HCE: Zittern nach einem mitreißenden Auftakt

1.9.2013, 17:51 Uhr
Youngster Jonas Link stand auf Linksaußen überraschend in der Startformation und rechtfertigte das Vertrauen von Trainer Frank Bergemann auch mit zwei frühen Treffen gegen Aues Keeper Radek Musil.

Youngster Jonas Link stand auf Linksaußen überraschend in der Startformation und rechtfertigte das Vertrauen von Trainer Frank Bergemann auch mit zwei frühen Treffen gegen Aues Keeper Radek Musil. © Sportfoto Zink

Vor allzu hohen Erwartungen zum Auftakt hatten die HCE-Verantlichen, allen voran Trainer Frank Bergemann, angesichts des personellen Umbruchs gewarnt. Das Zusammenwachsen des Teams auf dem Spielfeld, das Einstudieren der Automatismen werde noch einige Zeit dauern, hatte es geheißen. Die Probleme lagen dann aber eher im Organisatorischen: Die Koordination zwischen dem neuen Hallensprecher Andy Lindner und dem ebenso neuen Kapitän Moritz Weltgen funktionierte beim Einlaufen des Teams nicht auf Anhieb.

Fulminanter Frühstart verhalf zu Sechs-Tore-Vorsprung

Doch dann trauten die Zuschauer ihren Augen nicht: Die Erlanger legten los wie die Feuerwehr, zeigten variantenreiche Spielzüge in Serie und lagen nach einer Viertelstunde 9:3 vorn. Youngster Jonas Link trug auf Linksaußen früh mit zwei Tempogegenstößen dazu ebenso bei wie Heimkehrer Sebastian Preiß am Kreis: Fünfmal spielten ihn Weltgen, Ole Rahmel und Christoph Nienhaus fast genial frei, und Preiß traf sicher. Dazu organisierte der Weltmeister von 2007 die robuste Erlanger Abwehr, im Tor rechtfertigte René Selke seine Startaufstellung mit einem halben Dutzend Paraden.

Hatte man 26 Minuten lang ob des homogenen Auftritts den Eindruck, das HCE-Team spiele schon ewig zusammen, so schien kurz vor der Halbzeit der Faden plötzlich gerissen. Knackpunkt war die von Bastian Krämer vergebene Chance, als er frei vor Sveinbjörn Petursson stand, aber an diesem scheiterte (27.). Es lag nicht nur am Wechsel im Auer Tor, vielmehr luden die Gastgeber mit unkonzentrierten und überhasteten Offensivaktionen die Gäste zum Aufholen ein und schossen Keeper Petursson warm.

„Wir haben uns das Leben unnötig schwergemacht, haben die Sache nach der klaren Führung vielleicht ein bisschen zu locker genommen“, nahm Rahmel in seiner Bilanz kein Blatt vor den Mund: „So mussten wir am Ende zittern, war es ein glücklicher Auftaktsieg.“ Denn in der zweiten Hälfte eines „sehr intensiven Spiels auf hohem Niveau“ , so Bergemann, konnten die Erlanger trotz vorhandener Chancen nicht mehr davonziehen. Andererseits gaben sie auch die Führung nie aus der Hand. „Wir haben die erste Halbzeit verschlafen“, trauerte Gästecoach Runar Sigtryggsson einem Punktgewinn hinterher.

Doch der nun im HCE-Tor stehende Jan Stochl hielt in den entscheidenden Momenten Auer Würfe; Rahmel vollstreckte aus dem Rückraum und Nienhaus, bester Mann auf dem Platz, unterstrich defensiv wie offensiv ansteigende Form. „Ich fühle mich besser als in der letzten Saison, bin körperlich in einer besseren Verfassung, habe aus der Vorbereitung einen deutlichen Schub mitgenommen“, begründete „der Hammer aus dem Rückraum“ (Hallensprecher Lindner) seine überzeugende Leistung.

„Am liebsten im Boden versunken“ wäre hingegen Kapitän Weltgen, als es ihm in der Schlussminute ähnlich erging wie Krämer und er bei einem Konter freistehend am Gästekeeper scheiterte. „Unangenehme Situation – ich werfe ihm ans Bein, schlecht gemacht“, beschrieb er die Aktion im Telegrammstil. „Wir sollten es schnell abstellen, dass wir zwar gut spielen, aber nicht wegziehen können“, hatte die Seele des HCE-Spiels einige Trainingsaufgaben ausgemacht.



Die wiederum sind Angelegenheit von Frank Bergemann. Den hatte man in der Vergangenheit bei der Schlusssirene selten derart eruptiv jubeln gesehen. Felsbrocken schienen ihm da von der Seele zu fallen. „Es war ein Neuanfang, und es war wichtig, dass sich die Mannschaft gleich zu Beginn belohnt und weiß, was sie leisten kann – es wäre superschade gewesen, hätte sie das noch aus der Hand gegeben“, ließ er der Erleichterung freien Lauf. „Aber wir haben uns wieder gefangen, und es waren sehr viel gute Ansätze“, so der Trainer, nachdem das Niederlagen-Virus die Hiersemannhalle umkurvt hatte.

Erlangen: Selke, Stochl (ab 31.) – Rahmel (6/2), Preiß (7), Nienhaus (5), Hess, Weltgen (2), J.Link (2), N.Link (2), Schwandner, Murawski (3), Pankofer, Krämer, Böhm
Aue: Musil (1.–21., bei einem Siebenmeter), Petursson (ab 22.) – Kempe (5), Brykner (2), Meinhardt (1), Schäfer, A.Sigtryggsson (4), Mägi (3), Sommer (9/2), Roch (1), Hansen (1), / SR: Fleisch/Rieber (Nellingen) / Strafminuten: 12 (Krämer, Nienhaus je 4), Preiß, N.Link je 2) – 14
Siebenmeter: 3/2:3/2 (Musil hielt gegen Rahmel/4., Stochl hielt gegen Sommer/43.)
Zuschauer: 1200.

Torfolge: 1:0, 1:1, 6:1, 9:3, 11:5, 12:7, 14:8, 14:10 – 14:12, 15:13, 17:15, 19:16, 19:18, 20:19, 23:20, 25:22, 26:24, 27:25, 27:26.

2.Bundesliga, 1.Spieltag: HC Erlangen – EHV Aue 27:26 (14:10), ASV Hamm – SG BBM Bietigheim 29:27 (15:11), VfL Bad Schwartau – TV Neuhausen 25:24 (9:11) , DHfK Leipzig – TV Großwallstadt 28:27 (12:11), HG Saarlouis – TSV Altenholz 31:30 (15:18), SG Leutershausen – HSG Tarp/Wanderup 36:25 (17:11), HSG Nordhorn-Lingen – DJK Rimpar xx:xx (xx:xx).

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