1:4 in Iserlohn

Ice Tigers: Klare Niederlage trotz Traumstart

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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10.9.2021, 22:02 Uhr
Nein, Daniel Schmölz ließ sich nicht von Sena Acolatse provozieren. Andere Nürnberger schon. 

Nein, Daniel Schmölz ließ sich nicht von Sena Acolatse provozieren. Andere Nürnberger schon.  © Jonas Brockmann/ Eibner-Pressefo via www.imago-images.de, imago images/Eibner

Die Eishalle am Seilersee ist nicht modern, sie ist nicht komfortabel, sie riecht nicht gut. Für viele Eishockeyfans und -spieler aber ist dieses Überbleibsel in Stahl und Rost insgeheim die schönste Halle der Deutschen Eishockey Liga, für Marko Friedrich wahrscheinlich auch. Sieben Jahre hat er hier gespielt, ist vom Hoffnungs- zum Leistungsträger geworden. Und als er am Freitagabend kurz vor halb acht auf dem Eis stand und die Menschen seinen Namen riefen, da schien es, als habe er Iserlohn nie verlassen. Friedrich aber stand da im Trikot der Nürnberg Ice Tigers. Trotzdem genoss er den Moment sichtlich.

Auch da war er nicht der einzige. Nach eineinhalb Jahren ohne Zuschauer, nach einer kompletten Saison in leeren Arenen, kehrte das Leben wieder in die DEL zurück. Und als Friedrich vor dem ersten Bully für seine Zeit in Iserlohn gefeiert wurde, da blieben nicht viele Augen trocken – weil das fair und anständig war und weil Eishockey wieder so war, wie Eishockey immer sein sollte. Das war allerdings der letzte Moment dieser Art, zumindest aus Nürnberger Perspektive. Stabiler wollten die Ice Tigers in der neuen Saison auftreten, schneller und aggressiver spielen. Beim 1:4 (1:2, 0:1, 0:1) war davon einiges zu sehen, aber doch nicht so, wie sich Frank Fischöder das gewünscht hatte.

Ein Routinier lässt sich provozieren

Diese Halle unterhalb der A46 gilt Eishockey-Romantikern deshalb als Sehnsuchtsort, weil die hitzige Stimmung traditionell ihren Weg von den Rängen aufs Eis findet. Daniel Schmölz nahm den Zuschauern zunächst den Spaß, indem er genau damit weitermachte, womit er im Frühjahr aufgehört hatte. Der erste Schuss des Nationalspielers schlug nach 38 Sekunden im Iserlohner Tor ein. Weil aber Tyler Sheehy den Puck auf der anderen Seite den Puck leichtfertig im eigenen Drittel verlor, glich Nick Schilkey sofort wieder aus. Nürnberg aber gefiel es in Iserlohn: Friedrich (5.) und Patrick Reimer (12.) hatten gute Chancen, Torhüter Niklas Treutle entnervte erst Brent Raedeke (11.), dann mit Eric Cornel seinen Ex-Kollegen (15.), zwischendurch zog sich Chris Brown nach einem Faustkämpfchen für fünf Minuten auf die Strafbank zurück.

Ein erster Faustkampf, darüber durften Chris Brown (rechts) und Hubert Labrie fünf Minuten nachdenken.  

Ein erster Faustkampf, darüber durften Chris Brown (rechts) und Hubert Labrie fünf Minuten nachdenken.   © Jonas Brockmann/ Eibner-Pressefo via www.imago-images.de, imago images/Eibner

Es wurde heiß, tatsächlich und im übertragenen Sinn. Die Roosters kreiselten so lange, bis bei den Gästen die Zuordnung nicht mehr stimmte, Torjäger Joe Whitney bedankte sich mit seinem ersten Saisontreffer (19.). Erneut war Sheehy in seinem ersten DEL-Spiel zu spät gekommen. Es war aber ein Routinier, der im Sauerland nicht cool blieb: Blake Parlett ließ sich so lange vom ehemaligen Straubinger und ewigen Provokateur Sena Acolatse reizen, bis er nicht nur einmal, sondern gleich zweimal zustach. Parlett durfte duschen, die Unterzahl überstanden die Ice Tigers. Danach aber dominierten die Gastgeber. Kris Foucault erhöhte auf 3:1. Ein weiterer Treffer - nach einer ebenfalls überflüssigen Strafe von Dane Fox, wurde aberkannt, weil Treutle zuvor behindert worden war.

Am Sonntag kommt der Aufsteiger

Es wurde ruhiger, die Schiedsrichterleistung aber nicht souveräner. Nach einem Bandencheck vom jungen Fabrizio Pilu bemühten sie den Videobeweis - das ist neuerdings auch bei vermeintlichen großen Strafen möglich - sahen dabei aber nicht, dass sich Taro Jentzsch verletzte, als er in den unbeteiligten Friedrich knallte, und auch nicht, dass Thorsten Ankert zuvor Fox mit einem Crosscheck niedergestreckt hatte. Auch diese Unterzahl überstand Nürnberg. Casey Bailey arbeitete den Puck erst danach noch einmal ins Tor (52.). Es war die Entscheidung in einem ersten Spiel, indem Nürnberg über gute Ansätze nicht hinauskam, undiszipliniert und naiv agierte.

Am Sonntag (14 Uhr/MagentaSport) wird das vergessen sein. Dann kommt mit Bietigheim der selbstbewusste Aufsteiger, vor allem wird auch in Nürnberg Eishockey mit Zuschauern in der Arena wieder so sein, wie es immer sein sollte.

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