4:1 gegen Bietigheim

Ice Tigers lösen die Pflichtaufgabe gegen den Letzten souverän

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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27.11.2022, 17:28 Uhr
Und? Kein Tor: Evan Jasper rettet für den bereits geschlagenen Sami Aitokallio. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Und? Kein Tor: Evan Jasper rettet für den bereits geschlagenen Sami Aitokallio. 

Als Joshua Kimmich im Al Bayt Stadium von Al-Chaur seine Kollegen anschrie, sah Leon Hungerecker einen Puck auf sich zurasen. Kimmich beruhigte sich wieder und in der Arena Nürnberger Versicherung zuckte der Nürnberger Torhüter mit der Schulter, um die Scheibe abzuwehren. Die Ice Tigers waren schon oft gegen die Männer des 1. FC Nürnberg angetreten, kürzlich erstmals auch gegen die Frauen. Eishockey zu spielen, während die Nationalmannschaft versuchte, sich für ein WM-Spiel zu motivieren, das war neu – scheint aber nach der ersten Turnierwoche in Katar schon gar nicht mehr so absurd zu sein.

Auch die Boykottbereitschaft unter den Nürnberger Eishockeyfans scheint nicht ganz so ausgeprägt zu sein. In der Arena blieben viele Plätze leer, die an einem normalen Sonntagabend im November sicherlich besetzt gewesen wären. Mit den Bietigheim Steelers stellte sich zudem ein Gegner vor, der die Wahl selbst so manchem Dauerkartenbesitzer einfach machte. Jene 2694 Zuschauer, die zumindest offiziell gekommen waren, wurden dann auch nicht mit einem Spiel belohnt, an das man sich noch lange erinnern wird.

Trainerwechsel nach Punktgewinn

Nürnberg gewann 4:1 (1:0, 1:0, 2:1) gegen den Tabellenletzten und sicherte sich damit die Punkte drei bis fünf an diesem Wochenende. Am Freitag hatten die Ice Tigers in Berlin mit 3:2 nach Penalty-Schießen gewonnen. Wieder zeigte die Mannschaft von Tom Rowe dabei, dass sie gegen hochkarätig besetzte Teams tendenziell besser aussieht. Nur ein Heimsieg aber veredelte den Erfolg beim strauchelnden Meister. Das war die Drucksituation für die Gastgeber. Die Gäste hatten ganz andere Probleme.

In der zweiten Saison nach dem Aufstieg finden sich die Steelers auf dem 15. und letzten Platz wieder. Das ist ob der Besetzung der Mannschaft nicht überraschend, was man in Bietigheim offenbar anders sieht. Am Freitag holte das Schlusslicht einen Punkt gegen Tabellenzweiten Mannheim. Am Samstag wurde Aufstiegstrainer Daniel Naud trotzdem seiner Aufgaben entbunden. Mit Fabian Dahlem als Interims-Übungsleiter waren die Steelers den Ice Tigers ein unangenehmer, aber selten ein gleichwertiger Gegner.

Fox trifft ins leere Tor

17:3 Schüsse hatten die Statistiker nach den ersten 20 Minuten gezählt - zu Gunsten der Heimmannschaft. Sami Aitokallio wurde es in der kühlen Arena schnell warm, aber allein Max Kislinger nutzte seine geringe Eiszeit, um den Puck am finnischen Torhüter vorbei zu arbeiten (10. Minute). Im zweiten Drittel verdoppelten die Gäste ihre Schussausbeute, blieben dabei aber harmlos. Leon Hungerecker konnte sich so kaum für das Vertrauen Tom Rowes erkenntlich zeigen. Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber in Berlin hatte Hungerecker derart überzeugt dass vom Nürnberger Cheftrainer erneut den Vorzug vor Niklas Treutle bekam.

Offensiv gelang auch seinen Kollegen wenig Erfolgversprechendes - bis Tyler Sheehy traf, tatsächlich bei doppelter Überzahl (38.). Allerdings wirkte es ob des Tempo-Unterschieds ohnehin, als spielten die Ice Tigers dauerhaft im Power-Play. Irgendwann ging es nur noch darum, die drei Punkte und Hungerecker das erste Zu-Null-Spiel zu sichern. Wie am Freitag in Berlin nutzte Verteidiger Hayden Shaw den Verkehr vor dem Tor noch zu einem präzisen Schlenzer (35.).

Drei Minuten vor der Schlusssirene nutzte der Ex-Torhüter Dahlem noch die Gelegenheit, einen Schlussmann vom Eis zunehmen. Dane Fox wiederum nutzte diese Gelegenheit zu seinem fünften Saisontreffer (58.). Und Robert Kneisler verdarb Hungerecker noch den Shutout (59.). Am Dienstagabend wird das alles vergessen sein, dann treten die Ice Tigers um 19.30 Uhr (MagentaSport) in Düsseldorf an.

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