Herausforderung für den Trainer

Fechtclub Fürth: Jungen toben, Mädchen wollen trainieren

Trainer Harald Palm erklärt den Fürther Nachwuchsfechterinnen bis ins Detail, wie man richtig mit der Waffe umgeht.

Trainer Harald Palm erklärt den Fürther Nachwuchsfechterinnen bis ins Detail, wie man richtig mit der Waffe umgeht. © Sportfoto Zink / Oliver Gold, Sportfoto Zink / OGo

Lauthals tobend stürmen die Jungen mit ihrem Säbel durch die Halle, nur schwer sind die Kinder zwischen acht und zwölf Jahren zu bremsen.


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Ihr Trainer Harald Palm schafft es trotzdem mit ein paar sanften, mäßigenden Worten, sie wieder zum Fechten zu kriegen – wozu sie eigentlich da sind.

Nebendran stehen die Mädchen der Truppe und warten ein klein wenig genervt, dass es endlich weitergehen kann. "Sie machen schon auch gelegentlich mal etwas Blödsinn, aber viel weniger als die Jungs", sagt Harald Palm mit einem Lächeln. Der Berufsschullehrer betreut beim Fürther Fechtclub alle Teams. Und weil beim Fechten der Nachwuchs eben nicht an allen Ecken sprießt, sind da auch mal verschiedene Jahrgänge gemischt, auch Mädchen und Jungen.

Immerhin trainieren seit August erstmals fünf Mädchen zwischen sieben und zwölf Jahren in einer eigenen Gruppe. Zwar macht Palm klar, dass es keine Notwendigkeit gewesen wäre, es schade aber auch auf keinen Fall, schon allein, weil sich neue Mitglieder gefunden haben.

"Das Gejohle nervt sie eher"

Das ist auch der 13-jährigen Clara Fuderholz zu verdanken, die eine der wenigen jugendlichen Fechterinnen war. Sie hat gemeinsam mit Jugendwartin Cosima Schugmann einen Flyer gestaltet, der weiblichen Nachwuchs anlocken sollte – mit Erfolg.

Nun können die Mädchen in der Turnhalle der Otto-Lilienthal-Schule in der Flugplatzsiedlung also ein wenig ruhiger trainieren. "Besonders im Alter zwischen zehn und 13 Jahren sieht man bei den Mädchen einen deutlichen Unterschied", hat Harald Palm festgestellt.

"Sie orientieren sich mehr an der Sache, sind besser strukturiert und disziplinierter. Das Geschrei und Gejohle nervt sie eher, weil es sie vom Ziel zu fechten ablenkt." Das bedeute aber nicht, dass er seine männlichen Nachwuchsfechter weniger schätze: "Es ist nicht so, dass die Jungs nicht fechten wollen. Aber bei Mädchen hat man den Eindruck, dass da eher der Zusammenhang da ist: Wenn ich weniger herumblödle, komme ich auch mehr zum Fechten. Zu Beginn stehen eben auch technische Übungen an, da kann es dann sein, dass am Ende die Zeit zum Kämpfen fehlt."

Exakte Vorgaben

Auch die Herangehensweise unterscheidet sich. So seien die Mädchen bei der Ausführung der Übungen disziplinierter, machen meist genau das nach, was der Trainer vorgibt, während die Jungen auch mal unkonventionelle Sachen machen.

"Die Mädchen gehen sehr analytisch an die Sache heran und lernen meist schneller. Eine ehemalige Tänzerin zum Beispiel hat sich sehr leicht getan, die Schritte und Abfolgen zu lernen. Die Jungs gehen unbedarfter an die Sache heran und probieren mehr aus."

Eine bevorzugte Gruppe hat der Berufsschullehrer deshalb aber nicht: "Es ist einfach anders. Ich schätze aber beides sehr. Das Herumblödeln und Ausprobieren ist auch ein Zeichen von Kreativität und die ist im Fechten sehr wichtig. Denn es geht darum, aus dem gelernten Spektrum, den richtigen Schritt, die richtige Aktion herauszusuchen. Dabei ist manchmal auch Kreativität gefragt. Am Ende führen beide Wege zum Erfolg."

Ohne Hausmeister in die Halle

Als Ziel gibt Palm auch bei der Mädchengruppe aus, über kurz oder lang Turniere oder Meisterschaften zu bestreiten, denn: "Wer einmal auf einem Podium gestanden ist, zieht daraus mehr Durchhaltevermögen, wenn die Motivation mal weniger da ist."

Zuwachs könnte demnächst auch vom Hardenberg-Gymnasium kommen. Dort gibt es seit kurzem eine Fecht AG, der Verein verspricht sich davon, dass eine Fechterin oder natürlich auch ein Fechter hängen bleibt. Clara Fuderholz geht auch hier als Übungsleiterin voran, zeigt ihren Mitschülern, wie man den Säbel richtig schwingt.

Und das seit August auch wieder in der Halle der Otto-Lilienthal-Schule, doch das war ein kleiner Kampf. Weil in den Ferien kein Hausmeister aktiv ist, gab es zunächst eine Absage, wie Harald Palm berichtet: "Wir haben nach einigem Hin und Her schließlich die Genehmigung bekommen, es hat alles wunderbar geklappt. Wir haben dann selber sauber gemacht und uns um alles gekümmert. Das möchten wir auch in Zukunft so weiterführen. Die Stadt kann, wenn sie will. Das ist auch ein Zeichen an andere Vereine."


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Und vor allem die Grundlage, dass die Fechter, egal ob Jungen oder Mädchen, durch die Halle toben können und ihrer Leidenschaft frönen können.

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