2:6 gegen Berlin

Aufschwung schon wieder vorbei? Ice Tigers kollabieren erneut

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

E-Mail zur Autorenseite

Ungestört zum 1:3: Marcel Noebels bereitet sich hier gerade auf einen vorentscheidenden Treffer vor. 

Ungestört zum 1:3: Marcel Noebels bereitet sich hier gerade auf einen vorentscheidenden Treffer vor.  © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Am Donnerstag vor 24 Jahren erblickte ein überlebensgroßer Plüschtiger das Licht der Welt. Mit der Geburt von Pucki begann in Nürnberg eine neue Eishockeyzeit. Mit dem stets lachenden, sehr kuscheligen Maskottchen wandelte sich der Klub von einem Anbieter für ein Nischenpublikum zu einem Unterhaltungsunternehmen. An diesem Donnerstag gefeiert wurde aber zunächst ein anderer: Leo Pföderl war wieder in der Stadt, zum ersten Mal, seitdem er Frühjahr Deutscher Meister wurde – mit den Eisbären Berlin.

Zwei junge Stürmer hatten die Ice Tigers einst aus Bad Tölz nach Nürnberg geholt, beide spielen mittlerweile bei Klubs mit einem ungleich höheren Budget. Doch wenn sich Yasin Ehliz wieder in der Arena Nürnberger Versicherung vorstellt, wird er ausgepfiffen. Pföderl wurde freundlich bejubelt – von Menschen, die erstmals seit Beginn der Saison ohne Maske zum Eishockey durften, weil sie geimpft, genesen oder per PCR-Test negativ getestet waren. Nach der kleinen Ehrung für den verlorenen Pföderl sahen sie ein anfangs rasantes Eishockeyspiel, das die Ice Tigers innerhalb von nur 168 Sekunden verloren.

Starkes Power-Play, kein Tor

Die bittere Erkenntnis nach dem 2:6 (1:1, 0:3, 1:2) war auch Frank Fischöder nicht fremd: Dank ihrer läuferischen Fähigkeiten und ihrer Spielfreude und dank einer verbesserten Struktur können die Ice Tigers mit jedem Team in der Deutschen Eishockey Liga mithalten, auch mit den bis auf die vorletzte Position prominent besetzten Eisbären – aber nur selten über 60 Minuten. Gegen Berlin reichte es bis zur 33. Minute, dann traf Kai Wissmann perfekt ins Kreuzeck. Marcel Noebels (amtierender Spieler des Jahres) erhöhte 57 Sekunden später sehr souverän auf 3:1 für den Meister (34.). Yannick Veilleux ließ sich danach beinahe zwei Minuten Zeit, ehe er auf 4:1 erhöhte.

Freundlicher Empfang: Leo Pföderl (links) mögen die Fans in Nürnberg immer noch. 

Freundlicher Empfang: Leo Pföderl (links) mögen die Fans in Nürnberg immer noch.  © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Stefan Ustorf, als Spieler sieben Mal Meister mit Berlin, in Nürnberg derzeit immer noch Sportdirektor und Cheftrainer, nahm eine Auszeit – und tatsächlich holte seine Mannschaft im Wechsel danach eine Strafzeit gegen Frank Hördler heraus. Im folgenden Power-Play erspielten sich die Ice Tigers gute Abschlüsse, vor allem aber Patrick Reimer scheiterte immer wieder an Nationaltorhüter Mathias Niederberger. Und so ging es mit einem etwas zu hoch ausgefallenen Rückstand in die zweite Drittelpause.

Natürlich trifft auch Pföderl

Das war selbst für neutrale Beobachter bedauerlich, so es solche überhaupt gibt. Denn vor den drei Gegentreffern in 168 Sekunden hatten Nürnberg und Berlin für schnelles, zuweilen hochattraktives Eishockey gesorgt. Der NHL-Scout von den Arizona Coyotes, der gekommen war, um Fabrizio Pilu zu beobachten, und die Späher aus Ingolstadt und Mannheim hatten auf der Pressetribüne viel zu notieren: die gelungenen Aktionen von Nick Welsh zum Beispiel, der zum ersten Mal seit seiner Gehirnerschütterung wieder mit dabei war, die spektakuläre Parade Niklas Treutles gegen durchgebrochenen Matt White, aber auch die Verwirrung in der kompletten Nürnberger Defensive, die Blaine Byron nach 36 Sekunden, den ersten Führungstreffer ermöglichte, und den ersten Saisontreffer von Gregor MacLeod (17.).

Im Schlussdrittel bemühten sich die Ice Tigers um den Anschluss, die Eisbären sind derzeit aber offenbar nur an der Spree verwundbar. Von vier Heimspielen haben sie vier verloren, dafür am Donnerstag auch das sechste Auswärtsspiel gewonnen. Mitten in einer Druckphase schnappte sich Pföderl die Scheibe und löffelte sie an Treutle vorbei ins Tor (46.). White tauchte kurz darauf ebenfalls alleine vor dem Torhüter auf, 1:6 (49.). Was ein Eishockeyfest werden sollte, wurde ein erneut lehrreicher Abend - zunächst einmal für den neuen Trainer. Ustorfs Liste soll kleiner geworden sein, ein Abschluss aber nicht unmittelbar bevorstehen.

Beim 3:8 gegen Schwenningen waren die Ice Tigers zuletzt so kollabiert. Am Tag darauf war Fischöder nicht mehr Trainer der Ice Tigers. Diesmal wurde noch einmal gejubelt. Eine Sekunde vor Schluss schloss MacLeod ein Solo bei 3-5-Unterzahl perfekt ab (60.). 3011 Zuschauer nahmen Gelegenheit gerne wahr, um endlich ohne Maske zu jubeln.

2 Kommentare