Franken: Mit 27 vom Trainer zum Bürgermeister

17.1.2021, 08:02 Uhr
Konzentriert vor dem Bildschirm. Marco Meier verschafft sich in einer Stadtratssitzung einen Überblick über die anstehenden Themen.

Konzentriert vor dem Bildschirm. Marco Meier verschafft sich in einer Stadtratssitzung einen Überblick über die anstehenden Themen. © Foto: Diane Mayer

"Es gibt kein jung oder alt, es gibt nur gut oder schlecht", ist Marco Meier überzeugt. Ein Satz, der das bisherige Leben des jungen Ornbauers auf den Punkt bringt. Wie es ist, jünger zu sein als die anderen, sich Respekt verschaffen zu müssen, zeigen zu müssen, dass man alles genauso gut kann wie jene, die schon viele Jahre im Geschäft sind, das weiß kaum jemand so gut wie Meier. Schon als Trainer war er immer ungewöhnlich jung, für manche zu jung, heute, als Bürgermeister der Stadt Ornbau, ist er es wieder.

Der 27-Jährige könnte in diesen Tagen ein begnadeter Fußballer sein, einer, der als filigraner Techniker die Zuschauer begeistert. In der Region und weit darüber hinaus. Das Talent dafür war jedenfalls da, nicht umsonst durfte er als Jugendlicher am DFB-Stützpunkt in Lehrberg trainieren. "Ich habe mir mit 16 die Kreuzbänder gerissen. Ab dann war mir klar, dass ich Trainer werden will", blickt Meier zurück.


Marco Meier will Bürgermeister von Ornbau werden


Mit 18 trainiert er bei der SpVgg Ansbach die B-Jugend in der Landesliga. Sein Co-Trainer damals: Bernhard Roider, der heute als Abteilungsleiter Fußball beim SV Ornbau in der Verantwortung steht. Dass der blonde Junge der Chef an der Seitenlinie ist, und nicht der deutlich ältere Roider, führt bei Außenstehenden bisweilen zu Verwirrung. Meier lässt sich nicht beirren.

Trainer bei Greuther Fürth

Wenig später trainiert er die A-Jugend des SC 04 Schwabach, darf danach sogar die U16 der SpVgg Greuther Fürth als Co-Trainer übernehmen. Hautnah erlebt er während seiner zwei Jahre beim Kleeblatt erst Frank Kramer, dann Mike Büskens als Cheftrainer der Profimannschaft. 2016 folgt die Rückkehr nach Schwabach, bevor er in der Saison 17/18 Trainer der ersten Mannschaft des SC Wernsbach-Weihenzell, seinem Heimatverein, in der Kreisklasse wird. Bis ihn Bernhard Roider im Juli 2018 zum Bezirksligisten SV Ornbau holt. Zu einer Mannschaft, der man nachsagt, sie sei nicht ganz leicht zu führen. Gerade einmal 25 ist Meier da.

"Er war immer kommunikativ, sehr engagiert und hat sich stets vor die Mannschaft gestellt", erzählt Patrick Hilgarth, der während Meiers Zeit beim SVO zwischen den Pfosten stand und nun selbst die Verantwortung an der Seitenlinie trägt. Dass es den ein oder anderen im Team gab, der zunächst skeptisch war gegenüber dem Küken an der Seitenlinie, das lässt Hilgarth auch durchblicken. Doch Meier war schnell akzeptiert. Weil er viel redet, strukturiert arbeitet. "Wenn einer fachlich gut ist, ist das Alter egal", findet Hilgarth.


Im Profil: Marco Meier, Bürgermeisterkandidat in Ornbau


Meier liebt und lebt Fußball, das Zusammensein mit der Mannschaft, die Emotionen auf dem Platz, die Anspannung vor dem Spiel. Aber es gab auch immer die andere Seite an ihm, die politische. Schon früh wird er Mitglied bei den Freien Wählern, ist Gemeinderat in seiner Heimatgemeinde Weihenzell. Außerdem ist er Pressereferent des Ansbacher Landtagsabgeordneten Peter Bauer (Freie Wähler), kandidiert 2018 sogar selbst für den Landtag. In Treuchtlingen studiert er Sportmanagement, in Ismaning schließt er ein Masterstudium in Wirtschaftspsychologie ab. Danach macht er sich selbstständig, als Berater und Coach für Führungskräfte und Sportler.

Die Öffentlichkeit schaut hin

"Menschen zu führen und zu motivieren, das hat mir schon immer Spaß gemacht", sagt Meier. Das hat er als Trainer getan, und er tut es jetzt im Ornbauer Rathaus. "Da gibt es schon Gemeinsamkeiten", bilanziert er. "Man führt ja immer ein Team, einmal Fußballer und jetzt eben den Stadtrat. Und beide machen ihre Arbeit ehrenamtlich." Dass man es nicht jedem recht machen kann, das gilt außerdem für beide Tätigkeiten.

Und das kritische Auge der Öffentlichkeit hat den Trainer genauso begleitet, wie es jetzt das Handeln des Bürgermeisters im Blick behält. Einen bedeutenden Unterschied gibt es aber auch: Während zwischen Trainern verschiedener Klubs nicht selten eine gewisse Rivalität herrscht, halten Bürgermeister in der Regel zusammen. Über alle Parteigrenzen hinweg.

"Verein hat mich unterstützt"

Lange hat Meier nicht an den Chefsessel im Rathaus gedacht. Doch als Amtsinhaber Heinz Baum ankündigt hatte, nicht mehr antreten zu wollen, keimte bei einem Bier unter Freunden der Gedanke auf, dass der Marco doch kandidieren könnte. "Ich habe den SV von Anfang an in die Überlegungen eingebunden. Es war immer klar, dass ich im Fall eines Wahlsieges nicht mehr Trainer sein könnte. Trotzdem hat mich der Verein immer unterstützt", lobt Meier. Der Wahlkampf war anstrengend für ihn und seine Mannschaft, die parallel dazu im Abstiegskampf steckte. Doch es hat sich gelohnt.

Marco Meier (rechts) als Trainer des SV Ornbau mit seinem „Co“ Stefan Zottmann. Das Vereins-Shirt hat Meier inzwischen gegen ein schickes Hemd getauscht.

Marco Meier (rechts) als Trainer des SV Ornbau mit seinem „Co“ Stefan Zottmann. Das Vereins-Shirt hat Meier inzwischen gegen ein schickes Hemd getauscht. © Foto: Mathias Hochreuther

Seit dem 1. Mai ist Meier, der schlanke, gutaussehende, blonde junge Mann mit dem weichen Gesicht, Ornbaus wichtigster Politiker. Täglich lernt er dazu, weil er halt "kein typischer Verwaltungsbeamter" ist, wie er sagt. Der Zeitaufwand ist hoch, die Tage im Büro oft lang. "Trotzdem macht es einfach Spaß. Das Amt ist vielfältig, man kann gestalten. Es geht mal um Kinderbetreuung, mal ums Bauen. Im nächsten Moment kommt eine Frage aus dem Standesamt", erzählt Meier.

Im Wahlkampf haben seine Gegner immer wieder sein jugendliches Alter, die mangelnde Erfahrung zum Thema gemacht. Dabei kann gerade das auch ein Vorteil sein, findet er. Weil er noch Visionen hat, unbefangen an neue Themen herangeht, weil seine Ideen nicht schon unzählige Male von den Mühlsteinen der Bürokratie zerrieben wurden. Weil seine Gedankenwelt (noch) nicht von Haushaltsentwürfen, Planfeststellungsverfahren und Bauanträgen dominiert wird.

Warten auf die Zeit nach Corona

Die Entscheidung, zu Gunsten des Bürgermeisteramts des Trainerjob aufzugeben "war emotional und hart" – aber sie war richtig. Nicht einmal in Zeiten des Lockdowns, in denen Termine außerhalb des Rathauses eine Seltenheit sind, gäbe es noch genügend Zeit, um beide Aufgaben parallel zu bewältigen. Mal für kurze Zeit als Trainer aushelfen, als Interimscoach, als Feuerwehrmann, das kann er sich aber durchaus vorstellen. Auch als Bürgermeister.

Einen wichtigen Bereich seines Amtes, den Besuch von Kirchweihen, Festen und Vereinsveranstaltungen konnte Meier pandemiebedingt noch gar nicht richtig kennenlernen. "Diesen direkten Kontakt zu den Leuten, den vermisse ich schon", sagt Meier. Bleibt die Hoffnung auf bessere Zeiten, irgendwann.

Im Herbst war er ein paar mal auf Fußballplätzen in der Region unterwegs. Spiele anschauen, nicht nur in Ornbau, weil er den Fußball eben doch manchmal vermisst. Zu den Jungs vom SVO hat er immer noch Kontakt. Er ist überzeugt, dass die Mannschaft die Qualität hat, um den Klassenerhalt zu schaffen. Falls es klappt, dürfte der Bürgermeister zu den ersten Gratulanten gehören.

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