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Handball-WM: Das sagen Vereine aus Neumarkt

Gefühle schwanken zwischen tröstender Ablenkung und einem faden Beigeschmack - 12.01.2021 09:10 Uhr

Wie in der Handball-Bundesliga seit Monaten üblich, treffen sich die Nationalmannschaften bei der WM in Ägypten nun doch auch vor leeren Kulissen. Derweil verfolgen heimische Amateur-Vertreter die Partien zu Hause interessiert vor dem Fernseher, obwohl sie selbst in einer sportlichen Auszeit festhängen.

11.01.2021 © Foto: Tom Weller/dpa


Gipfelten die Diskussionen um das Infektionsrisiko beim kontinentalen Groß-Turnier nach den Absagen zahlreicher prominenter Profis im Protest mehrerer europäischer Delegationen, ließen sich die Organisatoren doch noch auf den geforderten Zuschauer-Ausschluss ein. Das Spannungsfeld erstreckt sich bis in die heimische Amateurszene, die im Moment kaum mit einer schnellen Rückkehr in die Hallen rechnen darf, im Entzug aber immerhin durch die Fernsehübertragungen passiv am Ball bleiben kann. Über die Gefühle zwischen Frust und Trost sowie die Perspektiven der deutschen Nationalmannschaft, die am Freitag ihr Auftaktduell gegen Uruguay bestreitet, sprachen wir mit Vereinsvertretern aus dem Landkreis Neumarkt.

"Unabhängig von der Corona-Situation, ist eine WM für mich immer ein interessanter Höhepunkt im Jahreskalender. Auch wenn ich nicht glaube, dass der Handball an sich durch eine Absage großen Schaden nehmen würde und bei mir als Beobachter vielleicht an der einen oder anderen Stelle die Wehmut mitschwingt, freue ich mich auf die Übertragungen. Wir werden uns im Mannschaftskreis nach den deutschen Auftritten üblicherweise über die Leistung austauschen. Eine Brücke zur Praxis zu schlagen, fällt allerdings schon schwer. Wir müssen, wenn es denn bei uns weitergeht, mit den klassischen körperlichen Grundlagen einsteigen. Der deutschen Auswahl traue ich das Halbfinale zu. Trotz der Ausfälle einiger Stammkräfte hat das Aufgebot das entsprechende Potenzial. In der Vergangenheit sind die Teams schon öfter unter schwierigen Bedingungen über sich hinausgewachsen." Patrick Güldiken (Trainer DJK-SV Berg, Frauen)

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"Ich kann so eine WM nicht wirklich genießen. Ohne Stimmung im Publikum, die für mich zum Handball dazu gehört, hat sich die Begeisterung schon beim Finalturnier der Champions League in Grenzen gehalten. Dass im Vorfeld selbst unter den Spielern die Zweifel so verbreitet waren, bestätigt meine Einschätzung. Viel wichtiger ist mir die Arbeit an der Basis. Da wäre mein größter Wunsch erfüllt, wenn sich die Jugendlichen im Sommer wieder in Kleingruppen auf einer Wiese die Bälle zuwerfen dürften. Eine Fortsetzung der angefangenen Saison bei den Erwachsenen kann ich mir nicht vorstellen. Stellt sich die Lage in einigen Wochen ähnlich unübersichtlich wie im vergangenen Herbst dar, kommt für uns auch ein Rückzug in Betracht. In Ägypten müsste wiederum alles passen, um mit den Topfavoriten mithalten zu können. Die jüngsten Vergleiche gegen Österreich haben doch einige Defizite aufgezeigt. Daher befürchte ich, wird im Viertelfinale Endstation sein." Alexandra Lippmann (Vorsitzende HSG Pyrbaum/Seligenporten)

"Für ihren Ansatz mache ich den Veranstaltern und Verbänden gar keinen Vorwurf. Die versuchen ihre kommerziellen Interessen zu wahren, genau wie die Fußball-Bundesliga. Kritisch fand ich aus der neutralen Distanz dagegen den ursprünglichen Plan mit Zuschauern in der Halle. Schließlich sind die Leute in vielen Ländern angehalten, ihre Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Zumal es als fraglich gilt, wie sorgfältig man in Ägypten das Hygieneprotokoll durchsetzt. Inhaltlich lässt sich von den Spielen kaum etwas auf den Amateurbereich übertragen. Als Trainer mache ich mir zu Hause auf dem Sofa höchstens so meine Gedanken, wie gut zum Beispiel taktische Anweisungen nach einer Auszeit auf dem Feld umgesetzt werden. Die Mädels orientieren sich eher an der Frauen-Nationalmannschaft.


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Aktuell sind sie mit dem Kopf ohnehin weit weg vom Handball, halten sich eigenständig mit alternativen Übungen auf Trab. Im Frühjahr wird sich daran wohl nichts mehr ändern. Danach unter freiem Himmel auf Feld-Handball auszuweichen, wäre zwar eine charmante Idee. So habe ich es noch gelernt und einmal mit den Damen ausprobiert. Aber funktioniert hat es nicht, die Laufwege sind zu verschieden. Mein Tipp für die WM lautet Halbfinale. Es wäre nicht das erste Mal, dass vermeintliche Neulinge für abwesende Leistungsträger in die Bresche springen. Mit mannschaftlicher Geschlossenheit kannst du im Handball immer etwas erreichen, die Einzelkönner fallen nicht so ins Gewicht. Der neue Trainer Alfred Gislason wird seine Jungs entsprechend aufstellen und allein mit seiner Aura inspirieren." Thomas Bauer (Trainer SG Rohr/Pavelsbach, Frauen)

"Die gesundheitlichen Sorgen etlicher Spieler kann ich absolut nachvollziehen. Genauso haben wir es auch bei uns im Verein allen freigestellt, aus Rücksicht auf die Familie lieber vorübergehend wegzubleiben. Trotzdem fiebere ich bei einem Turnier mit so hohem Stellenwert immer mit. Im positiven Sinne verstärkt sich die Sehnsucht, dass unsere Pause endlich endet. Wobei ich erst im Herbst mit einer Rückkehr zum normalen Wettkampfbetrieb rechne. Unser Fokus wird darauf liegen, so bald wie möglich fürs Training in die Halle zurückzukehren. Der Nationalmannschaft gönne ich natürlich am liebsten den Titel. Der neue Modus könnte dem Team helfen, sich für die entscheidende Phase ausreichend einzuspielen." Veronika Mittermeier (Spielleiterin HSG Berching/Pollanten)

KEVIN GUDD

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