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Für Cohen ist beim Club kein Platz mehr

Mittelfeldspieler kann höchstens noch in der U23 Spielpraxis sammeln - 12.07.2013 06:58 Uhr

Keine Zukunft mehr in Nürnberg: Der Club plant im defensiven Mittelfeld ohne Almog Cohen.

06.12.2012 © Sportfoto Zink / DaMa


Anfang des Jahres hatte Almog Cohen noch einen großen Auftritt. Was damals nur wenige wussten: Es war sein letzter für den 1. FC Nürnberg, so etwas wie ein vorgezogenes Abschiedsspiel. Knapp eineinhalb Jahre, bevor sein Arbeitsvertrag die Gültigkeit verliert.Cohen durfte gegen den Hamburger SV spielen (1:1), von der ersten bis zur letzten Minute. Seine Leistung stuften Beobachter hinterher als durchwachsen ein, er fiel damit aber nicht ab. Sein 58. Bundesliga-Auftritt kam freilich bloß zustande, weil Timmy Simons in der Viererkette aushelfen musste. Ansonsten wäre kein Platz mehr gewesen in der Startelf.

Das sah Cohen wohl ähnlich und wollte seine Karriere deshalb auf Mallorca fortsetzen, der Transfer platzte in vorletzter Sekunde. Was nicht viel daran änderte, dass er wegwollte. „Auf ausdrücklichen persönlichen Wunsch“, wie es in der Pressemitteilung des Vereins hieß, wechselte Cohen wenig später auf Leihbasis zu Hapoel Tel Aviv, um wieder auf die Beine zu kommen. Um sich, wie es Sportvorstand Martin Bader formuliert, „wieder in den Fokus zu spielen“.

Urlaubsverlängerung erfolglos

Der Plan ging wohl nicht ganz auf. Als ziemlich „durchwachsen“ bezeichnet Bader die Auftritte seines launischen Angestellten, der gemäß Absprache am Montag wieder in Nürnberg erscheinen müsste. Cohen durfte seinen Urlaub kurzfristig verlängern, um vor allem Gespräche zu führen. Mit Funktionären andere Vereine, die ihn verpflichten würden. Derzeit sieht es allerdings eher danach aus, als ob der „Gattuso Israels“, so sein durchaus schmeichelhafter Spitzname, bald wieder in Nürnberg übt.

Allerdings nicht mit den Profis. „Er wird nicht mehr bei uns trainieren“, versichert Michael Wiesinger, sein Chef. Sondern: Mit der U23. „Almog spielt in unseren Planungen keine Rolle mehr“, sagt Wiesinger, die Entscheidung habe man schon im Januar getroffen. Für die Besetzung seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld gibt es auch nach Timmy Simons’ Abschied genügend Kandidaten, sogar mehr als vor einem halben Jahr. Jungstar Niklas Stark und Muhammed Ildiz sind neu dabei, außerdem können Hanno Balitsch, Markus Feulner und Mike Frantz vor der Abwehrreihe für Ordnung sorgen. Cohen hingegen traut man es nicht zu. Nicht mehr. „Der Kader“, sagt Bader, „ist ohne Almog zusammengestellt.“

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Dabei galt Cohen vor seinem Wechsel nach Nürnberg als Geheimtipp. Beim israelischen Erstligisten Maccabi Netanya hatte er selbst seinen Ex-Trainer Lothar Matthäus schwer beeindruckt, der regelrecht schwärmte von seinem Abräumer. Äußerst zuverlässig erfüllte Cohen seine Aufträge, ab dem 1. Juli 2010 für den Club. Sein Talent war dem 1. FC Nürnberg einen angeblich üppig dotierten Vierjahresvertrag wert. Und es lief anfangs auch recht ordentlich; 25 Bundesliga-Einsätze in seiner ersten und 24 in seiner zweiten Bundesligasaison entsprachen in etwa den Erwartungen. Bis Cohen irgendwann den Ansprüchen nicht mehr genügte.

„Nichts verbrochen“

Dass seine Degradierung ausschließlich sportliche Gründe habe, betonte Bader auch gestern. „Der Junge hat nichts verbrochen“, sagt der Sportvorstand, nur sei eben „die Karavane weitergezogen.“ Und zwar ohne Cohen, der auch nicht unbedingt in Israel bleiben möchte. Rapid Wien zeigte sich interessiert, eine Einigung kam aber nicht zustande. Obwohl Cohen praktisch ablösefrei zu haben wäre.

Sein vormals exzellenter Ruf scheint in den vergangenen Monaten etwas gelitten zu haben. Bis spätestens 31. August hat er nun Zeit, um in Europa einen anderen Erstligisten aufzutreiben, „wir würden ihm keine Steine in den Weg legen“ (Bader). Und auch Cohen verspürt wohl wenig Lust auf Pflichtspiele gegen Schalding-Heining oder Illertissen.

Sollte er Anfang nächster Woche seinen Dienst antreten, wäre von den Profis ohnehin niemand da. Ab Samstag bereitet sich der Club acht Tage in Grassau am Chiemsee auf die Hinrunde vor, mit Tests gegen die Spielvereinigung Unterhaching (Samstag, 16 Uhr) und Borussia Mönchengladbach (Mittwoch, 18 Uhr). „Wir müssen jetzt gefordert werden“, sagt Wiesinger, was zuletzt selbst die Spielvereinigung Bayreuth und der SV Seligenporten schafften, zumindest phasenweise. Weil viele Nürnberger schwere Beine haben, weil die Spritzigkeit fehlt. Sonderurlauber Cohen kennt das Gefühl. Aus der Vergangenheit.

 

WOLFGANG LAASS

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