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FCN-Keeper Mathenia ist selbst sein "größter Kritiker"

Auch wegen seiner Emotionen will Klauß nicht auf ihn verzichten - 09.02.2021 05:55 Uhr

Seinen Fehler vor dem 1:1 konnte Christian Mathenia nur wenige Minuten später mit seiner Vorlage zum Siegtor wieder gutmachen.

06.02.2021 © Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr


Die pure Verzweiflung stand Christian Mathenia ins Gesicht geschrieben. Entnervt schlug der Schlussmann des 1. FC Nürnberg seine Stirn an den linken Pfosten, schüttelte den Kopf und hielt sich die Handschuhe vor das Gesicht. Es war wohl einer jener Momente, in denen man als Torwart kurz die eigene Berufswahl überdenkt.

Folge 82: Elfmeter, Platzverweise, Sensationen

88 Minuten lang war Mathenia seiner Elf in Darmstadt der erhoffte Rückhalt gewesen und hatte sie mit zwei, drei starken Paraden "komplett im Spiel gehalten", wie Trainer Robert Klauß lobend anmerkte. Dann aber schien der 28-Jährige wieder alle Kritiker, derer es gerade ja nicht wenige gibt, zu bestätigen.

Beim Versuch, eine hohe Hereingabe abzufangen, stürzte sich Mathenia ins Getümmel des Strafraums – und ließ den Ball aus den Händen gleiten. Mit fatalen Folgen. Aaron Seydels Schuss blockte Oliver Sorg mit letztem Körpereinsatz; der kollektiven Wahrnehmung, dass der Ball an Sorgs Brust gegangen war, mochte sich Schiedsrichter Martin Thomsen nicht anschließen und entschied auf Handspiel.

Fataler Fehlgriff: Christian Mathenia lässt den Ball aus den Händen gleiten und leitet damit einen Elfmeter ein. Entsprechend groß war der Frust nach dem 1:1.

08.02.2021 © Foto: Daniel Marr/Zink


Wild gestikulierend versuchte Mathenia samt Kollegen das drohende Unheil noch zu verhindern, doch alles Bitten und Betteln half nichts. Sorg sah Rot, den Elfmeter nutzte Fabian Holland zum 1:1. "Ich wollte in der Szene mutig rauskommen und die richtige Entscheidung treffen. Aber es war dann wohl doch die falsche", gestand Mathenia ein, und natürlich wusste der erfahrene Profi im Nachhinein auch, dass es besser gewesen wäre, "den Ball einfach aus der Gefahrenzone zu fausten. Das hat mich extrem gewurmt".

Torwartdebatte, Kritik und Emotionen

Vor allem, weil die Sache mit den falschen Entscheidungen Mathenia gerade ein bisschen verfolgt. Schon gegen Hannover (2:5) und in Sandhausen (0:2) hatte er beim ein oder anderen Gegentreffer keine gute Figur abgegeben und damit trotz einer bis dato sehr soliden Saison prompt wieder eine externe Torhüterdebatte entfacht. Es mehren sich Stimmen, doch endlich der talentierten Bayern-Leihgabe Christian Früchtl eine Chance zu geben. Klauß mag auf seine Nummer eins aber auch wegen deren Mentalität und Führungsqualitäten nicht verzichten: "Chris verkörpert die Emotionen, die uns auszeichnen", findet der Trainer.

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Mathenia selbst kann mit sachlicher Kritik leben. "Ich denke, dass jeder Spieler auf dem Platz für sein Handeln verantwortlich ist. Wenn wir als Mannschaft einen Negativlauf haben und man als Torwart falsche Entscheidungen trifft, ist es klar, dass auch Unruhe gegenüber meiner Person aufkommt. Da habe ich volles Verständnis", sagt Mathenia, der sich selbst "als meinen größten Kritiker" bezeichnet: "Ich hinterfrage mich jeden Tag." Gemeinsam mit Torwarttrainer Dennis Neudahm habe man "die Dinge klar analysiert und etliche Stunden im Videoraum verbracht", betonte Mathenia und verspricht: "Ich werde mich da hundertprozentig rausarbeiten."

"In der Hoffnung, dass irgendetwas passiert"

Und zumindest an alter Wirkungsstätte am Böllenfalltor ist ja nochmal alles gut gegangen. Dass Mathenia dem Fehlgriff die "Vorlage" zum Happy End folgen lässt, war die finale Pointe dieses am Ende turbulenten Zweitliga-Spiels. Eigentlich wollte der Torhüter für sein dezimiertes Team in der Schlussminute nur "etwas Zeit von der Uhr nehmen", entschied sich dann aber spontan um: "Ich hab’ Schleuse gesehen und den Ball einfach so weit es ging nach vorne geschlagen, in der Hoffnung, dass irgendwas passiert."

Irgendwas passiert ist dann tatsächlich, wenn auch anders als gedacht. Bedrängt von Fabian Schleusener köpfte Nicolai Rapp den Ball über Marcel Schuhen ins Tor. Nicht nur Mathenia dürfte sich in dieser Szene an den Relegationswahnsinn von Ingolstadt erinnert gefühlt haben, auch damals hatte er mit einem letzten weiten Ball das rettende Tor eingeleitet. "Man weiß ja, dass die Dramatik beim Club eine große Rolle spielt", sagte Mathenia schmunzelnd, "dennoch wünschen wir uns alle souveränere Spiele". Mit den richtigen Entscheidungen könnte er selbst künftig einen wesentlichen Beitrag leisten.

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