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Ex-Kleeblatt-Profi Roberto Hilbert will in die Bundesliga

Pläne für die Zukunft werden bei dem Ex-Profi konkreter - 19.11.2019 06:41 Uhr

Individuelles Training gehört zum Programm der Fußballschule, die Roberto Hilbert (links) in Feucht betreibt. „Ich kann jeden besser machen“, verspricht der 35-Jährige. © Foto: Christian Geist


Dichte Wolken am Himmel, knöcheltiefe Pfützen auf dem brach liegenden Hartplatz. Ein paar Eltern drängen sich in einen Geräteschuppen. Im Grau in Grau des Feuchter Sportgeländes versprüht nichts den Glamour der Fußball-Bundesliga. Stünde an diesem Novembersonntag nicht Roberto Hilbert auf dem Rasen.

Im Waldstadion machte der gebürtige Forchheimer einst seine ersten Spiele im Herrenbereich: in Ober- und Regionalliga, der damals dritthöchsten Spielklasse. 2004 wechselte er nach Fürth. Nur drei Jahre später gewann er mit dem VfB Stuttgart die deutsche Meisterschaft, es folgten Einsätze in der Champions League und acht Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft.

Zurück in Fürth, machte Hilbert vor gut einem Jahr sein letztes Zweitligaspiel im Trikot der SpVgg. Danach wechselte er von der Außenbahn an die Seitenlinie. Der 35-Jährige arbeitet beim Kleeblatt als Co-Trainer der U 19 sowie der Regionalliga-Mannschaft. Und tingelt nun ein zweites Mal in seiner Karriere durch den bayerischen Amateurfußball.

Wieder mit einem klaren Ziel vor Augen. "Ich will in die Bundesliga", sagt Hilbert ohne Umschweife. "Für mich war immer klar: Wenn ich Trainer werde, will ich in den Profibereich. Und wie in meiner Karriere als Spieler will ich auch als Trainer nach ganz oben."

Studium und Ausbildung

Eine Fußballschule hat der junge Roberto Hilbert nie besucht. Er kann sich auch nicht erinnern, ob es so ein Angebot beim Jahn in Forchheim überhaupt gab.

Heute absolviert Hilbert neben seiner Tätigkeit in Fürth ein Studium zum Sporttherapeuten und eine Ausbildung als Athletiktrainer. Und er unterrichtet an seiner eigenen Fußballschule. Jeden Sonntagvormittag trainiert er auf dem Gelände des SC Feucht Kinder und Jugendliche, die den gleichen Traum haben wie einst der kleine Roberto. "Ich habe einen Kooperationspartner gesucht, dem ich vertraut bin", meint Hilbert und spricht von einer "super Zeit", die er damals in Feucht erlebt hat.

Mit SC-Macher Manfred Kreuzer habe er sich schnell auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Kinder, die bei dem Ex-Profi trainieren wollen, müssen kein SC-Mitglied sein, aber ein Abonnement bei Hilbert abschließen. "Es kann jeder kommen, der Lust hat. Wir freuen uns über jeden Jugendlichen, den wir besser machen können", sagt Hilbert und verspricht, in seinen Einheiten auf jene Aspekte des Fußballs einzugehen, für die im Tagesgeschäft zu wenig Zeit bleibt.

Spaß muss sein

"Im Vereinstraining arbeitest du immer für das nächste Spiel. Bei uns werden Dinge gemacht, die der Vereinstrainer zeitlich gar nicht hinkriegt." Hilberts Fokus liegt dabei auf der technischen Ausbildung der jungen Fußballer. "Koordination, Ballgefühl, linker Fuß, rechter Fuß, Ballannahme, -mitnahme, erster Kontakt, Torschuss, solche Sachen." Und alles mit Ball, damit der Spaß nicht zu kurz kommt. "Denn ohne Spaß kannst du nicht hart arbeiten, das ist mal Fakt."

Mit seiner Fußballschule bewegt er sich in einem Spannungsfeld zwischen Träumen und Erwartungen. So spricht der 35-Jährige einerseits über Eltern, die ihren Kindern zwar nicht offen sagen, aber ihnen doch signalisieren, dass sie etwas leisten müssen – und damit für Blockaden sorgen. Andererseits verdient er natürlich an dem Traum vom Profifußball und befeuert diesen. Etwa, wenn er sagt: "Ich kann natürlich niemandem etwas versprechen, weil ich kein Magier bin. Aber ich kann jeden in einer gewissen Form besser machen, diese Fähigkeit habe ich, davon bin ich überzeugt."

Am Spielfeldrand fotografiert und filmt Hilberts Frau Yasmin für Website und Social Media die jüngeren Fußballschüler. Deren Training leitet Christian Ulhaas, der auch im Nachwuchs des SC tätig ist. Hilbert selbst arbeitet unterdessen mit einzelnen Spielern individuell, darunter ein U 19-Spieler aus Wendelstein, "der besser werden will und das Ziel hat, vielleicht einmal sein Geld mit Fußball zu verdienen".

Hilbert beginnt mit Koordinationsübungen auf einem halben Pezzi-Ball. Es folgen erste Pässe, kleine Stafetten um Hütchen und Pylonen, ehe Ballannahme und Abschluss die einstündige Einheit abschließen: vom Kleinen zum Großen, vom Einfachen zum Komplexen, das Einmaleins der Trainingslehre.

"Bleib stabil", "mach dich fest", "guter Ball", "letzter Ball". Hilbert gibt einfache Kommandos. Fußballsprache. Dazu ein konzentrierter, stets etwas mürrisch wirkender Blick. Hilberts Schüler versteht. Folgt aufs Wort. Hier, auf dem Sportplatz neben dem Waldstadion, ist Hilbert zu 100 Prozent Lehrer. In Fürth arbeitet er an der Seite von Trainer Petr Ruman, den Co-Trainer-Posten teilt er sich mit Daniel Adlung. "Von beiden kann ich noch ganz, ganz viel lernen", meint Hilbert, "und sie natürlich auch von mir. Wir profitieren alle voneinander."

Mit Ruman und Adlung

Eine Saison haben sie einst gemeinsam für das Kleeblatt in der zweiten Liga gespielt. "Wir hatten alle drei eine hervorragende Zeit in Fürth. Dani Adlung und ich kommen zudem aus der Region, wir sind eingefleischte Franken und haben den Weg nach Hause gefunden. So schließt sich der Kreis", sagt Hilbert und lobt Manager Rachid Azzouzi für dessen Entscheidung, Ruman mit der Regionalliga-Mannschaft zu betrauen.

"Man sieht schon an der Tabelle, dass die Chemie im Trainerteam stimmt und dass wir uns richtig gut ergänzen", sagt er mit Blick auf die Vorsaison, als das Kleeblatt gerade so die Klasse gehalten hat.

Um den Sprung in den Profifußball ein zweites Mal zu meistern, ist Fürth sicher nicht der schlechteste Arbeitgeber. Als Sprungbrett für Trainer und Talente hat sich das Kleeblatt in der jüngeren Vereinsgeschichte schließlich einen Namen gemacht. Und mit Achim Beierlorzer und Ralph Hasenhüttl sind zwei einstige Kleeblatt-Spieler gerade erst dort angekommen, wo Roberto Hilbert hin will: in Europas höchsten Spielklassen.

Während der Wintermonate findet die Fußballschule in der Soccerhalle in Eltersdorf statt. Am Feuchter Waldstadion wird erst wieder im Frühjahr trainiert. Informationen unter www.robertohilbertfussballschule.de

Christian Geist

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