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Hoeneß-Attacke: Nichts weiter als eine wunder- bis lächerliche Tirade

Ein Kommentar von NN-Sportredakteur Sebastian Böhm - 19.09.2019 11:56 Uhr

Für seine verbalen Attacken ist Uli Hoeneß bekannt. Diesmal hat sich der Präsident des FC Bayern den DFB und Marc André ter Stegen vorgenommen. © Peter Kneffel, dpa


Vielleicht sollte man gar nicht darauf eingehen. Genauso wie man besser nicht auf die Einlassungen von Provinzpolitikern mit übersteigertem Mitteilungsbedürfnis eingehen sollte, wie man nicht jede Meinungsäußerung in die überhitzte Erregungsmaschine eingeben sollte. Nur hat Uli Hoeneß zwar zweifelsohne ein übersteigertes Mitteilungsbedürfnis, ihn aber zum Provinzfunktionär zu diskreditieren, wäre selbst in diesem Zusammenhang nicht angemessen. Mit seinem von Spiegel online wunderbar als "Polterabend" beschriebenen Auftritt nach dem 3:0 des FC Bayern zum Auftakt der Champions League-Saison gegen Roter Stern Belgrad, bewies sich der Präsident selbst, dass es eine gute Idee ist, sich allmählich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Genau deshalb muss man doch noch einmal darauf eingehen.

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Hoeneß bereicherte die Serie "Mein FC Bayern gegen den Rest der Welt" um eine wunder- bis lächerliche Tirade gegen Marc André ter Stegen, der in einem Interview auf Nachfrage lediglich seine Unzufriedenheit darüber geäußert hat, trotz einer Zusage nicht gegen Nordirland gespielt zu haben (Hoeneß: "Er hat überhaupt keinen Anspruch dort zu spielen"), gegen den Verband ("Wir kriegen vom DFB nur Theater") und, natürlich, gegen die Presse, diesmal die süddeutsche, also auch gegen uns ("Die westdeutsche Presse unterstützt den ter Stegen extrem, wie wenn er schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen hätte, und hier von der süddeutschen Presse gibt es keine Unterstützung.").

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Wer nicht für Manuel Neuer als Nummer eins der Nationalmannschaft ist oder wer auch nur wagt, an Neuer als Nummer eins der Nationalmannschaft zu zweifeln oder Argumente für ter Stegen vorzubringen, ist gegen Neuer und damit auch gegen den FC Bayern. Und natürlich kündigte er Konsequenzen an. Es war lediglich eine Variation ermüdender Ausbrüche eines älteren Mannes mit offensichtlichen Bluthochdruck.

Diesmal aber wirkt Hoeneß` Wut besonders unpassend, gerade am Tag nach ter Stegens herausragender Leistung in Dortmund. Denn natürlich darf man in Deutschland die Diskussion über die wichtigste Nummer eins des Landes führen, spätestens seitdem Joachim Löw zur WM in Russland einen lange verletzten Neuer einem gesunden und bei einem anderen FCB hervorragend haltenden ter Stegen vorgezogen hatte. Ter Stegen ist seitdem nicht schlechter geworden, steht mit zwei Kollegen zur Auswahl als Welttorhüter 2019. Auch Neuer ist längst wieder zurück in alter Form. Diskutieren aber darf man trotzdem, auch darüber, ob es überhaupt noch zeitgemäß ist, abseits der großen Turniere, mit einer klaren Nummer eins zu planen. In anderen Sportarten ist man da längst weiter.

Aber wahrscheinlich geht es Hoeneß darum gar nicht. In seiner Welt darf sich nur einer respektlos über Fußballer äußern, die nicht oder nicht mehr dem FC Bayern angehören: Uli Hoeneß.

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