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Experten diskutieren: Ist der Club ein Depp?

Club-Freunde ergründen die fränkische Seele im Südpunkt - 07.02.2014 15:42 Uhr

Club-Freunde und ein Psychologe des Nürnberger Klinikums diskutierten am Donnerstagabend im Südpunkt.

07.02.2014 © Sportfoto Zink / DaMa


Die Verbundenheit zu ihrem Verein ist bei den Nürnberger Bürgern so groß wie in kaum einer anderen deutschen Stadt. Doch während die Anhänger des FC Bayern ein fast überschwängliches Selbstvertrauen an den Tag legen ("Mia san Mia") und selbst Kölner Fans ihren chronisch unruhigen FC grundsätzlich positiv begleiten ("Et hett noch emmer jot jejange"), steht in Nürnberg der Satz "Der Glubb is a Depp" wie kein anderer für das traditionell fatalistisch geprägte Verhältnis der Cluberer zu ihrem FCN. Ist diese Melancholie auf die fränkische Mentalität zurückzuführen? Über diese Frage diskutierten am Donnerstagabend im Südpunkt Klaus Schamberger (ehemals Nürnberger Abendzeitung), Brigitte Berner (WM-OK Nürnberg 2006) sowie Dr. Dr. Günter Niklewski (Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Nürnberg) unter der Moderation von Anja Bühling vom Bayerischen Rundfunk.

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In der Diskussion: Muss der Club denn ein Depp sein?

"Der Glubb is Depp" - dieser unheilvolle Satz klebt seit Jahren am 1. FC Nürnberg. Ob das zwingend so sein muss, darüber diskutierte eine illustre Runde am Donnerstag im Nürnberger Südpunkt.


Melancholische Neigungen seien durchaus eine typisch fränkische Charaktereigenschaft, stellt Niklewski fest. "Als ich in Nürnberg anfing sagte man mir, der Franke sei nicht bodenständig. Er sei bis zur Hüfte in den Boden hineingerammt." Außerdem verkaufe man sich in Franken gerne unter Wert: "Nürnberg ist so eine tolle Stadt, aber die Einheimischen merken davon nichts. Man hat hier alle Vorteile einer Großstadt, ohne dass die Menschen ihre Freundlichkeit verlieren." Niklewski muss es wissen, vor seinem Wechsel zum Nürnberger Klinikum lebte der Psychologe in Berlin.

Horst Leupold, 1968 Meister mit dem FCN, hält den Club nicht für einen Depp.

06.02.2014 © Gunnar Placzek


Der Journalist Klaus Schamberger hatte den Satz "Der Glubb is a Depp" 1996 geprägt, als sich der Club mit dem Abstieg in die Regionalliga Süd am sportlichen Tiefpunkt befand. Der Satz habe eine historisch gewachsene Gültigkeit, wenn man sich die Vereinsgeschichte vor Augen führe, so Schamberger. In der Tat vollbrachte der FCN das in Deutschland einzigartige Kunststück, sowohl als amtierender Meister des Jahres 1968 als auch als DFB-Pokalsieger 2007 aus der Bundesliga abzusteigen. Horst Leupold, Mitglied der Meistermannschaft von 1968, wehrte sich gegen den Ausdruck: "Mein Wortschatz ist durchaus reich, aber "Der Glubb is a Depp" kommt darin nicht vor." Als Spieler gebe man alles für den Verein und die Fans, als Depp bezeichnet zu werden sei gerade in schweren Situationen nicht angenehm.

Zu einem greifbaren Ergebnis führte die Diskussion schlussendlich nicht. Dass der Clubfan weiter leiden müsse, war so oder so klar. Die Titulierung als "Depp" bleibt jedoch weiter höchst umstritten.

 

gp / stw

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