Ist der HC Erlangen nun bereit für mehr?

22.3.2021, 16:39 Uhr
Im Hintergrund versenkt Johannes Sellin den Ball im Tor vorne jubelt Jan Schäffer. Das schnelle Umschalten ist eine große Stärke des HC Erlangen.

Im Hintergrund versenkt Johannes Sellin den Ball im Tor vorne jubelt Jan Schäffer. Das schnelle Umschalten ist eine große Stärke des HC Erlangen.

In diesem Punkt waren sich Trainer und Kapitän nicht einig. "Sehr überzeugend", fand Nikolai Link, der Spieler, den Auftritt des HC Erlangen beim 29:24 (14:12) in Balingen, sein Coach Michael Haaß war sich derweil sicher, dass man auch am Samstag der Mannschaft fehlende Souveränität angesehen habe. Gesprochen haben sie beide über das Leistungsvermögen des fränkischen Bundesligisten und vielleicht meinten sie sogar das gleiche: Dass der HCE in Baden Württemberg einen kleinen, aber feinen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat.

Eindeutige Fakten schafft derweil die Tabelle, auch wenn ihr, bedingt durch zahlreiche Spielausfälle, etwas Aussagekraft abgeht: Der HC Erlangen ist nun da angekommen, wo er, wenn es nach den Verantwortlichen, nach den Spielern und auch nach vielen Experten in der Handball-Welt geht, zweifellos hingehört – auf einem einstelligen Tabellenplatz. Durch die zwei Punkte kletterte der Klub im Bundesliga-Klassement nach oben auf Platz acht, der Abstand auf die Europa-Plätze ist deutlich geringer als der nach unten.

"Wenn wir hoch wollen", sagte Link nach dem Erfolg in Balingen am Sky-Mikrofon, "und wir wollen hoch, dann sind das die Spiele, die man gewinnen muss." Sie haben es gewonnen was den Schluss nahe legt, sie hätten gelernt aus den Patzern der Vergangenheit. "Leider hatten wir in dieser Saison schon ein, zwei Ausrutscher", führt Link aus und nennt exemplarisch die Niederlagen in Coburg und das Hinspiel gegen Balingen.

Damit spricht der Kapitän ein Problem an, dass die Mannschaft über große Teile der Saison beschäftigt: die fehlende Konstanz, sowohl innerhalb der 60 Minuten auf dem Platz, als auch spielübergreifend. Erst zum zweiten Mal in dieser Runde reihte der HCE zwei Siege aneinander, der nächste Schritt wäre nun also, die zarte Serie auszubauen. "Jetzt gehts darum, da weiter zu machen", erklärt Link.

Wochen der Wahrheit

"Nächste Woche kommt der Bergische HC nach Nürnberg, eine Mannschaft, die ein bisschen über uns steht," und eine Mannschaft, die am Samstag zuhause nicht über ein Remis gegen Abstiegskandidat Nordhorn hinauskam. Danach geht es gegen Leipzig, Göppingen und Minden darum, sich weiter oben festzubeißen, ehe die richtig schweren Brocken aus Magdeburg, Kiel und Mannheim warten.

Dem HC Erlangen ist vieles zuzutrauen in dieser Spielzeit und die Tatsache, dass er es gegen Balingen trotz Personalproblemen auch in einer hektischen Schlussphase nie unangenehm eng werden ließ, macht Mut. Das war schließlich schon oft anders. Auf einem "guten Weg", wähnt Link sein Team also. "Ich finde wir spielen ganz ordentlichen Handball, verwerfen noch ein bisschen viel und machen in der zweiten Welle viele einfache Fehler."

Haaß hat die Schlussphase dennoch nicht gefallen: "Man hat uns in der zweiten Halbzeit angesehen, dass wir nicht souverän sind, auch bei Führungen. Wir wurden sehr hektisch am Ende. Da fehlt uns einfach die Sicherheit, dass wir das Spiel wirklich auch zumachen können." Der Trainer bleibt kritisch, auch nach Erfolgserlebnissen, weil er mit seiner Mannschaft schon vieles erlebt hat.

Die nächsten vier Wochen werden zeigen, ob der HCE nun einen Schritt weiter ist.

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