Dienstag, 12.11.2019

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FCN gegen FCK: Andersen, Europa und ein Tor von Übel

Ein scheinbar unvergesslicher Doppelpack gegen Lautern ist fast vergessen - 30.10.2019 10:11 Uhr

Im Mai 1988 feierte der FCN durch einen dramatischen 3:2-Erfolg in der Bauruine des Städtischen Stadions den Einzug in den Uefa-Cup: Nicht zuletzt dank Andersen. © NN


Die größte Qualität eines Stürmers ist seine Handlungsschnelligkeit. Lange Nachdenken hilft vor dem Tor nicht weiter, automatisierte Abschlussstärke hingegen schon. Vielleicht hat Jörn Andersen seinen Doppelpack gegen Lautern gerade auch deshalb nicht präsent. "Es ist komisch. Ich erinnere mich nicht", gibt der ehemalige Angreifer - damals noch nicht Nationaltrainer von Nordkorea, kein Coach eines Erstligisten in Südkorea und folglich dort auch noch nicht entlassen - in einem Telefongespräch vor einigen Jahre also freimütig zu.

Andersen, Andersen, 3:1

Bereits gegen Homburg und Leverkusen hat sich der kühle Blonde aus dem hohen Norden in der entsprechenden Bundesliga-Saison im Abschluss zweimal cool gezeigt. Im Mai 1988 zelebriert Nürnberg jedoch die richtig große Andersen-Show: Dank eines weiteren Doppelpacks des heute 56-Jährigen feiert der Club einen 3:2-Erfolg gegen Lautern - und den Einzug in den Uefa-Cup. Dieter Eckstein hat den Ball in der Bauruine Städtisches Stadion nach einer Schwabl-Ecke in den Winkel geknallt und die verbliebenen Stadion-Stehränge damit früh in ein Fahnenmeer verwandelt. In der 25. Minute gleicht Wolfram Wuttke, Lauterns Regisseur und "Enfant terrible", jedoch aus. Wenig später folgt Andersens großer Auftritt: Beide Male von Mitspielern mustergültig in Szene gesetzt, bewerkstelligt der Norweger die 3:1-Halbzeitführung. 

Nach dem Fußball-Festakt in Hälfte eins ist im zweiten Durchgang indes die Gegenoffensive des FCK angesagt - und das große Zittern. Axel Roos' Kopfballtreffer gibt kurz nach der Pause das Startsignal hierfür. Doch der Club kann sich auf Andi Köpke, seinen glänzend aufgelegten Schlussmann, verlassen. Dieser ist bei einigen Lauterer Großchancen zur Stelle. Die knappe Führung hat bis zum Ende Bestand. Nürnberg grüßt Europa.

Für Jörn Andersen ist das lange her. Die Stadt ist für den Norweger, der bereits im Dress von Valerenga Oslo Torschützenkönig wurde, beim Club in drei Jahren knapp 30 Bundesliga-Buden machte und 1990 im Gewand von Eintracht Frankfurt schließlich als erster ausländischer Profi treffsicherster Torjäger der deutschen Eliteklasse ist, gleichwohl “immer eine Reise wert“. Seine Frau ist Nürnbergerin, er selbst - wie er vor ein paar Jahren sagte - “oft im Stadion“ und mit dem ein oder anderen Akteur des Altmeisters weiterhin im Kontakt.

 

Chandler, der Betze und Europa

Ebenfalls mit einer Nürnbergerin verheiratet ist Timothy Chandler. Der Timothy Chandler, nach dessen Hereingabe Hanno Balitsch den Ball beim letzten Erstliga-Treff der Traditionsvereine an den Querbalken nagelt und auf dem Betzenberg damit das Nürnberger 3:0 verpasst. So steht im April 2012 aus Club-Sicht ein 2:0 in der Pfalz. Und für die rot-schwarzen Bergvagabunden ein großer Schritt, der hilft, den (Ab-)Sturz in die Zweitklassigkeit zu vermeiden.

Mit dem gleichen Ergebnis hatte der Chandler-Club übrigens an gleicher Stelle auch ein Jahr zuvor die Oberhand behalten. Im Kampf um einen Europa-Startplatz verwertete Christian Eigler im Fritz-Walter-Stadion eine Flanke des US-Boys, der im Januar 2011 bei Nürnbergs Profis und bereits zwei Monate später gegen Messi in der Nationalmannschaft debütiert hatte, zur Führung des FCN. Am Ende dieser Saison grüßt gleichwohl Mainz und nicht der Club von dem Tabellenplatz, der als letzter zur Teilnahme am europäischen Vereinswettbewerb berechtigt. Und so auch nicht Timothy Chandler, der nach vier Jahren in der Noris seit 2014 wieder in seiner Geburtsstadt Frankfurt professionell Fußball spielt - und mit seinem neuen, alten Verein nun doch im Europapokal.

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2010/11: Auswärtssieg - der Club stürmt den Betzenberg

Der Club verdeutlichte durch einen verdienten 2:0-Erfolg auf Deutschlands höchstem Fußballberg seinen Appetit auf Europa: Chandler flankte, Eigler traf, Wollscheid köpfte hinten alles raus. Der "Betze" kochte vor Wut bis die Becher flogen. Hier sind die besten Bilder aus Kaiserslautern!


Ein Wahrsager macht alles richtig

Ka Depp - Verloren in der Scheißgasse

Weder in der Noris noch auf dem Betze - diesem sagenumwobenen Kulthügel, Deutschlands höchstem und bekanntestem Fußballberg - begegnen sich der FCN und der FCK derweil im August 1948. Dafür aber mit einer kuriosen Drumherum-Geschichte: In diesem heißen Nachkriegssommer treffen der Club und die Roten Teufel im Finale um die Deutsche Meisterschaft aufeinander. 70.000 Zuschauer fiebern im Glutofen des Müngersdorfer Stadions mit - 306.000 (!) Fußball-Fans haben Karten für den Titel-Clinch in Köln bestellt. Club-Keeper Edi Schaffer, der sich Lauterns Starstürmern Fritz und Ottmar Walter gegenübersieht, ist von Anfang an ein reaktionsschneller Rückhalt. Vorne zeigt sich Conny Winterstein zielsicher - 1:0 für den FCN! Ebenfalls im ersten Durchgang kommt Hans Pöschl einer Hagen-Maßflanke entgegen und wuchtet das Leder zur 2:0-Halbzeitführung über die Linie.

In der 62. Minute indes bringt Nürnbergs Abel Übelein die Pfälzer durch ein Eigentor noch einmal auf 1:2 heran. Wenig verwunderlich: Schließlich hat ein Wahrsager vor dem Endspiel im fränkischen Quartier prognostiziert: "Der Sieger wird drei Tore schießen, eines wird jedoch von Übel sein". Im meistertrunkenen Nürnberg wird man in diesem Nachkriegssommer darüber aber nicht allzu lange nachdenken. 

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