2:4 gegen München

Ice Tigers liefern dem großen Favoriten einen großen Kampf

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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19.11.2021, 18:59 Uhr
Nur eine von vielen spektakulären Einlagen im zweiten Drittel: Tim Fleischer scheitert an Danny aus den Birken. 

Nur eine von vielen spektakulären Einlagen im zweiten Drittel: Tim Fleischer scheitert an Danny aus den Birken.  © Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Das Spiel hatte noch gar nicht begonnen, da war schon wieder vergessen, dass man an diesem Freitagabend zwar nur geimpft oder genesen Zutritt zur Arena hatte - zum vorerst letzten Mal aber auch ohne aktuellen negativen Test. Aber als sich Yasin Ehliz an der blauen Linie aufstellte, um vorgestellt zu werden, da wusste der Nationalspieler schon, was kommen würde: ein Pfeifkonzert, so laut wie das unter Masken nur möglich ist. Das Coronavirus ist in Deutschland offenbar nicht in Griff zu bekommen und in Nürnberg wird man Ehliz den Wechsel nach München nie verzeihen. Es gibt noch Gewissheiten in dieser ungewissen Zeit.

Die Geschichte, die danach erzählt wurde, war ebenfalls ganz nach dem Geschmack der 3454 Zuschauer: Da erwahrte sich eine junge und personell stark geschwächte Mannschaft nach einem unverschuldeten Corona-Ausbruch nicht nur tapfer gegen einen auf allen Positionen prominent und teuer besetzten Gegner. Die Ice Tigers sorgten beim 2:4 (1:1, 0:0, 1:3) gegen den EHC Red Bull München selbst lange Zeit für ein spektakuläres Eishockeyspiel, nach dem die Forderung des Geschäftsführers zumindest aus Nürnberger Sicht unbegründet erscheint.

Foul vor dem 0:1?

Eine Mannschaft, die ohne sieben Spieler derart stabil und strukturiert Eishockey spielt, sollte mit dem Abstieg in die DEL2 nichts zu tun haben. Den erneut aufzuschieben, hatte Wolfgang Gastner angesichts der neuen Regeln in Bayern und 2G+ bei künftigen Heimspielen am Nachmittag noch gefordert. „Egal, was passiert – Corona wird uns auch 2022/2023 noch beeinträchtigen. Ohne drohenden Abstieg aber hätten wir Sicherheit und eben nicht nur wir, alle Klubs", sagte der 46-Jährige und war gedanklich schon wieder beim Spiel am Abend. "Vielleicht", sagte Gastner, "können wir sie ein wenig ärgern."

Perfekte Hand-Auge-Koordination: Tyler Sheehy fälscht den Puck gekonnt an Danny aus den Birken vorbei ins Tor ab. 

Perfekte Hand-Auge-Koordination: Tyler Sheehy fälscht den Puck gekonnt an Danny aus den Birken vorbei ins Tor ab.  © Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Das konnten sie und das bereits vor dem Spiel. Laut Spielberichtsbogen hatte Tom Rowe seine Stürmer Gregor MacLeod und Tim Fleischer als Verteidiger aufgeboten, tatsächlich unterstützte dann aber nur Fleischer die vier verbliebenen Verteidiger in der Abwehr. Und wer meinte, der neue Cheftrainer hätte seine Mannschaft nur zum Verhindern und Stören aufs Eis geschickt, der kennt Tom Rowe noch nicht. Nürnberg spielte wie neuerdings immer: mit starkem Fore-Checking, hoher Laufbereitschaft und ohne dabei die Ordnung aufzugeben. Der Führungstreffer der Gäste fiel dann auch nur, weil Torschütze Konrad Abeltshauser zuvor noch Ryan Stoa hinter dem Münchner Tor hatte foulen dürfen (15.). Es war der zweite Moment der Normalität. Die Fans in der Arena hatten sich kaum beruhigt, da fälschte Tyler Sheehy einen Schlenzer von Nick Welsh perfekt ab (16.).

Gogulla legt vor, Kislinger nach

Wirklich spektakulär wurde es im zweiten Abschnitt, weil Dennis Lobach, Jake Ustorf und Tim Fleischer mit ihren Soli die Münchner Abwehr alleine entblößten und dann weil die Gäste die einsetzende Müdigkeit auf Nürnberger Seite nutzten, um die Kontrolle zu übernehmen. Weil die Ice Tigers vor Niklas Treutle aber die Räume eng machten, ging es ohne weitere Treffer ins Schlussdrittel.

Da nutzte Philip Gogulla eine seltene Konfusion zur erneuten Führung (41.), die der Garmischer Max Kislinger mit seinem ersten Saisontreffer prompt wieder ausglich. Danach vergaben Sheehy, MacLeod und Patrick Reimer beste Chancen. Zach Redmond und Ehliz trafen hingegen eiskalt. Danach wurde die Mannschaft auf dem Weg nach Ingolstadt (Sonntag, 14 Uhr) trotzdem gefeiert.

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