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Für den Weg zurück: Club will "an alle Grenzen gehen"

FCN will trotz Einsparungen eine Mannschaft mit Perspektive zusammenstellen - 13.05.2014 05:59 Uhr

Eine Hälfte steht ja noch: Der Club im Mai 2014 (am Rande des Trainingsgeländes der Profis). © Hans Böller


Am Montag sah man sich ein letztes Mal, es regnete in Strömen, als sich die Fußballer des 1.FC Nürnberg am Valznerweiher zu einer Art Bußestunde trafen. Eine Sportstunde stand anschließend nicht mehr auf dem Programm, es gibt ja auch keinen Turnlehrer mehr. Roger Prinzen, der Interimstrainer, ist mit dem Abstieg ins zweite Glied zurückgetreten und betreut künftig wieder das Regionalligateam.

Verabschiedet von den Spielkameraden hat sich bei der Gelegenheit Josip Drmic, am Montag wurde der Transfer des Nürnberger Torjägers zu Bayer Leverkusen auch offiziell bestätigt. Der Club erhält eine Ablösesumme von etwa sieben Millionen Euro für den vor Jahresfrist für 2,2 Millionen vom FC Zürich geholten Stürmer; wieder einmal, wie schon in den Fällen von Dennis Diekmeier, Ilkay Gündogan, Philipp Wollscheid oder Timm Klose, hilft ein beträchtlicher Transfer-Überschuss beim Neuaufbau einer Mannschaft.

Bloß findet der diesmal in der Zweiten Liga statt. Zuletzt stand man vor sechs Jahren vor dieser Herausforderung und entschied sich für einen Kurs des kalkulierten Risikos: Die Mannschaft der Pokalsieger von 2007 blieb im Kern zusammen, für das Unternehmen sofortiger Wiederaufstieg nahm man ein Minus im Jahresetat von am Ende gut fünf Millionen Euro in Kauf. Die Rechnung ging auf, wenn auch knapp – über die Relegation kehrten die zunächst schwach in die Spielzeit gestarteten Nürnberger zurück, die Schulden konnten zügig abgebaut werden.

Man werde jetzt "an alle Grenzen gehen", sagt Sportvorstand Martin Bader, befinde sich aber "wirtschaftlich auf einem anderen Niveau" als damals, auf "dem Weg der Vernunft" gehe es deshalb auch ins Erzgebirge, nach Aalen, Heidenheim und Sandhausen – wo die künftigen Gegner daheim sind –, vielleicht aber "ein bisschen risikobehafteter", wie es Bader ausdrückt. Eine Neuverschuldung ist nicht eingeplant.

"Platz sechs bis zehn"

Der Anspruch bleibt – "bei allem Respekt vor der Zweiten Liga", so der Sportvorstand – die Bundesliga, darauf ist der Verein in seiner Struktur und in seinen wirtschaftlichen Planungen, die einen Abstieg immer einkalkulierten, ausgelegt. Am Ende der Spielzeit 2014/15 soll die Rückkehr ins Oberhaus stehen, wo es mittelfristig idealerweise um "Platz sechs bis zehn" gehen sollte, wie Finanzvorstand Ralf Woy erklärt – "auch wenn das im Moment ein wenig lächerlich klingen mag" (wie Woy sicherheitshalber ergänzt).

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Wer aus dem vorhandenen fußballerischen Stammpersonal die Mission mitmacht, soll in den nächsten Wochen geklärt werden. Neben Drmic ist Hiroshi Kiyotake, der am Montag wie sein Nürnberger Spielkamerad Makoto Hasebe ins japanische WM-Team berufen wurde (und in Brasilien seinen Marktwert beträchtlich steigern könnte), ein Transferkandidat, indes offenbar kein zwingender. Sollten sich Angebote nicht mit den Nürnberger Vorstellungen decken, ginge es mit Kiyotake in die zweite Liga.

Ähnliches gilt für Timothy Chandler und Marvin Plattenhardt, für die sich der VfB Stuttgart zu interessieren scheint, und für den angeblich bei Hertha BSC Berlin gehandelten Mike Frantz; Stürmer Daniel Ginczek soll nach Möglichkeit gehalten werden. "Wir haben alle etwas gutzumachen", sagt Martin Bader im Blick auf die Personalplanung, er wolle jetzt "sehen, wer bereit ist, die Zukunft positiv zu gestalten und mitzuhelfen, den Fans ihre Ehre zurückzugeben".

Fast genauso hatte, bereits am Samstagabend nach dem finalen 1:4 auf Schalke, Javier Pinola den Auftrag beschrieben, sein Wunsch, beim Ausbügeln des angerichteten Flurschadens mittun zu dürfen ("Wir müssen das wiedergutmachen"), wird dem 31 Jahre alten Verteidiger voraussichtlich erfüllt. Noch in dieser Woche soll es Gespräche mit Pinola geben, um dessen Dienste nach dem Abstieg 2008 mit einer Art Volksbegehren ("Pinola muss bleiben") erfolgreich geworben wurde; beide Seiten gehen auch jetzt von einem neuen Vertrag aus.

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Javier Pinola und Kapitän Raphael Schäfer, die beiden verbliebenen Stützen des Pokalsiegerteams von 2007, dazu möglicherweise Markus Feulner, Makoto Hasebe und Per Nilsson: So könnte das Gerüst der neuen Mannschaft aussehen, ergänzt werden soll es um hauseigene Nachwuchskräfte und Neuzugänge mit Lust auf die Zweite Liga. Wie Emanuel Pogatetz und Hanno Balitsch spielen Profis wie Tomas Pekhart oder Robert Mak dagegen wohl keine Rolle mehr.

Zeitig involviert in alle Planungen soll ein künftiger Sportmanager werden, der neunköpfige Aufsichtsrat und Bader prüfen derzeit die Namen mehrerer Kandidaten. Mit einer Entscheidung ist noch im Lauf dieser Woche zu rechnen, denn zur Besetzung der wichtigeren Position bleibt angesichts der für Zweitligisten kürzeren Sommerpause nicht viel Zeit.

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Gesucht wird ein Trainer, einen dritten Irrtum hintereinander darf sich Nürnberg dabei eigentlich nicht leisten – obwohl sich das nach dem Abstieg 2008 sogar korrigieren ließ; Thomas von Heesen wurde damals nach nur zwei Zweitliga-Spieltagen entlassen, Michael Oenning führte die Sache zu einem guten Ende. "Ein Mann, der die zweite Liga schon gesehen hat", sagt Bader, soll es jetzt sein, genauer festlegen wollen sich Aufsichtsrat und Sportvorstand erst, wenn Baders künftiger Zuarbeiter für den Sportbetrieb installiert ist. Für den gilt: "Er muss ins Team passen", so Bader, und: "Er wird auf jeden Fall die Möglichkeit bekommen, viel und hart zu arbeiten."

VON HANS BÖLLER

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