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Ist Amelie Hörner stark genug für Olympia?

18-Jährige Gewichtheberin aus Allersberg trainiert beim ASV Neumarkt - 27.11.2020 14:42 Uhr

Eine kommende Olympionikin? Amelie Hörner beim Reißen während eines Test-Wettkampfs im September in Leimen.

25.11.2020


Während es ihre Freundinnen an schönen Sommertagen ins Freibad oder an den See zieht, wuchtet Amelie Hörner im Kraftraum Gewichte. Das seien so Momente, gibt die 18-Jährige zu, wenn das Training bei aller Motivation und allem Ehrgeiz selbst ihr schwerfalle. Andererseits: Oft nicht dabei zu sein, dem Sport vieles andere unterzuordnen, das sei sie seit Jahren gewohnt. "Ich kann damit umgehen." Ab und zu verschiebe sie tatsächlich auch mal eine Übungseinheit, erzählt die Gymnasiastin aus Allersberg – wohlgemerkt: verschieben, nicht ausfallen lassen. Dazu brennt sie viel zu sehr für ihren Sport: das Gewichtheben.

Über die älteren Geschwister und nicht zuletzt ihren Vater Reinhold, früher selbst aktiver Gewichtheber, kommt sie schon als junges Mädchen mit diesem Sport in Berührung. "Anfangs hat mir das nicht wirklich Spaß gemacht und es war anstrengend." Trotzdem geht sie ab sofort nicht mehr nur zum Turnen, sondern auch mit Vater, Schwester und Bruder zu den Kraftsportlern.

Als sie mit zwölf Jahren dann richtig zu trainieren anfängt, packt sie der Kraftsport endgültig. "Ich habe anfangs relativ schnell Fortschritte gesehen, mit den Leuten aus der Trainingsgruppe entwickelten sich Freundschaften und auch die ersten Erfolge kamen dazu", blickt sie zurück. Es ist diese Mischung, die eine solide Basis für ihre bis heute ungebrochene Begeisterung bildet.

Komplexe Angelegenheit

Was sie am Reißen und Stoßen so fasziniert? Zum einen sei es die "Fairness zwischen Männern und Frauen", die in den Wettkämpfen herrsche (in der Bezirksliga startete Hörner heuer für den ASV Neumarkt in einer Mixed-Mannschaft), in denen jeweils spezifisch gewertet werde. Nicht zuletzt ist es aber die Kombination verschiedenster Fertigkeiten, die diesen Kraftsport zur hochkomplexen Angelegenheit werden lässt. "Es kommt eben nicht nur auf Kraft an. Auch die Technik ist essentiell, vor allem, um wirklich erfolgreich zu sein", erklärt sie. Weiter zentrale Punkte seien die Kontrolle über das Gewicht beziehungsweise den eigenen Körper sowie Konzentration.

Trainer Alfred Bechtold, der sie von Anfang an beim ASV Neumarkt trainiert, sieht das ganz ähnlich: "Erfolg hängt in diesem Sport von so vielen Faktoren ab. Ein Gewichtheber muss Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Gewandtheit in sich vereinen."

Sie sei zwar schon lange dabei, dennoch sei ihre Technik noch immer nicht perfekt, stellt Amelie Hörner selbstkritisch fest. Durch das Drehen an den richtigen Stellschrauben immer besser zu werden, mehr Gewicht zu stemmen, Wettkämpfe zu gewinnen, motiviert sie. "Solche Erfolge zu sehen, das reizt mich."

Chance auf den Perspektivkader

Die offizielle Bestleistung der Bundesnachwuchskader-Athletin (die Chancen, 2021 in den höherklassigen Perspektivkader berufen zu wer-den, stehen laut eigener Aussage "ganz gut") liegt momentan übrigens bei 82 Kilogramm im Reißen und 101 Kilogramm im Stoßen.

Neben den guten körperlichen Voraussetzungen (mit 1,68 m Körpergröße und maximal 71 kg Gewicht hat die Allersbergerin nach eigener Aussage "relativ gute Maße", was zum Beispiel in "kurzen Wegen" resultiert), ist ihr hartes und langjähriges Training ein Erfolgsgarant. Fünfmal die Woche wird an der Form gearbeitet, zweimal geht es dabei zum Gewichte stemmen nach Neumarkt zum ASV, dreimal in den heimischen Kraftraum (wo in Lockdown- oder Quarantäne-Zeiten das komplette Training stattfindet).

Rechnet man zu den eineinhalb- bis zweistündigen Einheiten dann noch das Pendeln zwischen Allersberg und Neumarkt hinzu, bleibt neben Schule und Sport keine Zeit für andere Hobbys oder um Freunde zu treffen.

Zahlreiche Erfolge

Dass sie für das Gewichtheben lebt (laut Bechtold ist sie "sehr willensstark, konsequent und trainingsfleißig"), zahlt sich aus. So kann Amelie Hörner in ihrer Karriere schon auf zahlreiche Erfolge zurückblicken: "Viermal Deutsche Meisterin, davon drei normale und eine internationale DM, dazu etliche bayerische Rekorde in ihrer Alters- und Gewichtsklasse und im letzten Jahr war Amelie sogar bei der Jugend-Europameisterschaft in Israel mit dabei", zählt Bechtold auf. "Für ihr junges Alter hat sie schon sehr viel erreicht!"

Auch in diesem Jahr wäre sie – diesmal als Juniorin – wieder zur Europameisterschaft gefahren. Aber wie praktisch alle anderen Gewichtheber-Wettbewerbe, vom Ligabetrieb bis zu den verschiedenen Meisterschaften, wurde auch die EM wegen der Corona-Pandemie abgesagt (anstatt in Finnland durfte letztlich jeder startberechtigte Athlet das Reißen und Stoßen daheim alleine bestreiten). Was Hörner einerseits "sehr schade" findet, weil sie als ehrgeizige Sportlerin, die sie nun einmal ist, eben "nicht zeigen kann, wofür man trainiert hat".

Andererseits kann sie der Zwangspause aber auch etwas Positives abgewinnen: So habe sie "jetzt die Chance, sich ohne Wettkampfdruck auf das nächste Jahr vorzubereiten".

Umzug nach Berlin im Visier

Und 2021 stehen für die 18-Jährige einige Dinge auf der To-do-Liste: das Abitur ("Ich bin froh, wenn ich aus der Schule raus bin!"), die erneute Qualifikation für die Junioren-EM, die Berufung in den Perspektivkader und last but not least der Wechsel an den Olympiastützpunkt in Berlin, wo mittelfristig ein Zentrum für Gewichtheberinnen geschaffen werden soll.

Für Amelie Hörner bietet sich dort die Möglichkeit, neben dem Studium (Medien & Kommunikation) in einer hochprofessionellen Umgebung "weiter auf hohem Niveau Sport treiben" und sich weiterentwickeln zu können. Durch Faktoren wie eine optimale sportliche Infrastruktur, einem Trainerwechsel sowie der Chance, mit einigen von Deutschlands besten Gewichtheberinnen zu arbeiten, hofft sie, dass ihr großer Traum irgendwann Wirklichkeit wird: bei Olympischen Spielen im Nationaltrikot anzutreten.

Ein durchaus realistischer Traum: "Wenn sie so weitermacht", ist Alfred Bechtold überzeugt, "hat sie auf jeden Fall das Zeug zu Olympia!"

 

ANDREAS REGLER

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