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"Genau auf Kurs": Kleeblatt-Boss spricht über neue Strukturen

Fred Höfler will "frühzeitig Planungssicherheit für die 2. Liga haben" - 21.01.2019 12:09 Uhr

Er ist der neue Kleeblatt-Chef: Fred Höfler gibt Auskunft über die neuen Strukturen bei Fürths Lieblingsverein. © Sportfoto Zink/WoZi


Herr Höfler, als Sie das Amt als Kleeblatt-Präsident im Sommer angetreten haben, lief es sportlich rund. Mitte der Hinrunde kam der Einbruch. War der Präsident da zum ersten Mal als Krisenmanager gefragt?

Höfler: Nein, gar nicht. Wir liegen immer noch innerhalb der Bandbreite, die wir uns gewünscht haben. Wir wollen relativ frühzeitig Planungssicherheit für die 2. Liga haben. Und im Moment sieht es so aus, als wären wir genau auf Kurs.

Haben Sie bei Platz zwei nach zehn Spieltagen nicht doch ein bisschen zu träumen angefangen?

Höfler: Beim Saisonstart sind sicher nicht nur bei mir Erinnerungen an die Aufstiegssaison wach geworden. Aber wenn man es nüchtern betrachtet, haben wir einen der niedrigsten Etats der 2. Liga und eine der jüngsten Mannschaften. Dafür haben es die Jungs richtig gut gemacht.

In der vergangenen Saison befand sich die SpVgg auch als Nachwuchsverein in einer tiefen Krise.

Höfler: Bei der Entwicklung in der U 19 und U 17 liegen wir inzwischen aber absolut im Plan. Wenn man mittel- und langfristig denkt, ist der Wiederaufstieg dieser Teams in die Junioren-Bundesligen Grundvoraussetzung, um wieder gute Nachwuchsspieler zu bekommen. Im Idealfall solche, die hier beheimatet sind.

Haben Sie das Gefühl, dass die Eigengewächse bei den Profis momentan genug Chancen bekommen?

Höfler: Ja, im Trainingslager waren die Nachwuchsspieler Michael Guthörl, Tom Schulz und Nader El-Jindaoui dabei. Das gibt mir die Hoffnung, dass diese Durchlässigkeit wieder da ist. El-Jindaoui habe ich in Burgfarrnbach mit der U 23 spielen sehen und war begeistert. Aber das war nicht der Grund dafür, dass er mit in die Türkei reisen durfte. Die sportlich Verantwortlichen, allen voran Rachid Azzouzi, würden sich da nie beeinflussen lassen — auch nicht vom Präsidenten. Er hat ja auch die deutlich bessere Expertise.

Wie sehr hat Ihr Wort denn dann Gewicht im sportlichen Bereich?

Höfler: Ich kann nur Gedanken oder Wünsche äußern, denn ich habe den Durchgriff nicht, den Helmut Hack hatte. Das liegt aber nicht an meiner Persönlichkeit, sondern daran, wie wir alles neu strukturiert haben. Ich bin Präsident des gesamten Vereins. Darüber hinaus habe ich einen Sitz im Aufsichtsrat der KGaA (die ausgegliederte Profifußball-Abteilung, Anm. d. Red.). Natürlich nehme ich dort Einfluss, aber mehr über die Persönlichkeit als über die Ämtervollmacht.

Sie selbst haben dafür plädiert, als Präsident Macht abzugeben, etwa an den Aufsichtsrat. Haben Sie das noch nicht bereut?

Höfler: Nein, überhaupt nicht. Wir praktizieren das auch gerade beim Verhandeln diverser Verträge. Da hat der Aufsichtsrat ein Verhandlungsgremium ernannt. Das besteht aus dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem Präsidenten. Und das funktioniert ganz gut. Wir verhandeln, der Aufsichtsrat entscheidet dann darüber. So stelle ich mir das vor, so funktioniert es auch in großen Unternehmen.

Wie sieht es bei sportlichen Verträgen, also zu Spielern, Trainern oder bei Transfers aus?

Höfler: Das entscheiden Rachid Azzouzi und Holger Schwiewagner nach dem Vier-Augen-Prinzip, das kann nicht einer alleine machen. Ab bestimmten monetären Größenordnungen, zum Beispiel bei Transfersummen oder Gehaltsvolumen, ist es wie in anderen Wirtschaftsunternehmen: Das muss dem Aufsichtsrat vorgelegt werden, der dann entscheidet. Das normale Geschäft muss aber ohne den Aufsichtsrat funktionieren, im Profifußball geht es oft um Geschwindigkeit. Wir haben da vollstes Vertrauen in Rachid Azzouzi und Holger Schwiewagner, sonst wären sie nicht unsere Geschäftsführer.

Ab welchen Summen muss denn der Aufsichtsrat eingeschaltet werden?

Höfler: Das kann ich Ihnen nicht verraten. Die Berechnung ist teils auch sehr komplex. Aber das ist auch nicht neu, das war schon immer so. Wir haben die Beträge nur verändert und den Marktgegebenheiten und unseren Möglichkeiten angepasst.

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Unter den Fans gab es Kritik, dass der Vertrag mit Trainer Damir Buric frühzeitig verlängert wurde, es danach aber sportlich bergab ging. Wie wurde diese Maßnahme im Aufsichtsrat diskutiert?

Höfler: Wir haben natürlich darüber gesprochen. Ich stehe voll hinter dieser Entscheidung, den Vertrag um ein Jahr zu verlängern. Wir geben Damir Buric eine entwicklungsfähige Mannschaft und verlangen, dass er die jungen Spieler auch einsetzt. Sie müssen spielen, damit sie sich entwickeln und Wert gewinnen können. Denn wir sind auf diese Transfererlöse angewiesen. Dafür braucht man einen mutigen Trainer, der bereit ist, das Risiko einzugehen, mit noch nicht so abgezockten Spielern zu spielen. Einige seiner Vorgänger haben lieber die älteren, sichereren Profis spielen lassen und nur ihre eigene Performance gesehen. Es gibt wenige Trainer, die die Interessen des Vereins über ihre eigenen stellen. Damir Buric macht das.

Wünschen Sie sich, der Aufsichtsrat hätte noch mehr zu entscheiden?

Höfler: Nein. Wir haben die bisherigen Veränderungen so gewollt und es auch so umgesetzt, dass es jetzt passt. Ich selbst bin seit 26 Jahren Geschäftsführer einer Brauerei. Auch ich habe mir immer der Unterstützung meiner Aufsichtsratsvorsitzenden gewiss sein können. Aus dieser Sicherheit heraus trifft man die besten Entscheidungen. Ich bin mir sicher, Holger Schwiewagner und Rachid Azzouzi können damit auch gut leben. Wir haben zudem den Aufsichtsrat um zwei Personen aufgestockt. Wir wollten mehr wirtschaftliche Kompetenz im Aufsichtsgremium haben. Neun Köpfe, vor allem wenn sie aus Wirtschaftsunternehmen kommen, kontrollieren besser als einer.

Sie haben sich zuletzt mehr Investitionen ins Scouting und ins NLZ gewünscht. Da wird sie die Rückkehr von Benno Möhlmann als Berater sehr freuen.

Höfler: Natürlich. Beim 75. Geburtstag von Wolf Nanke (Kleeblatt-Urgestein und Mitglied des Ehrenrates, Anm. d. Red.) in Ammerndorf saß Benno mir direkt gegenüber. Rachid Azzouzi saß daneben und da wurde diese Idee geboren. Ich habe Benno gefragt, ob er vom Trainerdasein nicht genug hat. Er hat das bejaht, es sogar noch drastischer formuliert. Ich habe ihn dann gefragt, ob er da oben im Norden nicht etwas für uns im Scouting tun könnte, er wohnt in Bremen. Rachid Azzouzi hat dann ein Job-Profil mit ihm gezimmert, es ist noch mehr daraus geworden. Jemand, der so erfahren ist, hat natürlich ein Auge für entwicklungsfähige Spieler. Und dann ist er auch noch emotional mit dem Verein verbunden. Des Geldes wegen müsste er das nicht mehr tun.

Im vergangenen Jahr hieß es, die SpVgg sei auf der Suche nach Investoren. Auch ihr Aufsichtsrat-Kollege Thomas Sommer hatte angeboten, sich finanziell zu engagieren. Wird es dafür einen Weg geben?

Höfler: Das könnte sein. Wir sind am Sprechen, aber es ist noch nicht abgeschlossen, weder positiv noch negativ. Wir dürfen natürlich den Verein durch solche Maßnahmen nicht gefährden. Etwas wie beim TSV 1860 München darf nicht passieren, auch wenn man Thomas Sommer als Fan und Liebhaber des Vereins nicht mit dem Investor in München vergleichen kann. Die einfachste Lösung, dass man mit Hilfe eines Investors einen Spieler kauft, ihn irgendwann wieder verkauft und der Investor profitiert vom Gewinn — das geht nicht. Das lassen die Satzungen in Deutschland nicht zu. Deshalb ist es nicht einfach. Nur wenn es für beide Seiten Sinn macht und für den Verein risikolos ist, dann werden wir das ernsthaft dem Aufsichtsrat vorlegen.

Wie sehr haben Sie sich schon an Ihr neues Ehrenamt gewöhnt?

Höfler: Ich arbeite noch hundert Prozent für Tucher, meine Gespräche bei der Spielvereinigung werden daher abends oder am Wochenende geführt. Oder ich fahre mittags schnell rüber, um etwas zu unterschreiben. Bei der Spielvereinigung gibt es ein super Team, das besteht nicht nur aus den beiden Geschäftsführern, sondern aus jeder Menge Leute, die mit Herzblut und teilweise ehrenamtlich arbeiten. Die haben mir den Einstieg und mein Tagesgeschäft extrem leicht gemacht. Und mein Vorgänger hat ein sehr gut bestelltes Haus hinterlassen.

Als SpVgg-Präsident werden Sie meist auf den Profifußball abgesprochen. Was sind denn Ihre Visionen für die Breitensportabteilung?

Höfler: Ich fühle mich dem gesamten e.V. verantwortlich und habe schon mit allen Abteilungsleitern über ihre Sorgen und Nöte gesprochen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist sicher die Sanierung der Tuspo-Turnhalle, denn die ist in einem ganz maroden Zustand. Erste Gespräche mit der Stadt hat es schon gegeben. Der Instandhaltungsbetrag von 150 000 Euro im Jahr belastet den Verein enorm. Wir stellen sie für den Schulsport zur Verfügung, aber die Stadt kann natürlich nicht alles richten. Wir müssten eigentlich für sieben bis acht Millionen Euro eine neue Turnhalle bauen. Wir haben uns jetzt aber entschieden, die nötigsten Instandhaltungsaufgaben trotzdem schon einmal zu machen, vor allem im Sanitärbereich. Das ist die erste Basis, damit der Breitensport auch künftig funktionieren kann.

Ein wichtiges Thema für Sie ist es, für mehr Identifikation mit dem Verein zu sorgen. Doch selbst der gute Saisonstart hat den Zuschauerschnitt im Ronhof zuletzt nicht entscheidend in die Höhe treiben können.

Höfler: Ich gebe zu, ich habe ja früher als Fan durchaus auch schon mal gesagt: "Do gä i nimma nieber." Aber wir brauchen im Ronhof jeden einzelnen Fan, der die Mannschaft auch unabhängig von den Ergebnissen unterstützt. Da geht es nicht um mehr Einnahmen. Die Bedeutung des Fans als Anfeuerer im Stadion übersteigt seine wirtschaftliche Bedeutung bei Weitem. Und die Spieler merken das. Nach meinen Gesprächen mit ihnen in den letzten Monaten weiß ich, dass ihnen die Kulisse wichtig ist. Das beeinflusst teilweise durchaus, ob ein Spieler zu einem Verein wechselt. Fürth hat da viel mehr Potenzial. 

Alexander Pfaehler E-Mail

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