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Erlanger wollen schnell zurück ins Abenteuer

Die Judo-Mannschaft des TV 48 möchte eine große Chance zur Bundesliga nutzen - 30.05.2017 07:00 Uhr

„Eine sensationelle Performance“: Dominik Röder (oben) gegen Backnang.Foto: Harald Sippel

24.05.2017


Schon einmal waren sie dort oben. Wo 600 Menschen in die Halle strömen. Wo Europameister, Weltmeister, Goldmedaillengewinner auf die Matte gehen, die man sonst in Erlangen nur aus dem Fernsehen kannte. "Wir haben denen eine große Show geliefert", sagt Heiko Koch, der Mannschaftsführer. Doch am Ende ging es aus der Bundesliga wieder zurück in die 2. Liga. Es war ein Abenteuer, in diesem Scheinwerferlicht, eines, von dem sie wussten, dass es nur ein Jahr dauern würde.

"Wir haben die Situation angenommen, uns aber nicht ergeben", sagt Koch. Im Gegenteil: Sie haben sich in jedem Wettkampf, in jedem Griff, in jeder Partie so teuer verkauft wie möglich. Ein paar ganz enge Ergebnisse waren dabei, so eng, "dass die da oben, glaube ich, schon auch beeindruckt waren von dem, was wir leisten", sagt der 45-Jährige. Und das, obwohl sie sich nach der überraschenden Meisterschaft erst einmal zusammengesetzt und besprochen hatten, ob sie sich das überhaupt antun mit der Bundesliga.

Der Niveauunterschied beträgt Welten. In der höchsten Klasse sind ausschließlich Profis am Start, und wenn nicht, dann sind es Studenten, Polizisten, Sportsoldaten. Herausragende Judoka auf dem Weg zu internationalem Ruhm, oder längst dort angelangt, die so die bestmögliche Sportförderung erhalten, die es in Deutschland abseits vom Mäzentum gibt. Und beim Turnverein? "Wir sind Studenten, Angestellte und Auszubildende", sagt Heiko Koch.

Dominik Röder ist Schüler und kann deshalb als einziger täglich trainieren. "Ansonsten sind wir ambitionierte Hobbysportler." Die Kraft für den Höhenflug haben sie aus dem Teamgeist gezogen. "Der", sagt der Koch, "ist außergewöhnlich." Erst jetzt planen sie wieder einen gemeinsamen Vatertagsausflug. Es ist das Familiäre, was sie auszeichnet beim TV, das ihnen manchmal schier Superkräfte verleiht. Auf und neben der Matte.

Koch selbst ist Teil dieses Vereins, solange er denken kann. Fast vier Jahrzehnte stand er für den TV auf der Judomatte: Bezirksliga, Landesliga, zweite Liga. "Ich habe viel erlebt", sagt er. Den Höhepunkt, den Aufstieg in die höchste Klasse 2016, als Trainer. "Man muss wissen, wann die Zeit gekommen ist aufzuhören", sagt er.

50-Mann-Pool

Nun taktiert er außen, welcher seiner Kämpfer aus dem 50-Mann-Pool am besten auf die Gegner passt. Und manchmal wird er dann selbst überrascht, wenn etwa am Wochenende der Dominik Röder einen Gegner weit bis über die Kampfzeit hinaus in Schach hält, der mindestens die doppelte Muskelmasse besitzt. Klar, Röder kämpft auch fürs U21-Nationalteam, wurde erst in Litauen Siebter beim European Cup. "Aber das war schon wieder eine sensationelle Performance."

Weil sie gesehen haben, wie aufregend es sein kann in der Bundesliga, wollen sie jetzt unbedingt wieder hinauf. Zwei Begegnungen, zwei Siege haben sie schon gesammelt, am Samstag zu Hause gegen Backnang, den großen Dauerrivalen. Schon im Aufstiegsjahr gab es da die einzige Niederlage, auch Backnang träumt von der Bundesliga – doch am Ende feiert an diesem Tag der Turnverein: 8:6, Heiko Koch und seine Jungs liegen sich in den Armen.

"Ich bin glücklich"

"Ich bin glücklich", sagt auch Klaus Lohrer, der Judo-Chef, wie ihn Koch nennt. Ohne Lohrer gäbe es Judo in Erlangen vermutlich gar nicht, auch Lohrer träumt natürlich wieder von der Bundesliga. Doch die Saison ist noch lang. Urlaube kommen noch, Krankheiten, Verletzungen – Ausfälle, die sich auch mit dem Teamgeist nur noch schlecht kompensieren lassen. Doch die Chancen stehen gut: Durch eine Umstrukturierung wird die Bundesliga um drei Teams aufgestockt, die ersten drei Zweitligisten dürfen heuer aufsteigen – derzeit ist der TV Tabellenführer. "Dann", sagt Heiko Koch, "ist die Wahrscheinlichkeit auch größer, dass wir als einer der ersten Aufsteiger überhaupt die Klasse halten – gegen Mitaufsteiger können wir punkten." Und dann können sie bald vielleicht das nächste Abenteuer genießen.

CHRISTOPH BENESCH

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