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Fechtclub Fürth mit Ex-Nationaltrainern

Professionalisierung dank eigener Halle in Atzenhof - 08.12.2016 09:46 Uhr

Beim Nachwuchsturnier in der Atzenhofer Halle waren auch acht Mädchen am Start. András Szabó bietet jeden Tag Training in dieser Halle an. © Foto: Perlitz


Leider blieben die Deutschen unter sich, als der Fechtclub Fürth zum Nachwuchsturnier lud. Fechtmeister András Szabó ist dennoch zufrieden mit dem „hohen Niveau und dem starken Teilnehmerfeld“. 15 Jungen und acht Mädchen traten in der Sporthalle der Atzenhofer Otto-Lilienthal-Schule an. Zum ersten Mal war Atzenhof Gastgeber des zuvor in Hof stattfindenden Turniers.

„Die internationale Reichweite braucht Zeit, vor allem bei dem vollen Terminkalender. Das versuchen wir aber auf jeden Fall. Wir wollen eine Tradition schaffen“, blickt Szabó zuversichtlich voraus. Passend also zum traditionellen Fechtclub Fürth, der seit über 100 Jahren besteht und als Landesleistungsstützpunkt mittlerweile ein wichtiger Standort Bayerns geworden ist.

Bei Olympia und WM

In Fürth hat sich etwas getan in den vergangenen Jahren. Mit Szabó, der seit 2001 im Verein ist, gewann der Verein einen international erfahrenen Fechtmeister. Der Ungar ist seit 1973 Trainer und hat während seiner Laufbahn unter anderem die ungarische und die griechische Nationalmannschaft angeleitet. Zwischen 1984 und 1996 erlebte er jedes Olympiaturnier und jede Weltmeisterschaft als Trainer mit.

Daher ist sein strenges Credo: „Es muss Professionalität her. Mit Halbherzigkeit geht gar nichts.“ Dabei lobt er nach anfänglichen Zweifeln auch das ehrenamtliche Engagement im Verein. „Ich kannte das so nicht und fand es komisch. Im Leistungssportbereich gab es das einfach nicht. Aber schnell wusste ich: Ohne das Ehrenamt würde hier gar nichts mehr gehen.“ Darüber hinaus ist auch sein eigener Einsatz für den FC Fürth bemerkenswert. Als hauptberuflicher Trainer ist er täglich in der Halle.

„Wer möchte, darf jeden Tag ins Training kommen“, beschreibt er das ungewöhnlich gute Angebot. Das hängt auch damit zusammen, dass der FC Fürth neben der Otto-Lilienthal-Schule der einzige Nutzer der Sporthalle ist. Nach dem Schulsportunterricht stehen die Räumlichkeiten nahe des Golfplatzes ausschließlich für das Fechttraining zur Verfügung.

Besonders beim derzeitigen Mangel an Sportstätten haben die Fechter hier einen großen Vorteil. „Das hat der Verein so hingekriegt. Es ist sehr wichtig, das Angebot zu schaffen“, sagt Szabó stolz.

Den Grund für seine Hingabe zum Fechten und zum Verein sieht er in seiner Vergangenheit. „Ich bin sozusagen in der Fechthalle geboren. Das ist eine Berufung.“ Dennoch ist für ihn nach diesem Jahr Schluss, er geht in Rente. Für einen adäquaten Nachfolger hat er bereits gesorgt – Ferenc Tóth ist ebenfalls Ungar und derzeit noch Nationaltrainer Dänemarks. Der Professionalisierung dürfte somit nichts im Wege stehen.

Die Arbeit Szabós trägt bereits erste Früchte. Beim Ranglistenturnier „András-Cup“, das die Fürther ausrichteten, schafften es drei der vier Starterinnen vom FC Fürth ins Halbfinale. Im vereinsinternen Duell setzte sich die 17-jährige Luise Freitag gegen Sabina Ruck (14 Jahre) durch. Im anderen Halbfinale musste sich die Fürtherin Lara Erk (16 Jahre) der drei Jahre älteren Sophie Asanger vom ESV München-Neuaubing geschlagen geben.

Im Finale behielt Freitag deutlich die Oberhand mit 15:1. Bei den Jungen gewann Michael Kothieringer vom KTF Luitpold München das Finale gegen Florian Stadlbauer vom MTV München. Bester Fürther wurde der 15-jährige Lukas Beck auf Rang acht.

Nur der Oberkörper gilt

Die Teilnehmer fochten allesamt mit dem Florett, einer der drei Waffengattungen beim Fechten. Im Unterschied zum Degen und zum Säbel ist beim Florett nur der Oberkörper als Trefffläche erlaubt. Berührungen an den Beinen, Armen und der Maske sind ungültig.

Wer mit dem Fechten beginnen möchte, braucht keine besonderen körperlichen Voraussetzungen. Szabó wirbt für seinen Sport: „Man ist auf sich alleine gestellt. Die Gedanken des Gegners müssen gelesen werden, die eigenen müssen bedeckt gehalten werden. Man muss das Risiko einschätzen, eine Entscheidung treffen und anschließend die Verantwortung für die Entscheidung übernehmen.“ Seine Schlussfolgerung ist: „Jedes Kind sollte fechten.“ Der 15-jährige Korbinian Koller, der ebenfalls am Turnier teilnahm, beschreibt es so: „Es ist elegant, mit einer Waffe zu fechten. Wie Schach, nur auf eine extremere Art und Weise.“

Auch deshalb ärgert es Szabó, dass sein Sport mit den gleichen Problemen wie andere Randsportarten zu kämpfen hat. Man sitze „bei den Verbänden und in der Politik umgekehrt auf dem Pferd“, da für weniger erfolgreiche Sportarten weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. „Dann werden die Förderungen gekürzt, wenn Leute aus der Sportart aussteigen. Es müsste genau umgekehrt sein.“ Der Nachwuchs zahle den Preis dafür. 

BASTIAN PERLITZ

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