"Jeden Tag ein bisschen besser"

Drei Siege in Folge - der erstaunliche Reifeprozess der Ice Tigers

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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25.2.2022, 06:00 Uhr
Charlie Jahnke freut sich nach dem 3:0 gegen Ingolstadt über und mit Torhüter Alex Dubeau.

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Charlie Jahnke freut sich nach dem 3:0 gegen Ingolstadt über und mit Torhüter Alex Dubeau.

Manuel Kofler sagt Woid statt Wald, obi statt hinunter. Und bevor er das sagt, muss er sich erst einmal hinsetzen. Gestanden ist er in den zweieinhalb Stunden zuvor genug. Sie tragen Anzüge aus derselben Kollektion, lassen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig zu loben, aber es macht natürlich einen Unterschied, ob der Co-Trainer Kofler oder der Cheftrainer Tom Rowe über ein Spiel der Ice Tigers redet.

Nach dem 3:0 hätte Rowe den „großartigen Charakter“ seiner Mannschaft hervorgehoben. Er hätte leidenschaftlich gelobt, milde getadelt. Man kann das aber nur vermuten: Nach dem 3:0 (1:0, 1:0, 1:0) gegen den ERC Ingolstadt hat er sich bei der Pressekonferenz von Kofler vertreten lassen. Und auch wenn der US-Amerikaner sagt, dass er sich mit Doug Shedden ausgesprochen hatte, hat das sicher auch etwas mit der letzten Pressekonferenz neben Ingolstadts Trainer zu tun gehabt.

Die Omikron-Variante hatte sich gerade erstmals in der Kabine der Ice Tigers ausgebreitet, da mussten sie in Ingolstadt antreten, dort, wo sie in der ohnehin grauenvollen Vorsaison bereits 0:7 und 0:8 verloren hatten. Mit einem Minimalaufgebot kam ein 1:10 heraus. Und weil Shedden selbst beim Stand von 8:1 seine beste Power-Play-Formation aufs Eis geschickt hatte, verließ Rowe die Pressekonferenz vorzeitig und verärgert.

38 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene bekam Rowe am Mittwoch die Gelegenheit, es besser zu machen. Seine Ice Tigers führten 3:0, Ingolstadts Colton Jobke musste auf die Strafbank, Nürnbergs Cheftrainer aber schickte nicht Fox, Stoa und Brown aufs Eis, sondern mit Tim Fleischer, Lukas Ribarik und Dennis Lobach Spieler, die sich selten bis nie im Power-Play beweisen dürfen. War das ein Zeichen an Shedden? „Nein, wir haben uns ausgesprochen.“

Tatsächlich erklärte selbst Kofler die Szene anders, wenn auch als Antwort auf die Frage, was Rowe so besonders mache. „Tom macht auf jeden Fall aus, dass er jedem, und ich rede wirklich von jedem, das Gefühl gibt, gebraucht zu werden. Das geht bei den Spielern los, jeder Betreuer wird da herzlich behandelt“, erklärt der Oberbayer. „Wie du in den Woid reinschreist, so kommt es auch wieder raus.“

Rowe hat offenbar viel Aufbauendes in den Wald hineingeschrien, denn die Ice Tigers kommen selbstbewusst wieder raus, seitdem der 65-Jährige für Frank Fischöder übernommen hat. Kofler erzählt, dass er seitdem „einen jeden jeden Tag ein bisschen besser gemacht hat, mich auch“. Der Satz passt perfekt in die Woche der Ice Tigers. Beim 5:4 in Iserlohn präsentierten sie sich nach der Olympia-Pause noch etwas wild, beim 3:2 gegen Mannheim gewöhnten sie sich erst im Laufe des Spiels an die Härte, die nötig ist, um einen Titelfavoriten zu besiegen, und mit dem 3:0 gegen Ingolstadt legten sie die Reifeprüfung ab.

„Der Schlüssel war“, erklärte Kofler, dass uns das neutrale Drittel komplett gehört hat.“ Und er sprach von der Toughness, von der Härte, die die Ice Tigers als Team zeigen sollen. So wie gegen Ingolstadt, als die Checks im zweiten Drittel die Gäste mächtig zu beeindrucken schienen. Es muss dem Gegner wehtun, gegen diese Mannschaft zu spielen. Natürlich auch den Wolfsburgern, wenn sie am Freitag (19.30 Uhr/MagentaSport) die Nürnberger empfangen.

Und wie reagiert Kofler darauf, dass ihn Rowe in jedem Interview als seinen Nachfolger ins Spiel bringt? „Jetzt hat der Tom ja, Gott sei Dank, erst einmal für zwei weitere Jahre verlängert. Da werde ich hoffentlich noch viel von ihm lernen. Und was dann passiert, darüber denke ich nicht nach. Zwei Jahre, das ist ja Wahnsinn, wie viel Wasser da noch irgendeinen Fluß obi laufft.“ Obi, genau.

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