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Keine Ehliz-Rückkehr: Sieg der Heimat und Perspektive

Der Wechsel nach München ist aus Sicht des Spielers nachvollziehbar - 07.11.2018 15:37 Uhr

Im Herbst 2017 verlängerte Yasin Ehliz noch seinen Vertrag bei den Thomas Sabo Ice Tigers - nun hat der Nationalspieler über den Umweg Nordamerika beim EHC Red Bull München unterschrieben. © Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / ThHa


Yasin Ehliz steht alleine in der Arena Nürnberger Versicherung, blickt gedankenverloren auf die Eisfläche. Yasin Ehliz steht auf dem Balkon auf der Burg, er schaut über die Dächer der Stadt in die Ferne. Dazu hört man die Stimme von Yasin Ehliz, die davon erzählt, wie hier vor sieben Jahren alles begonnen hatte, mit dem ersten DEL-Spiel, dem ersten DEL-Tor, dem Winter Game, wie aus Fans bekannte Gesichter und aus Fans zusammen mit der Mannschaft "eine große Familie" wurde. Am Ende richtet Yasin Ehliz das Wort an seine Zuschauer, an seine Fans, er bedankt sich für sieben Jahre in Nürnberg und sagt, dass er sich auf vier weitere gemeinsame Jahre freue.

Dieses auf Instagram, Twitter und Facebook veröffentliche Video kann man sich noch immer ansehen. Das Video stand im Herbst 2017 für das Ende eines langen Prozesses, Ehliz hätte nach München, Mannheim, Berlin oder Köln wechseln können, aber entschied sich dafür, bis mindestens 2021 in Nürnberg zu bleiben, zu finanziell guten, aber nicht ganz so überzeugenden Konditionen, allerdings in einem Umfeld, in dem man ihn und seine Begabung genau kannte und deshalb wertschätzte.

Entsprechend emotional fielen die Reaktionen der Fans aus, in den Kommentarspalten und auf den Rängen. Reimer war das gegenwärtige Gesicht der Ice Tigers, die Zukunft gehörte dem Spieler mit der Nummer 42. Im Herbst 2018 ist das Video ein weiteres Beispiel dafür geworden, dass man die Social Media-Beiträge von Profisportlern nicht allzu ernst nehmen sollte.

Nächster Halt: München

An diesem herrlichen Mittwoch im November 2018 hat der EHC Red Bull München bekanntgegeben, dass er Ehliz verpflichtet hat. Er hätte auch nach Berlin zu den Eisbären wechseln können, die bis zuletzt mit dem deutschen Meister um den kampfstarken Außenstürmer gepokert hatten. Überall hätte er mehr verdient als bei den Ice Tigers, die ihm den exakt selben Vertrag angeboten hatten, den er noch vor einem Jahr unterschrieben hatte und der aufgrund des Transferabkommens zwischen der DEL und der nordamerikanischen NHL hatte aufgelöst werden müssen, nachdem ihm die Ice Tigers die Freigabe für einen Wechsel zu den Calgary Flames erteilt hatten.

Nach nachvollziehbaren Kriterien ist Ehliz‘ Marktwert trotz der Silbermedaille von Pyeongchang seitdem kaum gestiegen. In Nordamerika hat er sich noch nicht einmal in der AHL durchsetzen können. Wenngleich sich nicht nur der scheidende Bundestrainer Marco Sturm fragt, warum Ehliz von den Flames überhaupt keine Chance bekommen hatte – sein Traum von einem Platz in der besten Liga der Welt ist geplatzt. Ehliz kehrt ernüchtert zurück. Das ist ein Fakt. 

Näher an der Familie

Um Fakten aber geht es in der DEL nur am Rande. München hat derzeit viele verletzte Stammspieler (was dem aktuellen Aufgebot kaum anzumerken ist), wollte Ehliz ob seiner Vielseitigkeit und seiner Vermarktbarkeit schon vor einem Jahr und war in kurzer Zeit in der Lage, einen nicht unbeträchtlichen Betrag für einen deutschen Spieler dieser Güteklasse bereitzustellen. Der Transfer ist auch aus der Sicht des Spielers nachvollziehbar: München ist seiner Heimat Gaißach bei Bad Tölz 165 Kilometer näher als Nürnberg, die Familie ist ihm wichtig, die sportliche Perspektive auch und natürlich kann der Meister und Favorit auf einen vierten Titel in Folge da derzeit auch eher punkten als die Ice Tigers.

München ist Zweiter, hat einen herausragenden Kader und mit Don Jackson den besten Trainer der DEL. Nürnberg hingegen ist Zwölfter, hat mit Leo Pföderl einen weiteren Kandidaten für einen Wechsel und in dieser Saison einen Sportdirektor als Trainer. Gerade deshalb wäre Ehliz gefeiert worden, als Heilsbringer, als Hoffnungsträger. Er hat sich dagegen entschieden, obwohl er mit den Ice Tigers im Sommer etwas anderes vereinbart hatte. Seine Gründe sind trotzdem plausibel. Nur mit vermeintlich emotionalen Facebook-Videos sollte er sich künftig zurückhalten.  

Sebastian Böhm

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