5:1 gegen Iserlohn

Ice Tigers schenken ihrem Kapitän fünf Tore und einen befreienden Sieg

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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23.12.2022, 19:18 Uhr
Jaaaaaa, Weihnachten! Tatsächlich bejubeln Elis Hede und Nick Welsh das Nürnberger 2:0.

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Jaaaaaa, Weihnachten! Tatsächlich bejubeln Elis Hede und Nick Welsh das Nürnberger 2:0.

Das Spiel war schon ein bisschen älter, gerade eben hatten die Ice Tigers eine ihrer vielen Chancen zur hochverdienten Führung genutzt, da war auch der Kapitän ein erstes Mal zu sehen. Patrick Reimer hatte sich direkt neben eine besonders dicke Betonsäule gesetzt, so als wollte er gar nicht gesehen werden. Sechs Tage nachdem er sein Karriere-Ende angekündigt hatte, wollten ihn die Fans aber natürlich begrüßen. Und so bekam Reimer den Applaus für ein Tor, das Dane Fox geschossen hatte.

Reimer hatte sich zuvor schon abmelden müssen. Oberkörperverletzung, mehr erfährt man von den Ice Tigers nicht. In der Vorsaison waren sie da noch auskunftsfreudiger, aber als er vor den Playoffs ausfiel, da war auch schon nicht mehr zu erfahren. Die Gesundheit dieses außergewöhnlichen Spielers ist Geheimsache. Und so verfolgte Reimer als Fan ein Eishockeyspiel, das seine Spannung vor allem aus der Frage schöpfte, wann und ob sich die drückende Überlegenheit Ice Tigers in drei Punkten auszahlen würde. Tatsächlich dauerte es bis zur 40. Minute, bis abzusehen war, dass Reimers Mannschaft dieses Weihnachtsspiel auch ohne ihn gewinnen würde.

Das 5:1 (1:0, 2:0, 2:1) gegen diesen direkten Konkurrenten um eine Teilnahme-Berechtigung an den Playoffswar ungemein wichtig.

Bodnarchuk stürmt und verteidigt

Zuvor hatte sich nicht nur Reimer abmelden müssen, auch Hayden Shaw fehlte - ebenfalls wegen einer Oberkörperverletzung. Tom Rowe musste neben Stoa, Jahnke, Parlett und Kechter (U20-WM) also auf zwei weitere Leistungsträger verzichten. Das führte zu kuriosen Konstellationen. Um vier Angriffsreihen durchwechseln zu lassen, musste der Cheftrainer die vierte Formation auffüllen. Eine Aufgabe, die sich mehrere Spieler teilten: Mittelstürmer, Außenstürmer und der Verteidiger Andrew Bodnarchuk, was dazu führte, dass der Kanadier während des Spiels mehrmals die Position wechselte.

Für Verwirrung sorgte das zunächst allenfalls beim Gegner. Nachdem seltsam passiven Auftritt beim 2:1 in Frankfurt fanden die Ice Tigers gegen Iserlohn wieder zu ihrem aggressiven, offensiven Spiel. Dabei kamen die Roosters nahezu überhaupt nicht zur Ruhe, dominanter als Nürnberg in den ersten 20 Minuten kann man in dieser Liga nicht Eishockey spielen. Es traf aber nur: Fox (nach einer feinen Rettungsaktion von Gregor MacLeod, 12. Minute). Zwischendurch hatten die Ice Tigers nur einen Gegner, Iserlohns spektakulären Torhüter Hannibal Weitzmann.

Ein Tor, im Power-Play!

Ab dem zweiten Drittel nahmen auch die Gäste am Spiel teil. Anders als beim 2:1 in Frankfurt aber blieben die Ice Tigers aggressiv und mutig. Ein Unterzahlspiel wurde ohne Gegentreffer überstanden, kurz darauf spielte Elis Hede den omnipräsenten Nick Welsh am langen Pfosten frei - 2:0 (37.). Und als kurz Fox kurz vor der zweiten Drittelpause auch noch bei eigenem Power-Play traf (40.), war die Partie tatsächlich vorentschieden.

Greg Poss, einst auch in Nürnberg Trainer, versuchte die Kräfteverhältnisse zu beeinflussen, indem er den starken Hannibal Weitzmann durch den langjährigen Ice Tigers-Torhüter Andreas Jenike ersetzte. Doch den Aktionen der Roosters fehlte es an Überzeugung. Und zehn Minuten vor dem Ende nahm Poss dann bei eigenem Power-Play auch Jenike vom Eis. All das brachte nichts, auch weil Nürnberg in Leon Hungerecker einen souveränen Rückhalt hatte. Nach drei Minuten beendete eine Strafzeit gegen den gebürtigen Nürnberger Sven Ziegler das Experiment.

Danach war Weihnachten. Auch Danjo Leonhardt und Dennis Lobach trafen noch (55. und 57.), ebenfalls im Power-Play. Iserlohn provozierte noch - ohne Konsequenzen. Und auf der Tribüne war Patrick Reimer nicht mehr zu sehen. Es war ziemlich klar, was alle 4523 Zuschauer dem Kapitän zum Weihnachtsfest wünschten. Am zweiten Weihnachtsfeiertag (14 Uhr/MagentaSport) wird er in Schwenningen trotzdem noch fehlen.

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