Kannenbergs Olympiasieg katapultierte den LAC Quelle Fürth in die Spitze

Markus Eigler

Fürther Nachrichten

E-Mail

25.1.2021, 11:56 Uhr
Geher Bernd Kannenberg vom LAC Quelle Fürth bei seinem umjubelten Zieleinlauf im Münchner Olympiastadion 1972. Mit 3:56:11,6 Stunden holte er Gold.

© Foto: Horst Ossinger/dpa Geher Bernd Kannenberg vom LAC Quelle Fürth bei seinem umjubelten Zieleinlauf im Münchner Olympiastadion 1972. Mit 3:56:11,6 Stunden holte er Gold.

Wenn der ehemalige Sprinter Harald Werner (69) vom LAC Quelle Fürth über seinen Vereinskameraden Bernd Kannenberg spricht, ist es eine Hommage voller Wehmut. "Von Bernds herausragender sportlicher Leistung haben wir alle profitiert. Seine Leistungen haben dafür gesorgt, dass der Verein das wurde, was es heute ist."


Hockey-Abteilung der SpVgg Greuther Fürth ruft Olympische Spiele aus


Am 13. Januar ist Kannenberg, Fürther Geher-Legende, vor allem aber Olympiasieger und Vereinskamerad, gestorben (wie berichtet). 1942 wurde Kannenberg im ostpreußischen Königsberg geboren, später wurde er Sportsoldat. Was sein Olympiasieg für die Fürther Leichtathletik bedeutete, sei gar nicht hoch genug einzuschätzen, sagt Werner. Er muss es wissen, immerhin war er als Sprinter selbst vier Mal Bayerischer Meister, seine beste Zeit erlebte er von 1970 bis 1976, genau wie Kannenberg.

Werner hat hautnah miterlebt, wie aus der Leichtathletik-Abteilung des TV Fürth 1860 ein deutscher Spitzenverein wurde. Eng verknüpft ist das, wie so vieles in Dambach, mit Gustav Schickedanz. Werner erinnert sich an jenen denkwürdigen 3. September 1972: "Unser Vorstand Karl-Heinz Conrad ist am Tag des Geher-Wettbewerbs extra mit Gustav Schickedanz nach München gefahren. Die beiden waren direkt im Stadion, haben die grandiose Stimmung an diesem Tag aufgesogen."

"Goldener Sonntag der Leichtathletik"

Und was das für ein Tag war. Als "goldener Sonntag der Leichtathletik" ist er in die deutsche Sportgeschichte eingegangen. Zwei erste Plätze, im Speerwurf und bei den 800 Metern der Frauen, hatte die westdeutsche Mannschaft bereits eingeheimst. Das Olympiastadion war also im Goldrausch, als Bernd Kannenberg nach fast 50 Kilometern durch München an 100 000 Menschen vorbei als Erster in die Arena einbog, eine Stadionrunde lief und schließlich als Olympiasieger ins Ziel kam.

Harald Werner erinnert sich gerne an Bernd Kannenberg.

Harald Werner erinnert sich gerne an Bernd Kannenberg. © Foto: Harald Werner

"Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich mich daran zurückerinnere", gibt Harald Werner zu. "Bernd war nicht unbedingt der Favorit, hat aber den Lauf seines Lebens abgeliefert." Die Entscheidung im Gehen verfolgte Werner vor dem Fernseher, war vorher aber in München gewesen. "Das war vor den Anschlägen. Was für eine Freude und Euphorie in der Stadt geherrscht hat, war ganz toll", erinnert er sich, "der 3. September hat dem natürlich die Krone aufgesetzt." Was folgte, war ein denkwürdiger Empfang in Fürth.

Von der Stadtgrenze wurde Kannenberg im offenen Wagen an tausenden Begeisterten vorbei bis ins Rathaus kutschiert, wo er sich ins Goldene Buch eintrug. Im Anschluss ging es auf den neu gebauten Europakanal, wo der Athlet mit Vereinsmitgliedern, Bundeswehrkameraden und natürlich Gustav Schickedanz hin- und herschipperte, bevor am Abend ein großes Feuerwerk den Fürther Nachthimmel erleuchtete.

Schickedanz’ Tartanbahn

"Im Endeffekt sorgte Schickedanz’ Begeisterung, die in diesem Moment einen ganz entscheidenden Schub bekommen hat, dafür, dass der ganze Verein einen Sprung nach vorne gemacht hat", glaubt Werner. Entscheidend war dabei die neue Tartanbahn, die der Quelle-Chef seinem Verein 1975 für 500 000 DM spendierte.

"Bernd hat dafür mehrmals ein gutes Wort bei Schickedanz eingelegt", weiß der 69-Jährige. "Wir alle haben davon profitiert, selbst die heutige Generation noch. Auch wir als Sprinter, die sonst die Geher als Sportart an sich immer ein bisschen belächelt haben. Sprinter und Geher, das passt eigentlich nicht", erzählt Werner mit einem Lachen.

In der Anfangszeit habe man die Geher-Truppe, die sich um den Langstreckenläufer Herbert Meier gebildet hatte und dann häufig im Fürther Stadtwald verschwunden ist, nicht wirklich ernst genommen.

Neuzugang vom Club

Das aber änderte sich, als 1971 Bernd Kannenberg vom 1. FC Nürnberg hinzu kam. Es dauerte ein Jahr, bis er den Weltrekord um satte acht Minuten verbesserte. Kurz darauf folgte der Olympiasieg.

"Aber auch nach seinem Triumph ist er überhaupt nicht abgehoben, war immer noch ruhig und bescheiden, für jeden da", betont Harald Werner. Sportsoldat Kannenberg, der für seinen Olympiasieg zum Hauptfeldwebel befördert wurde, ließ noch elf Meistertitel im Gehen folgen, dazu gewann er Silber bei den Europameisterschaften 1974 in Rom.


Der LAC Quelle taucht wieder in der Bestenliste der deutschen Leichtathletik auf


Erst ständige Beschwerden an der Leiste bremsten ihn ein, 1976, nach nur sieben Karrierejahren, war für Bernd Kannenberg Schluss. Er engagierte sich danach als Trainer im Verein weiter. Es ist nicht nur die ans Vereinsgelände des TV 1860 angrenzende Kannenbergstraße, die in Harald Werner Erinnerungen an seinen Sportkameraden weckt.

Vielmehr ist es die Laufbahn auf dem Gelände der 60er. Sie wurde 1976 die Bühne für einen 100-Meter-Weltrekord von Inge Helten. Vor allem aber haben die rauschenden Leichtathletik-Feste dem LAC Quelle Fürth zu dem verholfen, was er heute ist: ein Verein in der deutschen Elite. Die Bahn erinnert an das goldene Vermächtnis des Bernd Kannenberg.

Verwandte Themen


Keine Kommentare