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Flucht vor Corona: Mit dem Kanu auf dem Brombachsee

Viele Sportarten liegen derzeit brach, das Kanufahren erlebt eine kleine Blütezeit - 04.05.2021 15:10 Uhr

Auch die Kleinsten fühlen sich im Kanu schon wohl. Der Sport eignet sich für alle, die gerne in der Natur und auf dem Wasser aktiv sind. Ob es eher eine gemütliche Genussfahrt auf dem See sein soll oder ein intensives Training, bleibt jedem selbst überlassen.

02.05.2021 © Foto: San Aktiv Tours


Schon vor gut 30 Jahren, als er noch ein erfolgreicher Kampfsportler war. Im Taekwondo hat er viel erreicht. Spitzenplätze auf internationalen Meisterschaften, einen dritten Rang auf der offenen deutschen Meisterschaft in der Gewichtsklasse bis 83 Kilo. Die Teilnahme an den World Games in Guatemala scheiterte nur an einem gebrochenen Mittelfuß.


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Doch das größere Problem war für Sanwald stets die Wirbelsäule. Der gelernte Molkereifachmann musste schon früh hart körperlich arbeiten. Dazu die Belastung durch die intensiven Trainingseinheiten im Taekwondo. Mit 20 war die erste Rücken-OP fällig. Bandscheibenvorfall, mit Lähmungserscheinungen im Bein. "Mir hat das Kanufahren als Ausgleichssport sehr geholfen", erinnert er sich. "Die Sitzposition muss stimmen, aber dann ist das ein idealer Sport für die Rückenmuskulatur."

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Heute steigt er nur noch wenige Male im Jahr ins Kanu. Als dem einstigen Leistungssportler ist längst ein erfolgreicher Unternehmer geworden. Sanwald betreibt die Firma "San-Aktiv-Tours", ein Freizeit- und Eventunternehmen mit Sitz in Absberg, am Ufer des Kleinen Brombachsees. Bogenschießen, Fahrradverleih, Übernachtung in Holzhütten und ausgefallene Veranstaltungsräume wie ein Tipi aus Holz und Glas – das Angebot ist groß.

Kajak oder Kanadier?

1992 als Sanwald angefangen hat, war das noch anders. Von einem mobilen Anhänger aus hat er da, nach seiner Umschulung zum Reiseverkehrskaufmann, Kanus und Fahrräder an Touristen verleihen. Viel Geld hat das anfangs nicht gebracht. "Man lernt in der Branche Verzicht. Es gibt Monate, da isst man Kaviar und andere, da isst man Fensterkitt", sagt er.

Die Zeiten mit dem Fensterkitt wurden über die Jahre weniger, Kanus verleiht er immer noch. Seine Gäste begeben sich dann entweder auf Touren durch den Kleinen oder den Großen Brombachsee, oder fahren zwischen Gunzenhausen und Treuchtlingen ein Stück auf der Altmühl. Kajaks und Kanadier bietet er an, in verschiedenen Größen. Die Kajaks, schmale, spitz zulaufende Boote mit Doppelpaddel, eignen sich am besten für sportlich Ambitionierte. Kanadier liegen dagegen höher, sind breiter und bieten mehr Platz. Die idealen Boote für Gepäck, Genuss und Gespräche.

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"Zu uns kommen Leute, die blutige Anfänger sind, aber auch Kanuten, die schon zehnmal da waren und genau wissen, welchen Bootstyp sie wollen", berichtet Sanwald. Der 52-Jährige beobachtet, dass durch die Pandemie vermehrt Menschen aus der Region zur Kanutour aufbrechen. "Letztes Jahr waren viele Einheimische da, die grillen danach noch, das hat dann ja auch Abenteuercharakter", sagt der 52-Jährige. Viele machen einmal im Jahr eine Kanutour, als besonderes Event und als Ausgleich zum Alltag.

Ein Kauf lohnt nur selten

Es gibt aber auch Sportler, die regelmäßig kommen. Die im Paddeln nicht nur den Genuss, sondern auch die auch die Herausforderung sehen. Ausdauer, Arm-, Rücken- und Bauchmuskulatur werden bei schneller Fahrt stark beansprucht. Doch ist es nicht ein bisschen teuer, sich immer wieder ein Kanu zu leihen, wäre ein Kauf auf Dauer nicht billiger? Kommt drauf an, sagt Sanwald. "Wenn man wirklich sagt, das ist jetzt mein Hobby, dann kann das sinnvoll sein, vorher nicht." Er verweist auf das dichte Netz an Vermietern in ganz Deutschland.

Volker Sanwald verleiht neben Kanus auch E-Bikes. Für uns hat er auf einem besonders ausgefallenen Exemplar Platz genommen.

02.05.2021 © Foto: Dominik Mayer


Ein eigenes Boot ist kein Schnäppchen. Bei knapp 1000 Euro geht es los, oft wird sogar noch deutlich mehr fällig. Für Gelegenheitsfahrer lohnt sich das kaum. Zumal stets auch ein Transportproblem dazukommt. Selbst ein 1er Kajak ist bereits um die fünf Meter lang. Ohne Dachgepäckträger oder Anhänger geht da nichts. Und im Winter will das Boot sachgerecht gelagert werden, nicht jeder hat den Platz dafür. Eine Alternative für Hobbykanuten können neben Verleihern aber auch Wassersportvereine sein, die ihren Mitgliedern Boote zur Verfügung stellen.

Kormorane grüßen vom Ufer

Dass Kanufahren auch für Anfänger als relativ sicher gelten darf, liegt am Material, erklärt Sanwald. "Heute sind die Boote meist aus Polyethylen, die können nicht untergehen". Dafür sorgen auch Auftriebskörper, die in den Kanus verbaut sind. Wer gekentert ist, kann sich am Boot festhalten, ohne befürchten zu müssen, dass es sinkt. "Das Boot ist damit praktisch auch eine Art Rettungsring." Zudem sollte eine Schwimmweste zur Ausstattung jedes Kanuten gehören. Bei Verleihern wie Sanwald darf ohnehin niemand ohne passende Weste ins Kanu steigen.

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Dann, nach ein paar Paddelschlägen, eröffnet sich die Faszination dieses Sports. Die Perspektive vom Wasser aus bietet selbst Einheimischen einen neuen Blick auf ihre Region. Das Boot gleitet sanft durchs Wasser, die hektische Betriebsamkeit des Uferbereichs weicht bald der Stille des Sees. Wer will, kann nach den Kormoranen am Nordufer des Großen Brombachsees Ausschau halten. Oder sein Kajak mit rhythmischen Paddelschlägen durch den See treiben. Schnell, sportlich, elegant – und auf Dauer ziemlich anstrengend.


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Am Abend nach einem sonnigen Tag am Brombachsee ist auch Volker Sanwald noch einmal gefordert. Alle verliehenen Boote müssen wieder verladen und verstaut werden. Ein Kanadier wiegt bis zu 40 Kilo. Aber zum Glück ist Sanwalds Rücken inzwischen ja stabil.


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