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Fußballspiele in der Blase: Auch Fürth rüstet sich

Fortsetzung der Saison im Mai? Zwischen Expertise und Sonderbehandlung - 06.04.2020 13:04 Uhr

Immer am Handy: Das Spielfähigkeit von Profis in der Corona-Krise ist ein Thema, das Rachid Azzouzi nicht nur mobil verfolgt. © Sportfoto Zink / WoZi


"Wir achten auf höchste hygienische Standards, die Kleinstgruppen trainieren mit unterschiedlichen Trainern, auf unterschiedlichen Plätzen, zu unterschiedlichen Zeiten", erklärt Rachid Azzouzi, Geschäftsführer Sport bei der SpVgg Greuther Fürth. "Die Kabine und innenliegende Mannschaftsbereiche bleiben dabei sogar gänzlich geschlossen."

Kleeblatt-Macher Azzouzi: "Erster Schritt in der Vorbereitung"

Geduscht wird zuhause, die Spieler erscheinen bereits umgezogen zu den Einheiten, in denen es vorerst keinen Körperkontakt geben wird. Der Fokus liegt auf physisch beanspruchenden Elementen wie Intervallläufen, auch Übungen mit dem Ball sind möglich. Wann die Profis in den Wettkampfmodus umschalten, steht weiter in den Sternen.

"Einen ersten Schritt in der Vorbereitung" nennt Azzouzi, was ab heute passiert, in der vier- oder fünfwöchigen Aufbauphase vor dem nächsten Punktspiel. Selbst der renommierte Virologe Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle/Saale, hält eine Fortsetzung der Fußball-Bundesligen im Mai für möglich, wie er am Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF verriet: "Machbar ist alles". Die Frage ist nur, zu welchem Preis. Auch für die Fußballer - die allerdings, wie der Experte ausdrücklich betonte, nicht zur Risikogruppe zählen.

Trotzdem käme einiges zu auf die Vereine und ihr Personal. "Rein virologisch", so Kekulé, wäre das Problem lösbar: "Aber nur, wenn man eine Art spezielle Blase für die Fußballspieler schafft." Eine Blase, von der andere Sport- und Bevölkerungsgruppen in der Corona-Krise nur träumen können und die gesamtgesellschaftlich deshalb extrem kontrovers diskutiert werden dürfte.

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Die geplante Sonderbehandlung der 36 Profi-Vereine hätte vor allem ein deutlich erhöhtes Testaufkommen zur Folge. Virologe Kekulé hat berechnet, dass die erste und zweite Bundesliga bis zum Saisonende etwa 20.000 Tests benötigen würden, aktuell schafft Deutschland pro Tag etwa 100.000, Tendenz massiv steigend. Würden sämtlicher Teilnehmer an der Veranstaltung, also auch Trainer und Betreuer, idealerweise am Abend vor einem Spiel getestet, "hätte man eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Spiel sicher ist", glaubt Kekulé, sprich: dass sich niemand aus dem jeweiligen Tross mit dem Coronavirus infizieren würde.

+++ Corona-Dauertests: Virologe warnt vor Profi-Bonus +++

Testverfahren bereits beschlossen? Die DFL dementiert

Wieder Fußball ab Mai?

Wenn doch, so der Plan der DFL, müsste auch nur der Infizierte in Quarantäne und nicht mehr die ganze Mannschaft, wie kürzlich unter anderem beim 1. FC Nürnberg. Dass die Task Force "Sportmedizin/Sonderspielbetrieb", die ein Konzept zur "medizinisch vertretbaren Fortführung des Spiel- und Trainingsbetriebes" erstellen soll, bereits Testverfahren für die 36 Erst- und Zweitligisten beschlossen habe, dementierte die DFL am Sonntag vehement.

Eine spezielle Absicherung, ja Abschirmung der Spieler wäre trotzdem unumgänglich; Kekule spricht von "drakonischen" Maßnahmen, um das Restrisiko minimieren zu können. "Sie müssten privat unter besonderen Sicherheitsbedingungen weiterleben", sagt Kekulé, die komplette Gruppe müsste "in eine Art Spezialquarantäne." Um auch die gemeinsame An- und Abreise im Bus oder Flugzeug einigermaßen gefahrlos bewerkstelligen zu können.

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"Ich würde für dieses Jahr nichts mehr planen mit Publikum"

Inwieweit moralische Bedenken gegen die erneuten Privilegien für Fußballer erlaubt oder gar berechtigt wären, kann und möchte der Virologe nicht sagen. Wie man das den Menschen im Land vermittle, sei eine politische Frage, betont Kekulé, keine medizinische. Was er sagen kann: Die Spiele wären nur ohne Zuschauer möglich, mindestens bis Dezember. "Ich würde für dieses Jahr nichts mehr planen mit Publikum", sagt Kekulé: "Da wäre ich pessimistisch. Es sieht nicht so aus, als könnten wir dieses Jahr noch ernsthaft so etwas ins Auge fassen."

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, auch in Fürth, wo sich Rachid Azzouzi eine Bessserung der Lage "insbesondere auch für all diejenigen Mitarbeiter" wünscht, "die nicht in kurzen Hosen auf dem Rasen stehen".

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Martin Schano und Wolfgang Laaß

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