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Existenzkampf mit Wismut-DNA: Das ist Club-Gegner Aue

Der Kontrahent des FCN baut auf ein Schlitzohr und ein Urgestein - 21.05.2020 09:14 Uhr

Auf Urgestein Martin Männel ist Verlass: Aues Kapitän ist aktuell der notenbeste Keeper der Liga.

© Foto: Robert Michael, dpa


So ist die Lage: Mit einem verdienten 3:1-Heimsieg gegen den SV Sandhausen ist Erzgebirge Aue, am Freitag (18.30 Uhr) zu Gast beim 1. FC Nürnberg, ideal aus der Corona-Pause gekommen und hat auch gleich die vorangegangene Derbypleite in Dresden (1:2) vergessen gemacht. "Wir sind hier in Aue definitiv keine Gehaltsmillionäre, die mal eben ein halbes Jahr auf ein Gehalt verzichten können, sondern auch für uns geht’s um die Existenz. Und das hat man heute in den 90 Minuten gesehen, dass wir mit viel Leidenschaft, Herzblut und großem Willen die drei Punkte hier behalten wollten", sagte Keeper Martin Männel, dessen Team mit 37 Punkten als Tabellensechster zum erweiterten Kreis der Aufstiegsaspiranten gezählt werden darf.

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Top & Flop: Mit Urgestein Männel (seit 2008 im Verein) wissen die Veilchen den aktuell besten Torwart der Liga in ihren Reihen – zumindest wenn man die kicker-Note (2,56) als Maßstab gelten lassen mag. Geht es um Elfmeter, ist auf Dimitrij Nazarov Verlass: Der 30-jährige Nationalspieler Aserbaidschans behielt in dieser Saison bei fünf von sechs Strafstößen die Nerven, insgesamt traf er wie auch Jan Hochscheidt bereits neunmal. Noch auf sein erstes Tor wartet hingegen der Ex-Freiburger Philipp Zulechner: "Ich hinke meinen Erwartungen hinterher. Vielleicht habe ich mir zu viel Druck gemacht und zu viel vorgenommen", räumte der Österreicher in der Bild-Zeitung ein.

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Ballverlust und Notbremse: FCN verschenkt Punkte auf Pauli


Im Fokus: Nach fünf am Ende eher frustrierenden Jahren bei Eintracht Braunschweig kehrte Jan Hochscheidt 2018 nach Aue zurück – und fand dort prompt wieder zu alter Stärke. "Er ist ein Unterschiedsspieler und oftmals ein echtes Schlitzohr mit tollen Ideen für unser Spiel", schwärmt Trainer Dirk Schuster vom 32-jährigen Mittelfeldstrategen, der aktuell mit acht Toren und vier Vorlagen Aues Top-Scorer ist. Im vergangenen Dezember hat Hochscheidt seinen Vertrag vorzeitig bis 2023 verlängert – verhandelt wurde das neue Arbeitspapier mit Präsident Helge Leonhardt in der Sauna.

Spektakel im Erzgebirge ohne FCN-Punktgewinn

Das Hinspiel: Eine torlose Halbzeit lang deutete im idyllisch gelegenen Erzgebirgsstadion wenig auf einen spektakulären Fußballabend hin, dann aber überschlugen sich die Ereignisse – inklusive sechs Videobeweise, drei Elfmeter, diverser Abseitsdiskussionen und eines Platzverweises. Kurz nach der Pause hatte Michael Frey den Club verdient in Führung gebracht (51.). Dann aber sah Asger Sörensen nach einem Handspiel auf der Torlinie die Rote Karte, Nazarov per Strafstoß (62.) und Hochscheidt (75.) drehten die Partie. Johannes Geis glich postwendend aus (78.), Marko Mihojevic brachte Aue erneut in Führung (86.). Es sollte nur die Ouvertüre zur vielleicht turbulentesten Schlussphase der Zweitliga-Historie gewesen sein: Geis glich per Foulelfmeter erneut aus (90.+2), zwei Minuten später drückte Aues Joker Florian Krüger den Ball zum 4:3 über die Linie. Nach einem Foul an Felix Lohkemper zeigte Schiedsrichter Daniel Schlager dann erneut auf den Punkt. Diesmal trat Frey an, scheiterte aber in der 100. Minute (!) mit der letzten Aktion des Spiels an Männel, der danach von seinen jubelnden Kollegen fast erdrückt wurde. Das Erzgebirge stand Kopf, der Club trottete konsterniert vom Rasen. "Ich bin schon lange dabei, so ein Spiel habe ich noch nicht erlebt", staunte Damir Canadi. Viele sollten in seiner Zeit als Nürnberger Trainer nicht mehr dazukommen.

+++ 3:4-Irrsinn! Dezimierter FCN lässt Punkte in Aue liegen +++

Wer/was ist neu? Im Winter verstärkte Aue seine Abwehr und lieh sich vom AC Florenz Innenverteidiger Jacob Rasmussen aus. Der 22-
jährige Däne, der auch schon bei Schalke 04 und dem FC St. Pauli unter Vertrag stand, ist mit einem Marktwert von 2,8 Millionen Euro nicht nur der mit Abstand wertvollste Profi im Kader, sondern etablierte sich auch schnell als Stammkraft.


Torwartmisere beim FCN: Die Rückkehr des Fluchs


Und sonst so? Dass Aues allmächtiger Patriarch Helge Leonhardt eine arg pathetische und bislang auch etwas befremdliche Rhetorik pflegt, ist bekannt. Zu Beginn der Corona-Krise rief der sächsische Selfmade-Millionär mal eben "Alarmstufe Rot" aus und sandte einen flammenden Appell an die Mitglieder. "Unsere Herkunft ist der Bergbau und ehrliche, harte Arbeit unserer Eltern und Großeltern und von uns selbst. Diese Wurzeln, die viel beschriebene Wismut-DNA, wird uns überleben lassen, weil wir danach handeln", schrieb Aues stolzer "Präsi" und prophezeite vorsorglich schon mal das altbewährte Auferstehen aus Ruinen: "Sollte die Kernschmelze doch eintreten, werden wir auch wieder unten quasi im Dreck anfangen, wie 1946. . ."

Uli Digmayer

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