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Sportdirektor Ustorf: Kein Geschenk an den Sohn

26.8.2021, 06:00 Uhr
Corona, Verletzungen: Es war ein schwieriges Jahr für Jake Ustorf beim EHC Freiburg in der DEL2. Trotzdem sammelte er neun Punkte in 16 Spielen und hatte Grund, voller Freude gegen die Bande zu springen. 

Corona, Verletzungen: Es war ein schwieriges Jahr für Jake Ustorf beim EHC Freiburg in der DEL2. Trotzdem sammelte er neun Punkte in 16 Spielen und hatte Grund, voller Freude gegen die Bande zu springen.  © BEAUTIFUL SPORTS/G. Hubbs via www.imago-images.de, NN

Die Eiszeit in Nürnberg begann mit zwei Gästen, einem prominenten Eishockeyspieler und einem Eishockeyspieler, der einen prominenten Namen trägt. Bei beiden schien es denkbar unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich in Pflichtspielen mit dem Tigerkopf auf dem Trikot auflaufen. Dominik Bokk war an seinen Traum gebunden, sein Talent in der besten Liga der Welt zu beweisen, Jake Ustorf an den EHC Freiburg. Weil sowohl in der NHL als auch in der DEL2 die Saison erst im Herbst beginnt, nutzten beide ihre Beziehungen – und beendeten ihre Sommer in Nürnberg auf dem Eis. Bis einer von beiden gefragt wurde, ob er denn nicht doch lieber für die Ice Tigers spielen wolle.

Bokk und Ustorf sind im Training leicht zu erkennen, beide tragen ihre Haare hinten länger, beiden wehen die Locken unter dem Helm hervor, wenn sie beschleunigen. Mullet nennt man diese Frisur in Nordamerika, Vokuhila in Deutschland, „Hockey Hair“ in England. Aber nur einer erzählt nach der Mittwochseinheit die Geschichte, wie er zum Ice Tiger geworden ist. „Tatsächlich hat mich Kofi angesprochen. Da war ich bereits zwei Wochen mit der Mannschaft auf dem Eis. Offenbar habe ich das nicht schlecht gemacht.“ Es war also Kofi, Manuel Kofler, der Co-Trainer, und nicht Usti, der Sportdirektor der Ice Tigers – und Jake Ustorfs Vater.

"Ich vertraue Jake zu 100 Prozent"

Es waren also die Coaches, die der 24 Jahre alte Stürmer im Training überzeugt hatte. Frank Fischöder und Kofler gefiel die Geschwindigkeit Ustorfs, die Spielintelligenz. Zudem standen sie am Ende des Vorbereitungsturniers in Straubing hinter einer spärlich besetzten Bank, weil sich erneut Spieler früh verletzt hatten. Das kannten sie bereits aus der Vorsaison, das sollte sich nicht wiederholen, also baten sie den Sportdirektor, Ustorf unter Vertrag zu nehmen. Der erzielte eine Einigung mit dem EHC Freiburg, dass er zufällig der Vater des 13. Stürmers ist, soll keine Rolle gespielt haben. So stellt der Klub den Transfer dar. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln.

Und trotzdem ist es legitim, Sportdirektor Ustorf danach zu fragen, ob er gezögert hat, auch weil er selbst am besten weiß, dass sein Sohn seine erste Saison in der DEL unter besonderer Beobachtung beginnen wird. „Den Druck hat er so oder so. Im Endeffekt muss sich jeder Trainer- oder Managersohn die Frage anhören, ob er den Vertrag nur kriegt, weil … Mir ist das völlig egal. Ich bin nicht einer Position, dass ich Geschenke und Gefallen verteilen kann. Ich muss dafür sorgen, dass wir eine schlagkräftige Truppe auf dem Eis haben. Ich vertraue Jake zu hundert Prozent und glaube daran, dass er uns als Spieler weiterhelfen kann.“

Bokk geht wieder, Ustorf bleibt

So wie er einst als 18-Jähriger dem ESV Kaufbeuren weitergeholfen hat. Trainer damals: Peter Ustorf, sein Vater. Stefan Ustorf aber galt da bereits als großes Talent, später schaffte er es in die NHL, vertrat Deutschland bei vier Olympischen Eishockeyturnieren, holte sechs Meistertitel mit Berlin. Jake Ustorf, geboren und aufgewachsen in Ohio, hatte sich in Berlin nicht durchsetzen können, spielte bislang für Weißwasser und Freiburg in der DEL2. In der Corona-Saison konnte er überzeugen, trotz Verletzungen.

In Nürnberg startet er voller Selbstbewusstsein. „Wer behauptet, dass ich den Vertrag nur dank meines Vaters habe“, sagt Jake Ustorf, „der hat mich noch nicht auf dem Eis gesehen.“ Dominik Bokk wird die Ice Tigers sicher wieder verlassen. Ustorfs Eishockeyhaare werden in Nürnberg hingegen weiter über seinem prominenten Namen wehen.

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