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Grethlein erklärt: So lief die Suche nach dem Sportvorstand

Wie der Aufsichtsrat mit Verzögerung einen Bornemann-Nachfolger fand - 09.04.2019 05:56 Uhr

Einblicke hinter die Kulissen beim Club lieferte Aufsichtsratchef Thomas Grethlein im Interview mit den Nürnberger Nachrichten. © Sportfoto Zink / DaMa


Natürlich ist Robert Palikuca nur die zweite Wahl als Sportvorstand des 1. FC Nürnberg. Am kommenden Montag arbeitet Palikuca erstmals für den Club, wäre es nach dem Aufsichtsrat des Vereins gegangen, Palikuca wäre da immer noch Kaderplaner bei Fortuna Düsseldorf.

Ihren Lieblings-Sportvorstand hatten sie ja längst gefunden. Mit Andreas Bornemann waren sie — allen in der Öffentlichkeit vermuteten und unterstellten Unzulänglichkeiten Bornemanns zum Trotz — sehr zufrieden. Dummerweise galt das nicht für den Trainer Michael Köllner, in dessen Arbeit sie die Unzulänglichkeiten ebenso zu erkennen glaubten wie die Öffentlichkeit. Also sollte auf Anraten des Aufsichtsrates Bornemann bitte Köllner entlassen, was der aber zur allgemeinen Überraschung nicht tat.

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Auf der Jahreshauptversammlung des 1. FC Nürnberg 2018 gingen die drei zu besetzenden Plätze im Aufsichtsrat an Peter Meier, Vorstand der Nürnberger Versicherung, und die im Kontrollgremium bereits erfahrenen Christian Ehrenberg sowie Dr. Ulrich Maly. Damit steht fest: Für Hanns-Thomas Schamel hat es diesmal nicht gereicht.


Also musste auch Bornemann weg, obwohl der Aufsichtsrat lange um ihn gekämpft hatte, gefreut hatte sich damals kein Mitglied des Gremuims über diese Entscheidung. Vor allem musste der Aufsichtsrat einen neuen Sportvorstand suchen, der — ähnlich wie Bornemann — kein Problem damit hat, mit dem nicht vorhandenen Geld des Clubs eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen.

Das erste Gespräch mit Palikuca

Es hat dann eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis die Suche erfolgreich zu Ende gebracht war. Am Sonntag also federte Thomas Grethlein, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, über den Parkplatz des Sportparks am Valznerweiher, schnippte noch schnell eine Zigarette auf den Boden und erklärte dann, dass das gar keine Ewigkeit war, die die Suche in Anspruch genommen hatte.

Grethlein, der seit viereinhalb Jahren im Aufsichtsrat sitzt, ist schnell zu einem Gesicht dieses Vereins geworden, was nicht allzu schwierig ist bei einem Verein, der ständig Trainer oder Sportvorstände rausschmeißen muss, und das dann durch den Aufsichtsratsvorsitzenden erklären lassen muss.

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Diesmal ist es immerhin eine Einstellung, die Grethlein moderieren darf, das macht mehr Spaß. Zur Dauer sagt er dann also: "Ich habe eine Weile als Hauptverantwortlicher für Personal gearbeitet — da ist das eine Personalfindung, die eher schnell gegangen ist." Auch die Kandidaten hätten kein Problem damit gehabt, ein wenig länger zu warten. Bei einem ersten Gespräch mit Palikuca vor sieben Wochen hätte der die Nürnberger Delegation darum gebeten, "bis Ende April, Anfang Mai" zu einer Entscheidung zu kommen, denn "dann wird es wirklich virulent", zitiert Grethlein seinen neuen Sportvorstand.

Club war im Scouting nicht untätig

Lange, soll das heißen, hat da nichts gedauert. Dass man vielleicht schon mit einem kleinen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz in die Planungen für die kommende Saison einsteigen hätte können, weil man ja beim Club ziemlich sicher weiß, dass die in der 2. Bundesliga stattfinden wird? "Unsere Scouts waren auch in der Zwischenzeit fleißig, haben Listen, die Palikuca jetzt mit ihnen abgleichen wird", sagt Grethlein. Außerdem, das sagt er auch noch, haben sie Palikuca auch deshalb verpflichtet, weil der einer ist, "der gut vernetzt ist" in der Branche. Irgendein Spieler, der sie besser macht, wird sich schon finden in diesem Netz des Neuen.

Besser nicht auf die Fans hören

Und weil es gerade schon um Probleme geht, die für Grethlein keine sind: Dass der Aufsichtsrat ein Gremium von mehr oder weniger mit der Materie vertrauten Laien, Vereinsmitgliedern und Fans ist, sagt wenig aus über die Qualität ihrer Suche nach einem Sportvorstand. Die ist nämlich eine, die in einem recht übersichtlichen Umfeld stattfindet, sagt Grethlein.

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Man bewegt sich, sagt Grethlein, in einem "geschlossenen Kreislauf, da ist es noch einmal anders, wenn sie einen Werkleiter für ein Industrieunternehmen suchen oder einen Arzt für ein Klinikum. Da ist der Markt nicht so transparent wie im Fußballbusiness."

"Kleines Budget" für Palikuca

Sie haben sich im Aufsichtsrat zugetraut, das hinzubekommen, haben auf den Rat von Headhuntern, die sich ihnen angedient haben, ebenso verzichtet wie auf den des Publikums. Nürnbergs Sportvorstand, sagt Grethlein, muss "mit kleinem Budget umgehen können, das ist sehr wichtig, deshalb haben wir uns weniger an den Namen orientiert, die die Fans sich immer gewünscht haben".

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Den glauben sie in Palikuca gefunden zu haben. Als die Entscheidung für die zweite Wahl dann endlich gefallen war, erzählt Grethlein noch, "haben sich alle Aufsichtsräte gefreut". 

Fadi Keblawi E-Mail

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