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HCE-Profi Link traurig über Abstieg seines Bruders

Ex-Erlanger Jonas Link mit Bietigheimern am letzten Spieltag abgestiegen - 11.06.2019 10:30 Uhr

Niko Link, hier beim Spiel gegen den SC Magdeburg, hat am letzten Spieltag der Saison auch an seinen Bruder gedacht. © Harald Sippel


Jeder, der gute Augen hat, konnte es sehen. Die Smartphones, sonst stets in der Kabineverstaut, hatten manche Spieler diesmal in Handtücher gepackt mit auf die Auswechselbank getragen. Verstohlen warfen sie hier und da Blicke auf die übrigen Spielstände – um allzu viel ging es ja selbst gar nicht mehr, beim letzten Saisonauftritt am Sonntagnachmittag beim TVB Stuttgart.

Spielvorbereitung auf Mallorca?

Der Stellenwert dieser Partie für Erlangen war im Vorfeld schwer auszumachen gewesen, einerseits wollte man mit einem Sieg erstmals mehr als 28 Zähler sammeln und Tabellenplatz neun sicher. Andererseits hatten sich die Profihandballer nach dem 24:25 der Vorwoche gegen Melsungen für ein paar Tage zum Saisonausklang nach Mallorca aufgemacht. Die kurze Pause zwischen den Bundesliga-Spielzeiten – am 10. Juli bittet Adalsteinn Eyjolfsson zum Auftakttraining – hätte, hieß es, kaum andere Termine zugelassen. "Wäre es noch wie in Bietigheim um alles gegangen", so Rückraumspieler Nikolai Link, "hätten wir das natürlich so nicht gemacht." So aber ging es mit einer mindestens zweifelhaften Spielvorbereitung zum ewigen Rivalen, von dort aus sind es mit der S5 nur gut 25 Minuten bis ins angesprochene Bietigheim. Jonas Link, vor der Saison vom HCE zum Aufsteiger gewechselt, erlebte dort eine Art Endspiel um den Klassenerhalt (siehe Artikel links) . "Natürlich lässt mich das als Bruder nicht kalt", sagte Nikolai Link nach Spielschluss, das die Gäste mit einer bemerkenswerten Energieleistung mit 28:27 (16:14) auch verdient gewannen. Richtig ausgelassen freuen aber konnte sich Link nicht – "der Jonas", sagte er, "wird sicher grad am Boden zerstört sein".

Starker Kellner

Dass der HCE das nicht war, dafür sorgten auch in Stuttgart vor 2251 Zuschauern zum einen ein aggressives, in dieser Saison um Welten verbessertes Abwehrspiel im Kollektiv. Zum anderen im Angriff neu entdeckte individuelle Klasse – Benedikt Kellner untermauerte mit satten Rückraumwürfen und beweglichen Antritten in die Nahtstellen der TVBDeckung seine großen Qualitäten. Ab dem zwischenzeitlichen 24:22 für Erlangen traf der Ex-Coburger in der alles entscheidenden Phase viermal nervenstark. "Seine Entwicklung ist beeindruckend", meinte Eyjolfsson, mindestens genauso wie die von Nico Büdel, der gesundheitlich angeschlagen in die Begegnung gegangen war. Zu Saisonbeginn auf dem Abstellgleis avancierte der Spielmacher gar zum Nationalspieler, am Sonntag wird er in Nürnberg gegen den Kosovo auflaufen, am Mittwoch bereits in Tel Aviv gegen Israel.

Dass es aber gegen aggressive Stuttgarter gelang, das Saisonziel in einem bemerkenswert hart geführten Abnutzungskampf zu erreichen, dafür sprach eine ganz andere, neu in dieser Spielzeit entdeckte Qualität: Seit Monaten schon muss die Mannschaft das Fehlen zweier Leistungsträger verkraften. Christoph Steinert und Johannes Sellin konnten langzeitverletzt wieder nicht mitwirken. "Wir mussten immer wieder viel improvisieren, neu einstudieren", sagt Eyjolfsson, "ich finde, wir haben diese Anpassungen immer gut hinbekommen."


Der LiveBlog vom Spiel zum Nachlesen!


Schlechte Starts

Einzig aus den Startlöchern kam das Team zweimal nicht gut, zu Saisonbeginn machten 2:8 Punkte Sorgen, auch wenn man sie durch den schweren Spielplan erklären konnte: "Wir haben es dann geschafft, die angekündigten Siege auch zu holen", so Kapitän Michael Haaß. Mit 4:16 Zählern arbeitete sich der HCE Schritt für Schritt aus dem Tabellenkeller – so unaufgeregt, dass es Eyjolfsson mit seinem Trainerteam sogar gelang, fast nebenbei seine Mannschaft stärker zu machen. Basis blieb eine überragende Deckung um den starken Neuzugang Petter Overby. Einzig in der Offensive haperte es bis zuletzt im Umschalten und Positionsangriff. Ansonsten darf der HC Erlangen stolz sein auf eine sehr gute, ja, die beste Saison seiner Geschichte. Diese Tatsache konnte dann sogar Nikolai Link ein wenig trösten. 

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