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Kitesurfen: Franke holt Spitzenplatz bei EM

Trotz Sturz erkämpfte sich Florian Gruber eine starke Platzierung - 08.01.2021 17:46 Uhr

Sonst gerne auch im Seenland unterwegs, hier aber auf dem Atlantik vor Gran Canaria: Kitesurfer Florian Gruber.

29.12.2020 © Foto: Alex Schwarz


Am zweiten Weihnachtsfeiertag hat Florian Gruber Geburtstag gefeiert. 27 ist der Surfer des Altmühltal Segelclubs in Muhr am See da geworden. Zu feiern gab es aber schon vorher etwas. Weihnachten, klar, aber eben auch eine Top-Platzierung in der internationalen Spitze zum Jahresende. Bei der Kitesurf-Europameisterschaft auf Gran Canaria vom 16. bis 20. Dezember holte der gebürtige Garmisch-Partenkirchener Rang fünf.

Ein versöhnlicher Abschluss des Jahres 2020, das auch in der Surferszene seine Spuren hinterlassen hatte. Viele Events mussten abgesagt werden, Reisen um die ganze Welt, wie sie für die Sportler sonst üblich sind, waren, wenn überhaupt, nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Für Gruber war die Saison trotzdem erfolgreich. Gemeinsam mit Leonie Meyer holte er bei der Team-Europameisterschaft im September Silber.


Gespräch mit Kitesurfer Florian Gruber


Danach sah es zunächst so aus, als habe die Corona-Pandemie die Saison vorzeitig beendet. Überall stiegen die Fallzahlen. Fast überall. Auf den kanarischen Inseln war die Lage lange recht ruhig, so dass die Entscheidung fiel, dort im Dezember eine Einzel-EM auszutragen. "Das war schon etwas kurzfristig, aber es ist halt viel ausgefallen und alle wollten etwas nachholen", berichtet Gruber.

Mit 80 km/h übers Wasser

Also steig er Mitte Dezember in den Flieger nach Gran Canaria – der mittlerweile ja obligatorische Coronatest hatte zuvor das erwünschte Ergebnis gezeigt. "Als ich dort war, war der Inzidenzwert auf der Insel nie über 30. Die Lage war also sehr entspannt", blickt der Muhrer zurück. Inzwischen sind auch die Kanaren als Corona-Risikogebiet eingestuft.

Drei Tage Zeit hatte Gruber um vor Ort zu trainieren. Nicht viel Zeit. Die Bedingungen waren schwierig, die Insel, sagt Gruber, ist ein klassisches Starkwindrevier. Die Sportler starten hier mit einem kleineren Kite, das sensibler reagiert und erzielen außerdem höhere Geschwindigkeiten. Satte 80 Stundenkilometer erreichen die Surfer maximal. Ein Sturz bei diesem Tempo kann zu erheblichen Verletzungen führen, beim Aufprall fühlt sich das Wasser an wie Beton.

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Eine Erfahrung, die auch Florian Gruber machen muss. Ein Büschel Seegrad bringt ihn beim Umrunden ein Tonne aus der Balance. Gleich am ersten Wettkampftag. Er verdreht sich das Knie, der Kopf schlägt auf das Wasser. Am zweiten Tag muss er kämpfen, nicht nur gegen die raue See, sondern auch gegen seine Kopfschmerzen. Er fährt seine mit Abstand schwächsten Rennen der EM. 14 Läufe werden insgesamt ausgetragen, für jede Platzierung gibt es Punkte. Wer die meisten Zähler gesammelt hat, darf sich dann Europameister nennen.

Zuhause wartet die Bachelorarbeit

"Wenn es besser gelaufen wäre, wäre vielleicht Platz drei drin gewesen", vermutet Gruber. So reichte es am Ende zu Rang fünf von 55 gestarteten Athleten – angesichts der Umstände mehr als respektabel. Gruber hat, einmal mehr, unter Beweis gestellt, dass er international zu den Besten seine Sportes gehört.


Florian Gruber weltbester Slalom-Kitesurfer


2024 will er das auf einer ganz großen Bühne zeigen: den Olympischen Spielen in Frankreich. Fährt er weiter so erfolgreich, spricht vieles dafür, dass er Teil des deutschen Kaders sein wird. Bis dahin liegt aber noch viel Zeit vor ihm – und eine Bachelorarbeit. Um die will er sich in den nächsten Monaten vor allem kümmern, sein Management-Studium in Ansbach abschließen. Dann gibt es vielleicht bald schon wieder etwas zu feiern.

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