machen, Stil und Auftreten einer Mannschaft hervorzuheben, die zwar besser war, aber eben nicht gewonnen hatte. In so einem Fall lobt es sich bedeutend leichter.

Stefan Leitl ging dieses Thema schon mächtig auf die Nerven. Seine Idee vom Fußball mit diesem Fürther Team überzeugte optisch, im 4-4-2 mit Raute ließ der fränkische Zweitligist den Ball gekonnt durch die eigenen Reihen laufen, spielte seine technische Fertigkeiten aus und wusste damit die meisten Kontrahenten in dieser Liga auch zu dominieren.

Effizienz zählt 

Das sah in den meisten Fällen schön aus, nur wird im Fußball im Gegensatz zum grazilen Eiskunstlaufen keine B-Note für künstlerischen Ausdruck verliehen. Effizienz war daher in den letzten Wochen eine Vokabel, die zunehmend an Bedeutung gewann. Nur wie die Ausbeute steigern, wenn sich Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor nicht trainieren lässt - wie der Trainer jüngst anmerkte - und obendrein mit Julian Green, Paul Seguin und Marco Caligiuri eine ganze Achse ausfällt?

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Manchmal kann Fußball tatsächlich einfach sein. Leitl hätte nach dem fulminanten Endspurt zum 3:1 für sich in Anspruch nehmen können, mit dem Verweis auf den eingeforderten Willen an der richtigen Stellschraube gedreht zu haben. "Wir haben schon mal besser gespielt", sagte er und grinste womöglich heimlich, still und leise in sich hinein.

"... nicht von fußballerischer Qualität geprägt" 

Seine grundsätzliche Philosophie von diesem Spiel stand für einen Moment hinten an – nur der Erfolg zählte in diesem Fall. Fürth hatte sich den ersten Dreier nach sechs Spielen ohne Sieg erkämpft und war im Gegensatz zu Partien wie in Sandhausen und Heidenheim diesmal nicht in Schönheit gestorben. "Das Spiel war sehr kampfbetont und nicht von fußballerischer Qualität geprägt", sinnierte Bochums Trainer Thomas Reis über das, was in der zweiten Liga eher Alltag als Ausnahme ist.

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Wegbereiter Branimir Hrgota waren derartige Gedankenspiele nach seinem ersten Doppelpack für das Kleeblatt reichlich egal. Er wollte nicht über einen möglichen Lerneffekt philosophieren oder Leitls Spielidee gar in Frage stellen. "Unser Spiel definiert sich über viel Ballbesitz. Da sind Fehler ganz normal und dürfen mal passieren", zeigte sich der Schwede mit bosnischen Wurzeln hernach auch reichlich generös.

Hrogta strahlt 

Auf den doppelten Fauxpas vor dem Ausgleich der Bochumer wusste Fürth diesmal die passende Antwort. "In dieser Phase haben wir dann viel Herz gezeigt und den Willen, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen", resümierte der schlaksige Stürmer, drehte ab und verschwand zu den Feierlichkeiten in die Kabine. Dreckige Siege können im richtigen Moment selbst einem Ästheten wie Branimir Hrgota ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Florian Pöhlmann

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