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Historisch schlecht: Club richtet sich an den kleinen Dingen auf

Beim FCN erfreut man sich trotzdem an kleinen Hoffnungsmeldungen - 12.03.2019 05:57 Uhr

Sein Debüt hätte er sich vermutlich etwas schöner vorgestellt: Timothy Tillman kam beim 1:2 gegen Hoffenheim zum ersten Mal zum Einsatz. © Sportfoto Zink / DaMa


Kurz vor Anpfiff der Partie des 1. FC Nürnberg in Sinsheim kehrte Robert Bauer zurück in die Startelf. Lukas Mühl fühlte sich während der Aufwärmübungen plötzlich unwohl, also sollte Bauer, der einen Großteil der Rückrunde verletzt verpasst hat, aushelfen. Noch kürzer vor der Partie war Robert Bauer dann wieder raus aus der Startelf. Sie hatten Lukas Mühl das Unwohlsein mit Medikamenten ausgetrieben, der Innenverteidiger wollte doch mitspielen.

Von der Bank aus sah Robert Bauer dann, wie sich Sebastian Kerk nach einem Ellbogenschlag in seinen Nacken immer unwohler fühlte. Also bereitete sich Robert Bauer auf seinen Einsatz vor, der dann auch kam, weil sie Kerk das Unwohlsein nicht mehr austreiben konnten. Nach 38 Minuten stand Bauer auf dem Platz und wurde so Teil einer Mannschaft, die ein weiteres Stück Nürnberger Fußballgeschichte schrieb.

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Auch im 19. Spiel in Folge bleibt der 1. FC Nürnberg weiter sieglos in der Bundesliga. Nach der Partie in Hoffenheim steht ein 1:2 aus fränkischer Sicht - und auch aus personeller Sicht gibt es Rückschläge.


Dass es kein schönes Stück wurde, liegt zu in etwa gleichen Teilen an der in der Neuzeit meist unerfreulichen Nürnberger Fußballgeschichte und an einer Saison, die praktisch von Beginn an so schlecht läuft, wie man es hatte erwarten müssen. Also: Schlechter als diese Nürnberger Mannschaft war seit der Einführung der Dreipunkte-Regel kein Erstligist. 13 Punkte aus 25 Spielen sind ein Rekord, aber ein traurig schlechter. Man könnte sich angesichts dieser Zahlen ein bisschen unwohl fühlen, man könnte sich aber auch denken: Pff.

Boris Schommers dachte sich: Pff. Er erlebt dieses historisch schlechte Fußballjahr seit Beginn an mit, erst als Co-Trainer des Dauer-Optimisten Michael Köllner, dann als Ersatz für den leider nicht ausreichend erfolgreichen Michael Köllner. Schommers Verdienst der letzten Wochen ist es, die Statik seiner Mannschaft dahin verbessert zu haben, dass sie jetzt nicht mehr aussieht wie eine Spaß-Mannschaft, die sich in einen sehr ernsthaften Unterhaltungsbetrieb verirrt hat. Stattdessen schauen die Nürnberger jetzt aus wie eine sehr ernsthafte, aber nicht minder überforderte Mannschaft, die zwar nicht mehr havariert wie in der Hinrunde, aber bei ihren knappen Niederlagen oft ähnlich überfordert wirkt.

 

Auch in Sinsheim waren es ja vor allem der seit Wochen überzeugende Christian Mathenia und ein bisschen Glück, die eine höhere Niederlage verhinderten. Aber: Pff. Was sollen sie sich mit dieser negativen Betrachtungsweise aufhalten. Dass es schlimm steht, wissen sie selbst. Trotzdem: "Wir schaffen es, uns in der zweiten Halbzeit spielerische Feldvorteile zu erspielen. Wenn ich da nicht sehe, dass die Mannschaft nicht nur lebt, sondern einen kleinen Schritt nach vorne gemacht hat, dann weiß ich nicht." So sagte das Schommers. Wirklich widersprechen wollte ihm niemand, wirklichen Trost konnten seine Worte aber auch nicht spenden.

Debüt für Timothy Tillman

Es sind jetzt bis zum Saisonende die kleinen Dinge, an denen sie sich aufrichten müssen. Daran, dass man gegen ein potenzielles Top-Team wie die TSG Hoffenheim im zweiten Durchgang ganz okay ausgesehen hat. Oder daran, dass sich Spieler für Aufgaben zumindest empfehlen, für die man sie nun sehr lange für nicht sehr tauglich halten musste. Es wurde ja in Sinsheim nicht nur Robert Bauer eingewechselt, es war dort auch das Debüt von Timothy Tillman zu bestaunen.


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Tillman, ein in Nürnberg geborener und offensiver Mittelfeldspieler, war vor der Saison vom FC Bayern München nach Nürnberg gewechselt. Mit dem Transfer waren viele Hoffnungen verbunden, weil: in Nürnberg geboren, offensiver Mittelfeldspieler und FC Bayern München. Dann hat Tillman aber nie mitspielen dürfen. Dass das vornehmlich an der körperlichen Konstitution des 20 Jahre alten Tillman gelegen hat, ist ein schwerlich zu widerlegender Verdacht. In Sinsheim aber stand Tillman nach 52 Minuten auf dem Platz und machte seine Sache so wie die anderen: ganz okay. Warum er das durfte?

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Die Bilanz ist erschreckend, die Negativserie inzwischen sogar geschichtsträchtig. Im Tabellenkeller wird es immer dunkler. Und das, obwohl sich die Leistung der Spieler und der Mannschaft als Ganzes in den letzten Wochen doch verbessert hat. Doch eine gute Halbzeit gegen Hoffenheim war nicht genug, um Punkte mit nach Nürnberg zu nehmen. Dementsprechend fallen auch die Noten - vor allem die der Offensive - aus.


"Ich habe verschiedene Säulen, wonach ich Spieler und Trainingsleistungen beurteile. Timothy hat einfach seit Wochen sehr gut trainiert. Ich habe mit ihm gesprochen, ihm gesagt: Du musst an ein paar Punkten arbeiten, das hat er umgesetzt." So erklärte die Überraschung Boris Schommers.

Dass er zufrieden war mit Tillman, sagte Schommers auch noch: "Da war hundertprozentiger Einsatzwille, und darum geht es." Fußballgeschichte schreibt man so wahrscheinlich nicht, aber darum muss es ja nicht mehr gehen. Es gibt zu viele Kapitel davon, auf die Nürnberg lieber verzichtet hätte. 

Fadi Keblawi

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