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Frauen-WM: Meistermacher Fuchs jagt vierten großen Titel

In Montpellier schwärmte er von DFB-Torhüterin Almuth Schult - 27.06.2019 14:21 Uhr

"Sie erledigt ihren Job, und sie erledigt ihn gut": Michael Fuchs schwärmt von Torhüterin Almuth Schults Können. © Foto: Sebastian Gollnow/dpa


Das Rampenlicht mag Michael Fuchs ungefähr so sehr wie einen schlecht aufgepumpten Ball, aber manchmal lässt es sich eben nicht vermeiden. So wie bei der WM 2011 und der WM 2015 und vor einigen Tagen in Montpellier, als die Torhüterin der deutschen Nationalmannschaft ihr persönliches Erfolgsgeheimnis ausplaudern sollte.

Rechts neben ihr auf dem Podium hörte Michael Fuchs gewohnt aufmerksam zu, was Almuth Schult den Journalisten denn so alles zu erzählen hatte. Und, doch eher Fuchs-untypisch, unterbrach sie sogar, während sich die erfahrene Fußballerin selbst charakterisieren sollte. "Ich denke, dass ich jedem einen Rat geben kann", sagte Schult. "Und auch gerne gibt", ergänzte Fuchs lächelnd. Gerne auch dem gebürtigen Nürnberger, ihrem direkten Vorgesetzten, der so unglaublich viel über das Torwartspiel weiß.


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Auch deswegen wollte er eines Tages unbedingt Torwarttrainer werden; seit 2007 schon ist Fuchs mit Unterbrechungen für die Nationalschlussfrauen verantwortlich. Dass Schult seit dem WM-Auftakt am 8. Juni noch keinen Gegentreffer kassiert hat in vier Begegnungen, ist somit auch das Verdienst des Gymnasiallehrers. Für den geliebten DFB-Job hat er mittlerweile seinen Beamtenstatus sausen lassen.

Selbst wenn er eines wohl noch fernen Tages keine Lust mehr haben sollte auf Stollen- und Handschuhe, sieht er seine berufliche Zukunft eher beim Verband, unter anderem in der Torwartentwicklung und Torwarttrainerausbildung.

Ausreißer nach oben und unten

Es gibt schließlich noch viel zu tun, gerade im Frauenfußball wird die Position zwischen den Pfosten beim Üben vielerorts noch sträflich vernachlässigt, ja sogar "stiefmütterlich behandelt", wie Fuchs betont. Der Weg ist somit das Ziel, mit der WM in Frankreich als nächster Etappe. Die Leistungen der 24 Torhüterinnen genügen diesmal fast durchweg höheren Ansprüchen, mit Ausreißern nach oben wie Chiles Christiane Endler. Und Ausreißern nach unten. "Das Niveau ist im Vergleich zu früher wirklich gut", findet Fuchs, "aber es gibt halt immer noch Szenen, die einfach nicht gut aussehen."

Vor zwei Jahren, bei der EM in den Niederlanden, sah noch viel mehr nicht so gut aus, als unter anderem Gaëlle Thalmann (Schweiz), Gudbjörg Gunnarsdottir (Island), Laura Giuliani (Italien) oder Stina Petersen (Dänemark) mit beinahe slapstickhaften Aussetzern unangenehm aufgefallen waren. Die Fachwelt rätselte plötzlich ob der Häufung einfacher Torwart-Fehler.

Zumindest der DFB blieb von einem Torwart-Problem stets verschont; nicht erst seit Fuchs, früher selbst Torwart bei den Club-Amateuren und beim ESV Rangierbahnhof, für den DFB tätig ist, standen meist große Persönlichkeiten zwischen Pfosten. Etwa Nadine Angerer aus Lohr am Main, in der Saison 1995/96 auch mal beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag und danach praktisch zwei Jahrzehnte die unumstrittene Stammbesetzung im deutschen Kasten. Als Legende galt sie spätestens seit der WM 2007, als sich Angerer nicht einmal überwinden ließ.

Dank ihrer Rettungstaten wurde seinerzeit auch der sanfte Riese aus Mittelfranken erstmals von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen; der Spiegel führte ihn prompt als "Weltmeisterin Michael Fuchs", was ausschließlich lustig gemeint war, aber eben auch ein kleines Akzeptanz- und Verständnisproblem offenbarte.

Einer der erfolgreichsten Torwarttrainer überhaupt

Mittlerweile ist der 49-Jährige tatsächlich: einer der erfolgreichsten Torwarttrainer der Fußball-Geschichte, mit seinen Titeln zu prahlen liegt ihm aber fern. Weltmeister, zweimal Europameister und auch Olympiasieger gewesen zu sein, "macht mich sehr stolz", sagt Fuchs nur, am 7. Juli würde er in Lyon liebend gerne mit aufs nächste Siegerbild.


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Auf dem Weg ins Endspiel warten am Samstag (18.30 Uhr/ZDF) zunächst die Schwedinnen, im Halbfinale ginge es gegen Italien oder die Niederlande. Almuth Schult, die deutsche Torhüterin, dürfte so oder so deutlich mehr zu tun bekommen als im bisherigen Turnierverlauf; folgt man der offiziellen Fifa-Statistik, musste Schult, die sie intern auch gerne "Almuth allwissend" nennen, gegen China, Spanien, Südafrika und Nigeria insgesamt bloß fünf Schüsse oder Kopfbälle parieren. Das, meint Fuchs, spreche vor allem "für die gesamte Defensivleistung".

Trotzdem ist Fuchs ein großer Fan der 28-Jährigen, die in der Bundesliga-Saison 2014/15 mit Wolfsburg mal zwischen Spieltag sieben bis 17 hinten die Null stehen hatte. Zur deutschen A-Auswahl durfte sie erstmals im November 2010, sich aber erst im September 2015, nach Angerers Rücktritt, als praktisch unantastbar fühlen. Fuchs attestiert ihr "eine starke Persönlichkeit mit einem eisernen Willen", hin und wieder benötige sie aber "besondere Zuwendung".

Was genau er damit meinte, verschwieg Fuchs auf der Pressekonferenz im Montpellier lieber, schwärmte aber trotzdem ein wenig von seinem Beruf und den Menschen, mit denen er zusammenarbeiten darf. "Es macht einfach Spaß", sagt Fuchs, "aber nicht, weil ich ihnen die Bälle ins Gesicht schieße." Möglichst weit entfernt vom Rampenlicht.

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WOLFGANG LAASS

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