Fehlstart für Lewandowski: Slowakei lässt Polen alt aussehen

14.6.2021, 20:34 Uhr
Der Außenseiter aus der Slowakei jubelt über den Sieg gegen Polen.

Der Außenseiter aus der Slowakei jubelt über den Sieg gegen Polen. © Igor Russak, dpa

Robert Lewandowski verzog völlig frustriert das Gesicht, dann stapfte der Super-Stürmer schnellstmöglich in die Kabine. Wieder einmal erlebte der Weltfußballer mit der polnischen Nationalmannschaft auf der großen EM-Bühne eine herbe Enttäuschung. Statt seine herausragende Torquote aus der Bundesliga zu veredeln, droht Lewandowski das frühe Aus. Das Team um den 32 Jahre alten Torjäger legte am Montag in St. Petersburg mit dem 1:2 (0:1) gegen Außenseiter Slowakei einen Fehlstart hin und steht im zweiten Gruppenspiel gegen Ex-Weltmeister Spanien am Samstag (21 Uhr) schon gewaltig unter Druck.


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Ein Eigentor des unglücklich angeschossenen polnischen Keepers Wojciech Szczesny (18.) und ein Treffer von Milan Skriniar brachten vor rund 20.000 Zuschauern in Russland die Entscheidung zugunsten der Slowaken. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Karol Linetty (46.) war zu wenig, zumal die Polen nach der Gelb-Roten Karte für Grzegorz Krychowiak (62.) in Unterzahl agierten.

"Das erste Tor haben wir verschlafen. Wir haben nicht so begonnen, wie wir sollten. Das Ergebnis ist nicht zufriedenstellend", haderte Polens Torschütze Linetty und fügte hinzu: "Wir haben noch zwei zwei Spiele vor uns."

Lewandowski enttäuscht

Die Slowakei um Routinier Marek Hamsik feierten dagegen ausgelassen ihren Coup, stimmten auf dem Rasen mit den eigenen Fans begleitet von Stimmungsmusik die Welle an. Nach dem Auftakterfolg ist die Achtelfinal-Teilnahme wie 2016 zum Greifen nah. Gegen Bayern-Stürmer Lewandowski agierten die Slowaken konsequent und entschlossen, der polnische Superstar hat damit in zwölf Spielen bei großen Turnieren (EM oder WM) gerade einmal zwei Tore erzielt.

Dabei waren alle Augen auf ihn gerichtet. Doch der Weltfußballer musste schnell feststellen, dass er im polnischen Team bei weitem nicht so starke Nebenmänner hat wie beim FC Bayern - zumal auch seine potenziellen Sturmpartner Arkadiusz Milik (Olympique Marseille) und Krzysztof Piatek (Hertha BSC) verletzungsbedingt bei der EM fehlen. Dazu hatten die Slowaken immer zwei Verteidiger in der Nähe des Superstürmers, wenn es brenzlig wurde.

So nahmen die Slowaken die größte polnische Waffe weitgehend aus dem Spiel. Die beiden Torschüsse von Lewandowski zu Beginn des Spiels stellten keine Gefahr dar (4. und 5.). Kurz vor der Pause verzog der Bayern-Star den Ball aus kurzer Entfernung (42.). Insgesamt agierte die polnische Offensive ohne Ideen und Kreativität, Lewandowski wirkte zunehmend frustriert.

Erstes Eigentor eines Torhüters in der EM-Historie

Und der Außenseiter erwies sich als unbequemer Auftaktgegner. Aus einer sicheren Defensive setzte die Mannschaft von Trainer Stefan Tarkovic immer wieder Nadelstiche. Ging der Schuss des Kölners Ondrej Duda nach einem starken Solo noch knapp am Tor vorbei (14.), war es vier Minuten später nach einem starken Solo von Mak passiert.


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Der durch den früheren Nürnberger eingeleitete Treffer wurde aber von einer schlimmen Abwehrleistung der Polen begünstigt. Bartosz Bereszynski und Kamil Jozwiak ließen sich viel zu einfach ausspielen. Dazu machte Schlussmann Szczesny beim Schuss von Mak auch noch die kurze Torwartecke auf. Der Ball prallte vom Pfosten an Szczesnys Arm und von da ins Tor. Es war das erste Eigentor eines Torhüters in der EM-Historie. Und für Szczesny ein weiterer bitterer Moment, nachdem er 2012 im Auftaktspiel die Rote Karte gesehen hatte.

Nach einer blutleeren Vorstellung im ersten Durchgang kamen die Polen gestärkt aus der Kabine - und nur 29 Sekunden nach Wiederanpfiff zum Ausgleich. Nach einer schönen Kombination über Mateusz Klich und Maciej Rybus musste der freistehende Linetty nur noch einschieben. Doch die Ampelkarte für Krychowiak - eine harte Entscheidung - sorgte für einen Bruch. Die Slowaken wurden wieder mutiger und kamen nach einer Ecke durch den unbedrängt stehenden Skriniar zum nicht unverdienten Siegtreffer. Die polnischen Schlussoffensive brachte nichts mehr ein.

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