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Härte und Fehlpässe: Die Ice Tigers wissen, woran es haperte

Im Duell am Freitagabend ist noch alles möglich - 15.03.2019 12:26 Uhr

Und das siebte Gegentor: Die Nürnberger Dane Fox, Milan Jurcina, Will Acton und Tim Bender müssen dabei zusehen, wie sich der zuvor erneut tadellose Niklas Treutle den Puck über die Linie lenkt. © Foto: Thomas Hahn/Zink


Vor dem Spiel hatte Pavel Gross etwas zur Vergangenheit erzählen sollen. 1999 waren die Adler Mannheim in Nürnberg deutscher Meister geworden, mit Gross als Kapitän. 20 Jahre später ist er an der Vergangenheit nicht mehr interessiert. Gross will Ende April mit Mannheim Meister werden, als Trainer. Zwölf Siege hatte er dafür am Mittwochabend gebraucht, seit Mittwochnacht sind es nur noch elf. So einfach wird es seine Mannschaft in den kommenden Wochen kaum mehr haben. Gross weiß das, sagte aber etwas anderes.

"Wir haben ein gutes, ein faires Spiel gesehen, auf jeden Fall", sagte Gross nach dem 2:7 der Thomas Sabo Ice Tigers in Mannheim. "Es geht weiter, auf jeden Fall." So weit, so nichtssagend. Das ist zumindest der erste Eindruck, aber natürlich hat Gross nicht grundlos festgestellt, dass alle ein faires Spiel gesehen haben mussten, schon allein, weil er ein faires Spiel gesehen hatte. Kurz zuvor hatte sein Kollege aus Nürnberg den Ausfall von Oliver Mebus bedauert. Der Verteidiger hatte behandelt und aus dem Spiel genommen werden müssen, nachdem ihn Andrew Desjardins mit der Schulter am Kopf getroffen hatte. Den Puck hatte Mebus bereits gespielt, Desjardins hätte abdrehen können, stattdessen änderte er die Richtung, um den Nürnberger zu checken. Ob oder wie lange Mebus ausfallen wird, war nicht zu erfahren. Nach Marcus Weber und Brandon Segal ist der lange Verteidiger der dritte Ice Tiger, der innerhalb der letzten acht Tage von einer Kopfverletzung betroffen ist.

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Die Favoritenfrage stellte sich nicht, als in der Hauptrunde selten überzeugende Ice Tigers am Mittwoch bei in der zurückliegenden DEL-Punkterunde sehr oft überzeugenden Mannheimern antraten. Nürnberg hatte in der Hauptrunde alle vier Spiele gegen den Liga-Primus verloren. Und auch in den bisherigen acht Playoff-Serien gegen die Kurpfälzer stets den Kürzeren gezogen. Hoffnung darauf, dass es diesmal besser läuft, machten die Nürnberger in der Quadratestadt nur bedingt.


Und es ist nicht der einzige Vorfall, der beweist, wie rücksichts- und respektlos DEL-Profis in den Playoffs miteinander umgehen. In Köln verprügelte Nationalspieler Moritz Müller, ob seiner Fähigkeit, drei vernünftige Sätze phrasenfrei aneinanderzureihen, durchaus geschätzt, einen wehrlosen Ingolstädter – beim Spielstand von 2:6. In Augsburg saßen zwischendurch mehr Männer auf den Straf- als auf den Spielerbänken. Dass ein herausragender Angreifer wie Desjardins, der die Ice Tigers am Mittwoch zusammen mit dem doppelten Torschützen Markus Eisenschmid alleine zur Strecke brachte, sich zu einem absolut sinnlosen Foul hat hinreißen lässt, zeigt aber vielleicht auch, dass der Druck in Mannheim größer ist, als das der heruntergekühlte Trainer glauben lassen will. 1:4 lag Nürnberg in dieser 30. Minute bereits zurück. Mit seinem zweiten Treffer und den beiden präzisen Schüssen von Eisenschmid hatte der Kanadier das Spiel bereits entschieden, jedes Mal, wenn er auf dem Eis war, gelang den Ice Tigers überhaupt nichts mehr. Trotzdem glaubte Desjardins noch ein weiteres Zeichen setzen zu müssen.

 

Die Adler fürchten Niklas Treutle, der sich in diesem ersten Spiel nur beim siebten Gegentreffer eine Unkonzentriertheit leistete, und sie fürchten die Härte, die den Ice Tigers immer wieder angedichtet wird, wobei es natürlich einen großen Unterschied zwischen Härte und Unbeholfenheit gibt. Mit einem anderen Begriff ist jedenfalls kaum zu umschreiben, was sich Chris Brown, Dane Fox und Daniel Weiß trotz der eindringlichen Beteuerungen, genau das vermeiden zu wollen, im ersten Drittel geleistet hatten. Nürnberg hatte lange Zeit mehr Strafzeiten als Torchancen.

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Es war erstaunlich, dass daraus sowohl Desjardins’ erstes Tor als auch Patrick Reimers 1:1 entstand. Martin Jiranek durfte deshalb ungeniert von einem gelungenen Auftakt sprechen, Nürnbergs Trainer kritisierte aber auch eindeutig die offenkundigen Probleme seiner Mannschaft an diesem Abend. "Wir haben im Aufbau Fehler gemacht, zu viele Fehler. Manchmal musst du ein, zwei Pässe machen, um rauszukommen. Aber wenn schon der erste ein Fehlpass ist, bleibst du immer unter Druck." Das ist kein neues Problem, so akut aber war es schon lange nicht mehr. Den Ice Tigers ist es über lange Phasen nicht gelungen, sich zu befreien. Und das lag nicht immer nur am aggressiven Mannheimer Forechecking. Immer wieder hatten Nürnberger Schwierigkeiten, den Puck dem Kollegen über zwei, drei Pässe unbedrängt auf die Kelle zu passen. Nicht selten waren es die Spieler, die niemals an solchen Routine-Aufgaben scheitern dürften. Jiranek nickte auf die Frage, warum Will Acton, Brandon Buck und Philippe Dupuis außer durch Fehlpässe erneut nicht auffielen – und beantwortete sie nicht. In Mannheim interessiert sich derzeit niemand für die Vergangenheit, in Nürnberg würde man am liebsten die Gegenwart ausblenden.

Sebastian Böhm

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