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"Gefährliche Situation": Auch die BBL pausiert wegen Corona

Brose Bamberg und die Nürnberg Falcons sind von der Unterbrechung betroffen - 12.03.2020 17:16 Uhr

Das Spielgerät in Deutschlands höchsten Basektball-Ligen ruht zunächst. © Sportfoto Zink / ThHa


Dass die BBL nicht immer glänzt, wenn es um Krisenmanagement geht, weiß man in Nürnberg spätestens seit dem vergangenen Jahr. In diesem Fall ist die Sachlage aber tatsächlich relativ kompliziert, denn sie ist nicht vergleichbar. Aufgrund der hohen TV-Gelder hätten die Fußballvereine in den obersten Ligen wohl auch ein paar Geisterspiele verkraftet. Beim Eishockey haben die wenigsten Vereine fest mit den Playoffs kalkuliert, die Schwarze Null wurde bereits nach den letzten Partien der Punkterunde erreicht. Beim Basketball ist das anders.

In der BBL sind erst 21 von 32 Spieltagen absolviert, manche Teams standen sogar nur 19 Mal auf dem Parkett. Mindestens fünf oft auch mehr Heimspiele stehen also noch aus – und damit natürlich auch die Einnahmen von eben diesen Heimspielen. Die Saison jetzt einfach zu beenden, das funktioniert nicht, sagen manche Vereine, BBL-Chef Stefan Holz sprach bereits von einer "existenziellen Situation".

Kosten, aber keine Einnahmen

Am Donnerstagnachmittag entschied sich die Liga vorerst dafür, den Spielbetrieb "bis auf weiteres" auszusetzen. Innerhalb von zwei Wochen wollen sich die Vereinsvertreter erneut treffen und beraten, ob die Saison doch noch geordnet zu Ende gespielt werden kann. Was angesichts der aktuellen Situation nicht besonders realistisch erscheint.

Der Coronavirus breitet sich weiter aus, in Bayern dürfen bis Karfreitag keine Großveranstaltungen stattfinden, in Hamburg ist das sogar noch zwei weitere Wochen untersagt. Wie die restlichen Spiele der Punkterunde und vor allem die Playoffs nachgeholt werden sollen, wenn auch die internationalen Wettbewerbe Nachholbedarf haben sowie die Olympia-Qualifikation ansteht, weiß aktuell niemand. Sofern die Qualifikation für Tokio im Mai überhaupt noch eine Rolle spielt, auch hier scheint eine Absage nicht mehr ausgeschlossen zu sein.

Geisterspiele wird es in der Bundesliga eher nicht geben, es geht ja vor allem um den finanziellen Aspekt. Ein "mittlerer sechsstelliger Betrag" würde Brose Bamberg entgehen, wenn die Saison nicht mehr fortgesetzt wird, die erste Playoff-Runde war eigentlich auch einkalkuliert. "Es ist eine sehr gefährliche Situation für die Liga", heißt es aus Bamberg. Solange die Saison nicht beendet ist, haben alle weiter Kosten, aber keine Einnahmen.

Geisterspiele? Für die Falcons keine Option

Eine Etage tiefer ist die Situation etwas entspannter. Auch in der 2. Basketball-Bundesliga wurden die Spiele am Wochenende abgesagt, am Montag wollen sich die Vereinsvertreter treffen und über das weitere Vorgehen beraten. Hier stehen "nur" noch fünf Spieltage aus. In Nürnberg ist der Standpunkt klar. "Die Gesundheit geht vor", sagt Ralph Junge, der die Empfehlungen der Experten nicht ignorieren will. "Denn was machen wir denn, wenn sich der erste Spieler angesteckt hat?" Die komplette Mannschaft, inklusive Trainer und Betreuer, müssten dann in Quarantäne, genau wie möglicherweise der letzte Gegner, so käme der Spielbetrieb auf absehbare Zeit zum Erliegen. So wie in der NBA.

Auch Geisterspiele sind aus Sicht des Geschäftsführers und Cheftrainers der Nürnberg Falcons keine Option. "Der Schaden würde dadurch noch größer, man hätte dann ja nur noch Ausgaben", sagt Junge. Die Hallenmiete, die Spieler, die Übernachtungen bei Auswärtsfahrten – und abgesehen davon: "Wofür spielen wir denn dann?", fragt Junge und erwartet keine Antwort. Natürlich würde auch er gerne weiter um einen Platz in den Playoffs spielen und sich dann in der Meisterrunde gegen die besten Mannschaften der Liga beweisen, nur: "Macht das dann noch Spaß in einer leeren Halle zu spielen? Wenn man an die tolle Atmosphäre bei den Playoffs in der vergangenen Saison denkt, dann wäre das eine grausame Vorstellung."

Wie man den Tweets entnehmen kann, hat Topscorer Duane Wilson bereits seine Koffer gepackt und wird zurück in die USA fliegen, Mit einem regulären Ende der Saison rechnet bei den Falcons niemand mehr – unabhängig von der Entscheidung am Montag.

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