Eishockey-WM

"Und der lacht sich kaputt": Ex-Ice Tiger Pföderl erklärt die Krake im deutschen Tor

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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14.5.2022, 17:01 Uhr
Ois easy: Leo Pföderl "bejubelt" seinen Siegtreffer, beeindruckender fand er die Leistung des deutschen Torhüters. 

© IMAGO, IMAGO/ActionPictures Ois easy: Leo Pföderl "bejubelt" seinen Siegtreffer, beeindruckender fand er die Leistung des deutschen Torhüters. 

Natürlich hätte das Bild wunderbar in die Geschichte dieser Weltmeisterschaft gepasst. Beim 3:5 gegen Kanada zum Auftakt war schließlich er es, der Deutschland mit einem Treffer und zwei Vorlagen im Spiel hielt. Auch sonst erfüllt Moritz Seider bei dieser Eishockey-Weltmeisterschaft selbst die höchsten Erwartungen: Auf dem Eis gibt er sich unüberwindbar, daneben diesem zuletzt etwas wankenden Verband einen klugen und selbstbewussten Posterboy.

Aber als der noch immer gerade einmal 21 Jahre junge Verteidiger seine 1,93 Meter auf volle Länge streckte, um einen abgefälschten Puck aus der Luft zu fangen, da wäre die Feststellung übertrieben gewesen, dass Seider jetzt nicht nur verteidigen, Tore schießen und repräsentieren, sondern auch noch den Torhüter spielen muss. Denn Deutschland hatte an diesem Samstagabend in der Helsinki Jäähalli einen Torhüter - und was für einen.

Direkt hinter Seider stand Philipp Grubauer, der die Scheibe ebenso locker hätte fangen können. So wie er das bei diesem wichtigen 2:1 (0:0, 2:1, 0:0) sehr verlässlich gemacht hat. Nur einmal war Kristian Pospisil (32. Minute) schneller, den Bauerntrick konnten wieder Grubauer noch seine Verteidiger verhindern.

"Leck mich..."

Da stand es aber bereits 2:0 für eine deutsche Mannschaft, die weiterhin um Spielkultur bemüht war, aber eben auch bereit zu kratzen, zu schlagen und die eigene körperliche Unversehrtheit zu riskieren, um sich für das arrogante 0:4 in Peking zu revanchieren. Beim Entscheidungsspiel bei den Olympischen Spielen hatte all das gefehlt. Die Slowakei gewann locker, zog bis ins Finale weiter - so wie Deutschland vier Jahre zuvor in Südkorea. In der Vorbereitung auf diese WM war das ein großes Thema: Deutschland wollte wieder bescheidener auftreten, geschlossener. Das war diesem Kraftakt stets anzusehen. Und dank Grubauer stimmte am Ende auch das Ergebnis.

In einem immer intensiven, selten hochklassigen Spiel ging die Mannschaft von Cheftrainer Toni Söderholm und dem Nürnberger Co-Trainer-Duo Jessica Campbell und Tom Rowe durch ein erzwungenes Eigentor in Führung (22.). Leo Pföderl schloss wenig später einen vom ihm selbst initiierten Angriff selbst ab (27.). Wichtig war der charismatische Ex-Nürnberger aber vor allem, weil es ihm gelang, die passenden Worte für die Leistung Philip Grubauers zu finden. „Was soll man da groß sagen?", fragte sich Pföderl selbst. "Da kommen Schüsse aufs Tor, und du denkst: „Leck mich am Arsch“. Und der lacht sich kaputt. Es ist einfach ein Traum, das anzuschauen."

Nur der Vollständigkeit halber, weil nicht so prägnant: Grubauer, der mit dem NHL-Neuling Seatlle Kraken zumindest sportlich keine erfreuliche Saison erlebt hatte, parierte 28 von 29 Toren und kaschierte damit, dass seine Kollegen ebenfalls ihre Probleme hatten, den slowakischen Torhüter Patrik Rybar zu überwinden. Auch der Nürnberger Daniel Schmölz hätte die Partie schon früher vorentscheiden können. So mussten sich Seider und Grubauer bis in die Schlusssekunden strecken. Am Montag (19.20 Uhr/Sport1, MagentaSport) könnte es gegen Frankreich entspannter werden. Allein diesen Gedanken sollte sich die Mannschaft nicht leisten. Seider dürfte das auch gar nicht zulassen.

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