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FCN-Coach Klauß: "Da habe ich richtig Bock drauf"

Der Club-Trainer im Gespräch mit Fadi Keblawi und Wolfgang Laaß - 19.04.2021 04:55 Uhr

"Weder ein Rückschlag noch eine Katastrophe": Robert Klauß über das 1:1 in Würzburg.

18.04.2021 © Foto: Daniel Marr/Zink


Die Aussichten auf den Klassenverbleib sind am Wochenende zumindest nicht schlechter geworden für den 1. FC Nürnberg, der erst morgen in Aue (18.30 Uhr, Live-Ticker auf nordbayern.de) wieder gefordert ist. Trainer Robert Klauß nahm sich deshalb am Sonntagvormittag Zeit, um über ein paar grundlegende Sachen zu sprechen.

Herr Klauß, traditionell eine unserer berüchtigten Eisbrecher-Fragen zum Einstieg: Steigt der 1. FC Nürnberg ab?

Klauß: Ist das nicht eher eine Ausstiegs-Frage? Die letzte an einen Trainer?

Sie könnten das Gespräch jetzt auch abbrechen.

Klauß: Nein, sie ist für mich relativ einfach zu beantworten, weil ich ein optimistischer Mensch bin und weiß, wie wir arbeiten. Natürlich steigen wir nicht ab. Jede andere Antwort käme ja auch ziemlich überraschend.

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Aber sind Prognosen gerade in Corona-Zeiten nicht ausgesprochen schwierig?

Klauß: Prognosen waren schon vor den ausgefallenen Spielen schwierig, weil die zweite Liga sehr eng ist, es gab im Saisonverlauf wahnsinnig viele Überraschungen. Corona hat es jetzt nochmal verschärft, und ich sehe schon auch, dass es langsam eng wird und nicht mehr viel passieren darf. Wir können uns nur selbst so gut wie möglich schützen.

Haben Sie Mitleid mit den Kielern und ihrem heftigen Restprogramm? Es könnten inklusive Relegation und Pokal-Finale zwölf Spiele in 34 Tagen werden.

Klauß: Das ist eine schwierige Situation für diesen Verein, definitiv. Aber sie wollen bestimmt kein Mitleid.

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Es geht ja zuvorderst um wahnsinnig viel Geld, ein Saisonabbruch würde auch den Club Millionen kosten. Hat der Finanzvorstand intern da nochmal explizit drauf hingewiesen?

Klauß: Intern geht’s vor allem darum, dass wir uns an die Regeln halten und regelmäßig Fußball spielen wollen. Natürlich ist die Wirtschaftlichkeit ein wichtiges Thema. Die Mannschaft möchte aber einfach in einem vernünftigen Rhythmus bleiben und in den letzten zwei Wochen nicht fünf Spiele offen haben.

"Haben Fortschritte gemacht"

Auch die sportlichen Sorgen sind ein ständiger Begleiter. Nach dem Rückschlag in Würzburg wirkten Sie hinterher einigermaßen angefressen bis geknickt.

Klauß: Wie gesagt: Ich bin ein optimistischer Mensch. In Ihrer Frage habe ich jetzt Sorgen und Rückschlag gehört. Als wären wir in der fünften Liga abgeschlagen Letzter. Zwei Drittel der letzten drei Spiele waren überzeugend, auch darüber könnten wir uns unterhalten. Natürlich wollten wir in Würzburg gewinnen, aber wir haben einfach nicht gut gespielt. Es ist aber weder ein Rückschlag noch eine Katastrophe.

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Hat Ihre Mannschaft immer noch Probleme damit, sich auch etwas länger zurückliegende Trainingsinhalte regelmäßig zu vergegenwärtigen?

Klauß: Ich denke, wir haben auch da Fortschritte gemacht. Gegen den Ball sind wir stabil, lassen wenig zu. Nach einem Spiel wie in Würzburg geht es für mich zunächst darum, auch Emotionen rauszulassen, die Analyse kommt später. Ein Stück weit sind wir da auch an unserer Erwartungshaltung gescheitert. In Fürth und gegen Paderborn haben wir einfachen Fußball gespielt, in Würzburg nicht. Den braucht man aber in jedem Spiel, egal ob gegen Hamburg oder Würzburg. Und als es dann nicht so lief wie gewünscht, haben wir uns durch Aktionen wie eine verunglückte Kopfballrückgabe oder einen Rückpass zum Torwart, der zu einer Ecke führte, verunsichern lassen. Wir sind einfach nicht positiv genug damit umgegangen.

Hat die enorme Steigerung der intensiven Läufe auch mit der System-Umstellung auf ein Drachenviereck zu tun?

Klauß: Ja, das ist taktisch bedingt. Wenn man in der Raute presst, muss man sehr viel im hohen Tempo anlaufen, weil man in der Tiefe gute Ebenen hat, in der Breite aber eher weniger. Das heißt: Man muss immer von innen nach außen pressen. Wenn man da nicht genug arbeitet, kann der Gegner leicht durch einen hindurchspielen. Da spielt der Kopf eine ganz große Rolle.

Folge 91: Der Trainer spricht

12,9 Sekunden dauern die Ballbesitzphasen im Schnitt. Für Ihren Geschmack zu lang oder zu kurz?

Klauß: Zu kurz. Mir geht’s aber nicht um Zeiten, sondern um die Qualität der Ballbesitzphasen und den Ort. Mir bringt es nichts, wenn wir in der letzten Kette 30 Sekunden den Ball haben und permanent nur hin- und herspielen.

Sie sagten vorhin, dass andere absteigen. Hieße: Der Club bleibt drin. Mit welchen Perspektiven? Um die Frage positiv zu formulieren: Spielt der 1. FC Nürnberg 2021/22 um den Aufstieg mit?

Klauß: Wir haben noch sechs Spiele, über Zielsetzungen in der nächste Saison machen wir uns Gedanken, wenn im Mai die Saison zu Ende ist. Nur so viel vorab: Wir werden keine wahnwitzigen Ziele raushauen.

Erst ab Mai?

Klauß: Im Hintergrund wird natürlich schon eine Menge vorbereitet. Die Mannschaft wird ja auch in Absprache mit dem Trainer zusammengestellt. Sportvorstand Dieter Hecking und Sportdirektor Olaf Rebbe haben klare Ideen, wie unsere Mannschaft aussehen soll, wie sie Fußball spielen soll.

Jugendspieler? Der Club ist top

Aber welche Perspektive hat diese Mannschaft, deren Aussehen sich im Sommer aufgrund von Verträgen nicht signifikant verändern wird? Ist da aus Ihrer Sicht noch Luft nach oben?

Klauß: Natürlich. Wir dürfen nicht vergessen: Von den 36 Erst- Zweitligisten sind wir unter den Top Drei, was Einsatzzeiten für unter 21-Jährige betrifft. Da ist noch eine Menge Entwicklungspotenzial vorhanden.

Hand aufs Herz: Haben Sie sich den 1. FC Nürnberg so kompliziert vorgestellt?

Klauß: Ja und nein. Die Arbeit mit der Mannschaft macht total Spaß, die Arbeit mit Dieter Hecking habe ich mir genau so vorgestellt. Nicht so vorgestellt habe ich mir, dass wir komplett ohne Fans spielen müssen und dass das Glas im Umfeld häufiger halbleer ist. Wir wollen es einfach schaffen, den Verein, der außerhalb von Nürnberg sehr positiv wahrgenommen wird, wieder ins richtige Licht rücken.

Hat Sie der fränkische Pessimismus vielleicht überraschen können, weil Sie mit RB Leipzig eigentlich nur eine andere Richtung kannten – nach oben?

Klauß: Das hat nichts mit Leipzig zu tun. Man lernt einen Verein und sein Umfeld erst richtig kennen, wenn man sich im Innenleben aufhält.

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Weil das ja gerade in Mode zu kommen scheint unter Trainern: Haben Sie auch eine Ausstiegsklausel?

Klauß: Über Vertragsdetails reden wir nicht. Aber ich fühle mich beim Club extrem wohl und habe mich langfristig an Nürnberg gebunden. Ich bleibe so lange hier, wie Dieter Hecking glaubt, dass wir zusammen etwas erreichen können. Da habe ich richtig Bock drauf.

Es ist nach wie vor Ihr Premierenjahr als verantwortlicher Trainer. Denken Sie auch mal darüber nach, wie es wäre, wenn Sie scheitern würden? Wie andere junge Kollegen, die schnell wieder von der Bildfläche verschwunden sind?

Klauß: Wenn man immer nur ans Negative denkt, wird man keinen Erfolg haben. Ich bin ein Mensch, der immer eher die Chance sieht als das Risiko. Aber natürlich bin ich noch ganz weit weg davon, etabliert zu sein. Ich habe ja noch nicht mal meine erste Profi-Saison rum.


Das ausführliche Gespräch können Sie in der neuen Ausgabe des Podcasts Ka Depp auf nordbayern.de nachhören.



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Interview: Fadi Keblawi, Wolfgang Laaß

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