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Gehaltsverzicht soll Klubs und die DEL retten

Die Profis im deutschen Eishockey sollen an Erlösen beteiligt werden - 18.05.2020 18:10 Uhr

Wann die Ice Tigers wieder vor Zuschauern jubeln dürfen, ist noch offen. Momentan drängen aber auch andere Fragen.

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa


Es geht um mehr als nur um Geld, es geht darum, den Menschen Freude in dieser dunklen Zeit zurückzugeben. So zumindest interpretiert der deutsche Fußball seine Sonderrolle. Und weil das offensichtlich funktioniert, hat die Deutsche Eishockey Liga dieses Erfolgsmodell übernommen. Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der DEL, stellt sich vor, derzeit "eine Blaupause für andere Ligen zu erschaffen".

Nur geht es für das deutsche Eishockey nicht um ein Hygienekonzept, das den Wiederaufnahme des Spielbetriebs ermöglicht. Es geht darum, möglichst viele Klubs zu retten und damit die Liga. Die DEL war die erste Liga, die ihre Saison abgebrochen hat. Jetzt geht es aber um die kommende Spielzeit, von der niemand weiß, wann und unter welchen Bedingungen sie beginnt.

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Auf dem Schreibtisch von Wolfgang Gastner stapeln sich inzwischen zwei Dutzend unterschiedliche Szenarien, dass Eishockey vor Publikum erst im Herbst 2021 wieder aufgeführt werden kann, ist eines davon. Der Geschäftsführer bleibt optimistisch, wenn er von den Nürnberg Ice Tigers redet, berichtet von Verträgen mit Sponsoren, die er in diesen Tagen abgeschlossen hat. Dennoch: Auch die Ice Tigers müssen ohne absehbare Zuschauer-, mit kaum kalkulierbaren Sponsoreneinnahmen Fixkosten reduzieren. Und der flexible und zugleich größte Posten sind die Personalkosten.

Lizenz-Unterlagen bis 24. Mai

Die Spieler sollen deshalb auf ein Viertel ihres Gehalts verzichten, das "in eine erfolgsabhängige Vergütung umgewandelt wird, die an den Umsatzerlösen hängt", erläuterte DEL-Chef Tripcke. Soll heißen, kämen die Klubs auf 100 Prozent ihrer Einnahmen, würden sie 100 Prozent der Gehälter an ihre Spieler überweisen. Nur sähe die Realität für die Profis anders aus. Solange nicht wieder gespielt wird, sollen sich die Spieler auf Kurzarbeit einlassen.

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Die FAZ berichtet zudem, dass die Gehälter auf 2900 Euro netto gedeckelt werden sollen. Für Spitzenspieler bedeutete das gewaltige Einbußen. Noch dazu sollen sie bis Sonntag ihre Zustimmung zum Rettungskonzept geben. Bis 24. Mai müssen die 14 Klubs ihre Unterlagen zur Lizenzierung einreichen. Klubs, die ihre Profis nicht von der Corona-Klausel überzeugen können, soll die Lizenz verweigert werden können. "Wenn Spieler nein sagen", stellt Tripcke klar, "schaden sie ihren Klubs." Klingt plausibel und nach Erpressung.

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Aktuell wären sie mitten in der Viertelfinalserie gegen Vizemeister München oder Meister Mannheim. Oder sie würden bereits Golf spielen. Wer weiß das schon. Wie bei zehn von vierzehn Mannschaften der DEL-Saison 2019/2020 weiß man auch bei den Thomas Sabo Ice Tigers nicht, wie gut oder schlecht sie wirklich waren. Das Corona-Virus hat deshalb auch dafür gesorgt, dass das traditionelle Jahreszeugnis von NN-Sportredakteur Sebastian Böhm kein komplettes sein kann. Komplett wurde es aber durch Ihre Noten, liebe User. Hier ist die Auswertung Ihres Votings!


Erpressung der Spieler?

"Erpresst werden wir alle vom Coronavirus", sagt Wolfgang Gastner. "Letztlich sitzen wir alle im selben Boot." Verzichten müssen ja nicht nur Spieler, sondern auch Geschäftsführer, Manager, Trainer und Büro-Angestellte, die mit sehr viel weniger als 2900 Euro netto monatlich werden auskommen müssen. Gastner wird in dieser Woche mit allen Spielern Gespräche führen, die die Ice Tigers bereits für die kommende Saison unter Vertrag genommen haben. Vor allem aber steht er mit Kapitän Patrick Reimer in engem Austausch. Und ist damit nicht der einzige.

Zusammen mit dem Kölner Moritz Müller bemüht sich Reimer um die Gründung einer Spielergewerkschaft. Darüber geredet habe man gerade im Kreis des Nationalteams schon lange. Jetzt sieht Reimer in der Krise "eine Riesenchance für das deutsche Eishockey". Gegenüber der DEL vertritt er bereits Spieler, von denen er nicht weiß, ob sie das wollen und ob er das darf. "Wir sind am Anfang, arbeiten uns tief in das Thema ein", sagt Reimer und hofft auf mehr Zeit. "Es wäre schön, wenn wir das Lizenzierungsverfahren um eine Woche nach hinten verschieben könnten." Die Blaupause wird warten müssen.

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