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Erlanger Sportvereine hoffen auf Corona-Hilfen vom Freistaat

November-Hilfen sind großer bürokratischer Aufwand - und helfen nicht allen - 17.02.2021 13:19 Uhr

Rund um die Holztribüne der SpVgg Erlangen ruht momentan der Sportbetrieb – so wie bei allen Vereinen der Stadt.

15.02.2021 © Foto: Harald Sippel


Als sie verkündet wurden, hofften viele Betroffene auf schnelle und unbürokratische Unterstützung: Die November- und Dezemberhilfen der Bundesregierung für Betriebe, die von Schließungen durch den Corona-Lockdown ab 2. November betroffen waren. Auch für Sportvereine kommen sie infrage, schließlich mussten sie gemeinsam mit Gastronomie und Kulturbetrieben mit als Erste ihre Anlagen zusperren.

Doch ganz so einfach wie in der Theorie, ist es in der Praxis nicht. "Dahinter steckt ein irrsinniger bürokratischer Aufwand", erklärt Matthias Thurek, Vorsitzender des Erlanger Sportverbandes und Präsident des Turnerbundes. Der ist durch die Schließung seiner Tennishalle in der Wintersaison betroffen – und will den Aufwand deshalb mit Hilfe einer Steuerkanzlei auf sich nehmen.


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"Steht in keinem Verhältnis zum Ertrag"

Für andere, vor allem kleinere Vereine lohnt sich das offenbar nicht. "Der Aufwand steht bei uns in keinem Verhältnis zum Ertrag", sagt Peter Scholten, Vorsitzender der SpVgg Erlangen. Beim BSC Erlangen profitiert man zumindest indirekt – der Wirt der Gaststätte hat die Hilfen beantragt. "Uns trifft es sehr, dass unsere Gaststätte geschlossen ist", sagt der Vorsitzende Josef Polster.

Die Stadt hilft großzügig

Beim Deutschen Alpenverein kann wohl nur der Gesamtverein, nicht aber die einzelnen regionalen Sektionen einen Antrag stellen, erklärt Werner Frembs, Schatzmeister der Sektion Erlangen. "Wir müssen abwarten."

Die Hilfen beantragen will der TV 48 Erlangen, doch schon das Prozedere im Vorfeld lässt den Vorsitzenden Jörg Bergner stöhnen. "Das Problem war erstens, dass sie spät freigeschaltet wurden. Und als das passiert ist, wurden rückwirkend die Regelungen nochmal geändert. Alles, was man vorbereitet hatte, war für die Katz." Teilweise müssten die Vereine Zahlen abgeben, die im Rechnungswesen noch gar nicht gebucht sein können. "Dadurch kann man sie nicht kurzfristig beantragen." Doch die Frist reicht bis April, Bergner rechnet auch damit, dass der TV 48 Hilfsgelder bekommen wird. "Man darf sich darunter aber nichts Falsches vorstellen", warnt er.


Kommentar: Nehmt den Sport endlich ernst!


Denn die Hilfen sollen lediglich 75 Prozent des entfallenen Umsatz ersetzen. Nicht darunter fallen etwa entgangene Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse oder Spenden. Womöglich, fürchtet Bergner, könnten am Ende nur 20 bis 40 Prozent der November-Einnahmen des Vorjahres ersetzt werden.

Neben dem Bund helfen die Kommunen ihren Vereinen, teils mit freundlichem Entgegenkommen, teils mit großzügigen Zuschüssen. Die Stadt Erlangen hat in ihrem jüngsten Haushalt, wie berichtet, 300 000 Euro an zusätzlichen Geldern für eine erhöhte Übungsleiter-Pauschale und eine höhere Barzuwendung eingeplant. Für stillstehende Fitnessstudios oder geschlossene Kletterhallen greifen die Hilfen naturgemäß nicht. "Wir können über Zuschüsse viel machen, aber wir sind an die Gemeinnützigkeit gebunden. Bei kommerziellen Projekten tun wir uns schwer, zu helfen", sagt Bürgermeister und Sportrefernt Jörg Volleth (CSU).

Herzogenaurach verzichtet auf Mieterhöhung

Zuvor hatte Erlangen bereits die Hallenmieten für 2020 halbiert. Die Stadt Herzogenaurach verzichtet auf eine Erhöhung der Hallenmieten, die eigentlich nötig wäre, weil Einnahmen für die Kommune künftig umsatzsteuerpflichtig sind.

Hoffen auf den Freistaat

Auch der Freistaat Bayern hatte 2020 bereits die Vereinspauschale von 20 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro erhöht. Für viele Vereine eine nette Geste – doch gerade die Großvereine wünschen sich zielgerichtetere Maßnahmen. Die Höhe der Vereinspauschale wird nach so genannten Mitgliedereinheiten berechnet. Wer besonders viele Mitglieder verliert, so ein Argument der Kritiker, bei dem schlägt sich das auch in dieser Förderung nieder.

"Wenn man sich nur auf das Gießkannen-Prinzip verlässt, dann profitieren viele kleinere Vereine, die gar keine so großen Einbußen hatten. Und die, die es am härtesten getroffen hat, kriegen ein bisschen Geld, das ihnen aber nicht hilft", sagt Bergner. Die bayerischen Großvereine haben ein Modell vorgeschlagen, bei dem 240 Euro für jedes verlorene und auch für jedes nicht neu gewonnene Mitglied gezahlt werden soll.

Die Vereine hoffen, dass der Freistaat weitere Hilfen auflegt. "Die Stadt Erlangen wird nicht alle Probleme der Vereine lösen können", sagt Thurek. "Auch das Land muss noch einmal über Hilfen nachdenken." Immerhin: Der Bayerische Landes-Sportverband fragt momentan erneut die Schadensbilanz ab. Thurek rechnet damit, dass das für die Staatsregierung als Grundlage dienen könnte, nachzusteuern.

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