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Hochbegabt beim HCE: Mosindi lebt den Handball-Traum

Der Teenie gehört zu Erlangens Shootingstars - 11.02.2020 10:19 Uhr

Er weiß, wie man sich durchsetzt: Daniel Mosindi schiebt seine Karriere in Erlangen ordentlich an. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn


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Erlangen, sagt Daniel Mosindi, ist eine Chance. So groß, dass der 18-jährige Linkshänder seinem Traum das opferte, was das Größte war in seinem jungen Leben: die Nähe zur Familie und zu den Freunden. Nur zweimal war der Rückraumspieler seit seinem Wechsel vom Holon Handball Club zum HC Erlangen zu Hause, einmal nach seinem Handbruch, zugezogen im allerersten Drittliga-Spiel für die HCE-Reserve. Dann noch einmal im Januar für die Länderspiele gegen Zypern.

Daniel Mosindi ist vor dieser Handballsaison aber nicht einfach ausgezogen aus dem Elternhaus im Vorort von Tel Aviv, er wohnt jetzt nicht in einer der vielen Studentenwohnungen an der Uni, in Jerusalem oder an den malerischen Stränden Haifas. Mosindi ist allein fortgegangen in ein Land, zu dem viele Menschen in Israel kein unbeschwert-offenes Verhältnis haben können. Die furchtbare Geschichte aber, betont Mosindi, sei nie ein Thema gewesen, als er im Sommer mit Freunden und Familie überlegte, ob er nach Erlangen geht, ob er diese Chance ergreifen wird.

Geholfen hat dabei die Geschichte seines Vaters, eines Diplomaten aus Nigeria, der selbst vor vielen Jahren allein nach Israel kam, in ein neues Land, eine neue Kultur mit einer neuen Sprache. "Er lernte meine Mutter kennen", sagt Daniel Mosindi, "und der Rest ist Geschichte."

Freunde beim HCE? Kein Problem!  

Seine Geschichte ist das nun, mit 18 Jahren, nach einem hervorragenden Abitur, als dunkelhäutiger Jude nach Deutschland auszuziehen, um seinem Traum näherzukommen. Handballprofi werden, das ist sein Ziel. Es helfen dabei nicht nur sein gefürchteter Hochgeschwindigkeits-Wackler, seine Beweglichkeit, sein starker Antritt, seine Wurfkraft. Es hilft vor allem seine offene Art: "Ich habe beim HC Erlangen sehr schnell Freunde gefunden." Allein, sagt er, war er eigentlich nie.

Mosindi lernt eifrig die Sprache, nächstes Jahr möchte er ein Studium beginnen. Vor allem aber will er dem Handballtraum hinterherjagen, damit der ihn trägt, so weit wie am Sonntagnachmittag, als er vor 10.250 Zuschauern in der ausverkauften Ostseehalle in Kiel auf dem Feld stand.

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Es war das zweite Mal überhaupt, dass Mosindi in der Bundesliga zum Einsatz kam. "Dieser Moment war atemberaubend, überwältigend", sagt Mosindi. "Noch nie habe ich vor so vielen Menschen gespielt, gegen einen so großen Klub." Und auch nicht gegen diese Gegner: "Ich kannte Spieler wie Duvnjak aus dem Fernsehen. Nun war er mein Gegenspieler." Zweimal gelang es Daniel Mosindi gegen die eigenen Nerven und gegen Dario Quenstedt im Kieler Tor zu treffen, es waren seine ersten beiden Tore im Profihandball. Doch Mosindi war kein verkrampfter, hypernervöser Fan, der sich aufs Feld verirrt hatte – der 18-Jährige spielte mit derselben Lockerheit, dem gleichen Spielwitz, den man von ihm aus der Hiersemannhalle kennt.

Brack: "Wenn der 18 Jahre alte Mosindi..." 

"Es fällt mir schwer, nach dem 15:29 irgendetwas Gutes mitzunehmen. Wenn der 18 Jahre alte Mosindi das Positivste war, dann ist das bezeichnend", verpackte Neu-Coach Rolf Brack sein Lob. Kevin Schmidt, Sportlicher Leiter, wurde deutlicher: "Daniel hat das richtig gut gemacht. Er ist als Einziger aufs Tor gegangen, in die Zweikämpfe. Er hat gezeigt, was er draufhat, was er kann."

Zielannäherung beim HC Erlangen 

Daniel Mosindi ist in Kiel vorangegangen - und seinem großen Ziel damit einen großen Schritt nähergekommen. Er durfte spüren, wie sehr es sich lohnt, alles in diesen Traum zu investieren. "Ich habe die Begeisterung nicht an mich rangelassen, sondern versucht, der Mannschaft zu helfen", sagte er. Am Donnerstag, wenn um 19 Uhr Aufsteiger Balingen-Weilstetten in die Arena kommt (Live-Ticker der FACKELMANN WELT Hersbruck auf nordbayern.de), wird Daniel Mosindi wieder im Kader stehen, die Begeisterung verbergen und versuchen, seiner Mannschaft zu helfen. Nebenbei wird er den nächsten Schritt machen, hin zu seinem großen Handball-Traum.

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