Fußball-Camp

FSV Schnabelwaid: Runter von der Couch, rauf auf den Platz

15.6.2021, 06:00 Uhr
Jugendleiter Werner Müller (hinten links) im Jahr 2018 mit seinen Schützlingen. Um den Nachwuchs nach der langen Corona-Pause fußballerisch zu fördern, hat er die Fußball Akademie Bayern nach Schnabelwaid eingeladen.

Jugendleiter Werner Müller (hinten links) im Jahr 2018 mit seinen Schützlingen. Um den Nachwuchs nach der langen Corona-Pause fußballerisch zu fördern, hat er die Fußball Akademie Bayern nach Schnabelwaid eingeladen. © privat, NN

Die corona-bedingte Bewegungsarmut hat in den vergangenen Monaten auch die jungen Fußballer in der Region eingeholt. Bei vielen jungen Spielern hat die Fußball-Abstinenz ihre Spuren hinterlassen - das ist Jugendleiter Werner Müller schon bei der ersten Trainingseinheit der C-Jugend der SG Schnabelwaid vor zwei Wochen aufgefallen: Bei 50 Prozent der Spieler merkt man, dass die körperliche Beweglichkeit, Kondition und Koordination fehlen.

Acht Monate lang hätten seine Schützlinge keinen Vereinsfußball gespielt. Der Großteil der Mannschaft hätte in der kalten Jahreszeit nicht einmal einen Ball am Fuß gehabt. Stattdessen sammelte sich bei einigen seiner Spieler der Corona-Speck an. „Aktuell ist es wichtig, wieder langsam in den Trainingsbetrieb zu starten“, findet Müller.

Acht Monate ohne Spiel - und Trainingsbetrieb: Zwangspausen dieser Länge wirken sich bei jungen Sportlern nicht nur auf die körperliche Fitness aus. In der vergangenen Zeit wurden auch Freundschaften auf die Probe gestellt: Kinder und Jugendliche konnten teilweise sich nur noch in digitalen Sphären, nicht aber auf dem Sportplatz treffen.

"Den Spaß zurückgewinnen"

Um die fußballerischen Fähigkeiten und Teamdynamik im Re-Start wieder zu stärken, wollen die Verantwortlichen des FSV Schnabelwaid dem Nachwuchs demnächst etwas bieten: ein Fußball-Camp in Kooperation mit der Fußball Akademie Bayern. Vom 30. August bis zum 3. September sollen junge Fußballer wieder zusammenkommen und in fünf Turniertagen den Spaß am Sport zurückgewinnen – oder wie Jugendleiter Müller es treffend formuliert: „Die sollen was erleben, die haben lange genug nichts erlebt.“

In den fünf Tagen steht mit verschiedensten Übungen - von spielerischen Torschussübungen über Taktikschulungen bis zur Ernährungskunde - Fußball-technisch einiges auf dem Programm. Gecoacht werden die Kinder von ausgebildeten Jugendtrainern mit höherklassigen Fußballerfahrungen. Damit unterscheidet es sich von den regulären Trainingseinheiten des Nachwuchses aus den Spielgemeinschaft der vier Vereine: „Das ist ein Training, dass nicht von einem Papa oder Jugendleitern geleitet wird, sondern von Leuten, die schon Juniorenbundesligisten trainiert haben“, sagt Müller.

Der Jugendleiter hofft auf eine niedrige Inzidenz – und auf rege Teilnahme. Zurzeit ist er damit beschäftigt, Flyer an Jugendtrainer anderer Vereine zu versenden und Plakate zu basteln. „40 Teilnehmer wären optimal, ich würde mich aber auch über 20 freuen.“ Mit dem Camp möchten die Verantwortlichen auch Werbung für den die Spielgemeinschaft betreiben.

Schwund beim Nachwuchs

Die Jugendsituation beim FSV lässt nämlich derzeit zu wünschen übrig. Die Schnabelwaider müssen mit dem FC Creußen dem SV Lindenhardt und dem TSV Engelmannsreuth in fast allen Juniorenmannschaften Spielgemeinschaften bilden. „Wir hatten im vergangenen Jahr keine Neuanmeldungen“, berichtet Vorstand Thorsten Held. Jugendleiter Müller sieht im Jugendschwund beim FSV mehrere Gründe: „In Schnabelwaid leben kaum noch junge Familien mit Kindern, außerdem haben die Kinder heute eine Vielfalt an Möglichkeiten, um sich sportlich zu betätigen.“

Unabhängig davon, wie lange die Teilnehmerliste sein wird. Müller selbst freut sich schon auf das Camp. Er hat sich sogar extra schon dafür Urlaub genommen: „Meine Frau ist Köchin von Beruf. Wir werden zusammen die Küche managen.“

Schon im vergangenen Jahr hatten die Schnabelwaider ein Fußball-Camp für Kinder geplant. Doch die Pandemie machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Nun soll das kommende Camp in den Augen von Müller in erster Linie dafür sorgen, dass Kinder, Eltern und Trainer nach der langen Fußballabstinenz wieder zusammenkommen. Der Spaß soll im Vordergrund stehen: „Wir vermissen das alles. Jetzt geht es wieder darum, Freundschaften aufzufrischen.“

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