Erlangen: Ehre, Bestätigung und vor allem Motivation

22.1.2019, 16:30 Uhr
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (li.) und Alfons Hörmann (r.) vom Olympischen Sportbund, gratulieren dem Turnverein mit Jörg Bergner und Bettina Große. Daneben Hans-Peter Lechner, Vorsitzender der VR-Bank Erlangen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (li.) und Alfons Hörmann (r.) vom Olympischen Sportbund, gratulieren dem Turnverein mit Jörg Bergner und Bettina Große. Daneben Hans-Peter Lechner, Vorsitzender der VR-Bank Erlangen. © dpa

Als es soweit war, Jörg Bergner und Bettina Große mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorn auf der Bühne standen, Hände schüttelten, "da zitterten mir die Knie", gestand Große. Die Tränen liefen der engagierten Übungsleiterin über die Wangen und auch der Vereinsvorsitzende hatte feuchte Augen. "Es ist eine großartige Bestätigung für unsere Arbeit, aber auch eine riesige Motivation für die zukünftige", sagte Große, die, das wollte sie noch festhalten, "normalerweise nicht so schnell emotional" wird.

Doch emotional ist auch das herausragende Sportprojekt, das der Turnverein einmal mehr für die ältere Generation unserer Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes auf die Beine gestellt hatte, und für das er vom höchsten Repräsentanten dieses Landes ausgezeichnet wurde: Mit dem Rollatorsport (wir berichteten mehrfach) sollen keine Höchstleistungen erzielt, keine Olympiasiege mehr möglich gemacht werden, sondern Senioren mehr Lebensqualität, soziale Kontakte zurückgegeben werden, die sie aufgrund eingeschränkter Mobilität vielleicht verloren haben oder Gefahr laufen noch zu verlieren.

Diese gewaltige Kraft, die der Sport neben allen Höhen, Zeiten und Erfolgen auch besitzt, hat die Jury bei den "Sternen des Sports", einem von der Volksbank gestifteten, bundesweiten Breitensport-Preis, von Anfang an erkannt: "Wir haben uns mit Mitgliedern der Jury unterhalten", erzählt Günther Beierlorzer, der Sportliche Leiter im Turnverein, "und es war offenbar für die Juroren von Beginn an klar, dass wir ganz vorne stehen würden. Diskutiert wurde nur noch über die Ränge, die uns nachfolgen."

Das empfand Beierlorzer vielleicht als die größte Auszeichnung überhaupt an diesem besonderen Abend. Mit eigenen Filmen wurden die drei besten Projekte im Saal der DZ Bank am Pariser Platz vorgestellt: "Als ich zum Beispiel das Segelprojekt mit Blinden sah, habe ich mir gedacht: Okay, das wird der Bundessieger."

Es kam dann anders, nach dem zweiten Platz 2015 für ein integrative Boxprojekt und Rang vier 2016 landete der Turnverein nun auf Platz eins, der mit 10 000 Euro Preisgeld dotiert ist. "Das Geld", so Beierlorzer, "soll die Fortführung von diesen Projekten sichern, auch wenn sie sich vielleicht wirtschaftlich nicht oder wenn dann nur schwer tragen." Der Fahrdienst zum Beispiel für manch betagten Rollatorsportteilnehmer, könne so auf lange Zeit gesichert werden.

Müller-Hohensteins Erinnerung

Den Fahrdienst hat zuletzt übrigens Klaus Lohrer übernommen, der Gründer der erfolgreichen Judoabteilung im Turnverein. An ihn, die Jahnhalle, die auch im Präsentationsvideo zu sehen war, und ihre ersten Judostunden als Kind konnte sich die Moderatorin des Abends, Kathrin Müller-Hohenstein, gut erinnern. Sie outete sich daher kurzerhand öffentlich als Vereinsmitglied beim Turnverein – was aber überhaupt keinen Einfluss auf die Entscheidung der Jury hatte.

Für Günter Beierlorzer fühlte sich der "Oscar des Breitensports", wie der Preis auch genannt wird, genau so an, wie der große Film-Bruder in Hollywood: Seit 1984, seit 35 Jahren, ist Beierlorzer beim Turnverein. "Ich werde denen, die mich später mal fragen werden, sagen: Das war der Höhepunkt meines Berufslebens. Vor allem aber eine Motivation für alle im Verein, dass es Sinn macht und es auch wert ist, sich Gedanken und Ideen zu machen und sich auch von manchen Widerständen nicht aufhalten zu lassen."

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