Karatemeisterin unterrichtet Schüler in Erlangen

4.2.2018, 12:20 Uhr
Manche sind mehr Feuer, manche sind mehr Wasser — und mittendrin steht Janine Böhme und versucht, alles sinnvoll miteinander zu verbinden.

Manche sind mehr Feuer, manche sind mehr Wasser — und mittendrin steht Janine Böhme und versucht, alles sinnvoll miteinander zu verbinden. © Harald Sippel

Wenn Janine Böhme über ihre Sportart spricht, merkt der Zuhörer schnell, dass es für sie nicht einfach nur um Karate geht. Es handelt vielmehr von einer Lebenseinstellung. "Alles Miteinander beginnt und endet mit Respekt", sagt die Sport- und Fitness-, Selbstverteidigungs- und Gewaltpräventionstrainerin für Karate.

Dieses Motto lernen auch ihre Schüler, die sie beim FSV Erlangen-Bruck trainiert. Freitagnachmittags sind das zum Beispiel ein knappes Dutzend quirliger Grundschüler. Auf spielerische Art und Weise bringt Böhme ihnen bei, Karategriffe zur Selbstverteidigung anzuwenden und so ihr Selbstbewusstsein zu stärken – obendrein, fast nebenbei, auch die Disziplin.

Fasziniert von "Dragon-Ball"

Auch Janine Böhme hat jung mit Karate angefangen, mit zwölf Jahren. Zum einen, weil der Bruder Karateunterricht nahm, zum anderen, weil sie die Anime-Serie "Dragon Ball" regelrecht verschlang. "Ich war damals nicht unbedingt selbstbewusst." Die gebürtige Sächsin wollte lernen, wie man kämpft, wie man stark ist. Bald schon trainierte sie zwei- bis dreimal die Woche, mit Jugendlichen, die älter waren als sie.

Während der Schulzeit bekam sie gesundheitliche Probleme, was sie frustrierte und im Karate zurückwarf. "Es gibt Phasen, wo man denkt, das macht keinen Sinn." Ihr Lehrer sorgte dafür, dass sie nicht aufhörte. "Karate war auch später für mich ein guter Ausgleich zum Studium. Ich kann so gut abschalten."

Nach einem dreimonatigen Stipendium in Südkorea begann Böhme erst ein Lehramtsstudium, dann eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesstrainerin. So lernte sie ihren jetzigen Trainer Micha Denk kennen. Jeden Sonntag auf dem Nachhauseweg besuchte sie das Training in Erlangen. Die individuelle Förderung und Entwicklung steht hier im Zentrum: "Das ist etwas Besonderes, was ich in der Form noch nirgendwo anders erlebt habe."

Besonders angetan ist Janine Böhme schnell von "Kempo-Karate", bei der die Übertragung der traditionellen Kampfkunst in moderne Anwendungssituationen, etwa die Selbstverteidigung auf der Straße, im Fokus steht. Böhmes Schüler lernen so verschiedene Hebelbewegungen, um sich aus einem Haltegriff zu befreien.

"Ich dachte: Wie soll ich andere für Wettkämpfe trainieren, wenn ich selbst noch nie teilgenommen habe?" Bei verbandsinternen Meisterschaften im "JFK Goju-Kai" und "Bushin-
Rya Kempo Karate" konnte sie bereits drei Vize- und Meistertitel sammeln.

Doch entscheidend ist für Böhme der Weg zum Ziel, deshalb trägt sie den dunkelgrünen und noch nicht etwa den schwarzen Gürtel: "Sonst nimmt man den Weg dahin gar nicht wahr." Ihre Prioritäten liegen in der persönlichen Weiterentwicklung: "Was mir am meisten gefällt, ist, dass ich daran wachsen kann, weil ich durch den Sport gleichgesinnten, positiven Menschen begegne. Das ist ein Paradoxum: Wer Kampfkunst macht, ist meist friedlicher, denn wer weiß, was er kann, muss keinen Streit suchen." Aber es geht auch um Charakterbildung und Selbstfindung: "Man muss achtsam mit seinen Mitmenschen umgehen", erklärt Böhme. "Wenn ich jemandem nicht mit Respekt begegne, gibt es kein Miteinander."

Von Feuer bis "ku"

Und so einzigartig wie jeder Mensch selbst sind auch die Techniken, die man zum Kämpfen anwenden kann. Die Basis bilden die Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft und das Quellelement "ku", welches alle anderen verbindet. Einen Angriff nach dem Prinzip "Erde" abzuwehren, wäre, den Angreifer so umzulenken, dass er gegen eine Wand läuft. Nach Art der Luft würde man davonlaufen oder sich bücken, so dass der Angriff ins Leere geht. Dieses System lässt sich auf Charakterzüge von Menschen übertragen: Ein feuriger Mensch wäre cholerisch, ein empathischer Mensch wäre "wässrig."

Auf diese verschiedenen Charaktere gilt es für Janine Böhme, im Training einzugehen.

Zehn Gruppen trainiert sie in Erlangen, die meisten davon sind Grundschüler. Aber auch für Jugendliche und Erwachsene gibt es Kursangebote. Am 5. Februar findet der Tag der offenen Tür der Kempo-Jugend statt, bei dem Interessierte einmal hineinschnuppern dürfen in Janine Böhmes Unterricht.

Keine Kommentare