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Fürths Rachid Azzouzi fordert eine Neuverteilung der TV-Gelder

"Es kann so nicht weitergehen" bemängelt der Kleeblatt-Sportvorstand - 24.06.2020 16:07 Uhr

"Die Reichen werden immer reicher": Fürths Rachid Azzouzi will das TV-Geld nun anders verteilen.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, NZ


Azzouzi kennt das Geschäft, der Aachener mit marokkanischen Wurzeln verdiente über ein Jahrzehnt als Profi sein Geld, anschließend schlug er die Funktionärslaufbahn ein. Und er genoss in Fürth unter dem in Finanzfragen maximal gewieften Ex-Präsidenten Helmut Hack sicher keine schlechte Schule. Azzouzi weiß zudem, wann er sich aus dem Fenster lehnen kann und wann Zurückhaltung angesagt ist. Jetzt nicht, findet der 49-Jährige: In der Debatte um die Neuverteilung der Fernsehgelder greift der Fürther Geschäftsführer nicht weniger als die Schwergewichte der Liga an.

Der FC Bayern München und Borussia Dortmund hatten den großen Kampf um die Millionen längst eröffnet. Hans-Joachim Watzke etwa benötigte eine gewisse Anlaufzeit, um den in der Corona-Krise im Profibereich neu aufgekommenen Begriff Solidarität tatsächlich als Akt des Gemeinwohls zu verstehen. Erst am Samstag bewies Ex-Nationalkeeper Oliver Kahn, dass er die neue Rolle in der Vorstandsetage des FC Bayern schon ganz nach dem Gusto des als knallhart bekannten Karl-Heinz Rummenigge zu interpretieren weiß.

"Es muss sich etwas verändern", fordert Fürths Azzouzi Liga auf

Man habe doch einen "solidarischen Verteilungsschlüssel", befand Kahn larmoyant. Für die Verantwortlichen des nun zum achten Mal in Folge gekürten Abonnement-Meister heißt das schlicht: Wer in der Tabelle oben steht, kassiert am meisten. Wer unten steht, wird abgespeist. Ein Beispiel aus der Saison 2018/19, das zeigt, dass selbst diese Rechnung geschönt daherkommt: Da strich München aus der nationalen Rechteverwertung mit 65,4 Millionen Euro mehr als zweieinhalb mal so viel Geld ein wie die Düsseldorfer, die auf Platz zehn landeten und "nur" rund 25 Millionen Euro kassierten.

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"Es muss sich etwas verändern", fordert Azzouzi die gesamte Liga, vor allem aber die Taktgeber in diesem Millionen-Monopoly, zur Neuausrichtung auf. "Wenn wir so weitermachen, werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Das tut dem Fußball nicht gut." Geht es aber nach dem FC Bayern, bleibt alles so, wie es war, und die Schere klafft immer weiter auseinander.


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"Es geht nicht darum, den Spielern und den Beratern mehr Geld zu geben", erklärt Azzouzi seinen Ansatz: "Es geht um einen besseren Wettbewerb. Es kann so nicht weitergehen." Den Platzhirschen dürfte das nicht gefallen. Sie werden bei den heute beginnenden Verhandlungen ihren Einfluss auf das Präsidium der Deutschen Fußball Liga geltend machen, weiß Azzouzi um die Kräfteverhältnisse zwischen Bayern oder Dortmund und dem kleinen Fürth.

Azzouzi schießt gen BVB: "Der Herr Watzke sollte vorsichtig sein"

Trotzdem geht Azzouzi in die Offensive und schießt scharf in Richtung Dortmund. "Der Herr Watzke sollte vorsichtig sein. Es ist noch gar nicht so lange her, als Dortmund finanziell am Abgrund stand und dem Ruin gerade so von der Schippe gesprungen ist." Der Kuschelkurs in der Corona-Krise ist passé. Auch andere Klubs brachten sich in Stellung. "Anstand und Weitblick" forderte DFL-Chef Christian Seifert deshalb vorsorglich. "Daran wird er sich messen lassen müssen", findet Azzouzi, der sich zumindest eine Spur mehr Chancengleichheit wünscht.


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Als Konsequenz des bisherigen Verteilerschlüssels sieht sich der Fürther Geschäftsführer jeglicher Möglichkeiten beraubt. Hierarchien seien zementiert, Überraschungen kaum noch möglich, die zweite Liga bliebe ein Anhängsel, Meister würden die Bayern oder Dortmund. Aufregend sei das nicht, schon gar nicht sportlich: "Es ist frustrierend. Selbst wenn du hart arbeitest und alles versuchst, sind dir trotzdem immer Grenzen gesetzt."

Es dürfte spannend werden, ob sich die DFL zu einem Richtungswechsel entschließt und den Impulsen der Mächtigen widersteht. Als "genauso anstrengend" wie die Verhandlungen mit den Medienpartnern schätzt Seifert dieses Votum ein. Werden die Armen gehört, wäre es nicht weniger als ein Paradigmenwechsel für den Fußball.


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Florian Pöhlmann

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