Dienstag, 07.07.2020

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Klauseln und Krisengipfel: Gastner plant die Ice-Tigers-Saison

In der Deutschen Eishockey Liga sind die Sorgen groß - 22.04.2020 09:40 Uhr

Auf Wolfgang Gastner warten noch viele Gespräche und Verhandlungen. Was auf die Deutsche Eishockey Liga zukommt, ist nur schwer vorhersehbar. © Foto: Sportfoto Zink


In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind die Sorgen groß. Spiele ohne Zuschauer bezeichnete Ligachef Gernot Tripcke unlängst als "nicht refinanzierbar". Derzeit ist es nicht absehbar, ob das bis 31. August bestehende Verbot von Großveranstaltungen dann tatsächlich abläuft. Und damit ist völlig unklar, ob, wann und unter welchen Bedingungen die Saison 2020/2021 starten könnte.

Am besten noch in dieser Woche soll es eine Entscheidung geben. In der DEL müssen die Verträge angepasst werden. Eine Pandemieklausel gehörte bisher nicht zum Standard, auch eine Kurzarbeitergeldklausel soll es geben. Für jetzt, aber auch für immer. "Bis jetzt klingt es so, als würden alle zusammenhalten", sagt Wolfgang Gastner, der Geschäftsführer der Ice Tigers. Die Einschränkung "bis jetzt" wählt er, weil noch nichts unterschrieben ist. An ihm wird es nicht scheitern: "Ich bin dafür, dass wir alle den gleichen Weg gehen, das wird aber wohl auch europaweit so sein".

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Aus wirtschaftlicher Sicht sind solche Klauseln unverzichtbar geworden, die Teams müssen sich absichern. Gibt es sie nicht, wird es wohl nicht nur für Klubs in der DEL kritisch. "Sonst bist du in ein bis zwei Monaten platt", prophezeit Gastner für viele Vereine unabhängig der Sportart. Denn sonst müssten Gelder bezahlt werden, die auf der anderen Seite nicht eingenommen werden können.

Müssten die Gehälter ab Juli oder August fließen, obwohl ab September nicht gespielt werden könnte und keine Zuschauereinnahmen in die Kasse kämen, würde die Rechnung ganz schnell nicht mehr aufgehen. Zunächst müssen sich die 14 DEL-Klubs untereinander einigen, dann müssen die neuen Bedingungen in die bestehenden Spielerverträge eingearbeitet werden. Ein Verhandlungsmarathon mit den anderen Geschäftsführern, aber auch mit Profis und deren Agenten steht an.


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Zusätzlich spielen die Verantwortlichen der DEL verschiedenste Szenarien durch. Saisonstart wie geplant im September, Saisonstart im Oktober oder November. Vielleicht dürfen 2000 Zuschauer in die Halle, vielleicht 5000 - da vieles unklar ist, werden zahlreiche Eventualitäten überdacht, weiterverfolgt oder verworfen. Mal täglich, mal wöchentlich. Nur eines ist definitiv: ganz ohne Zuschauer wird es nicht gehen.

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Gernot Tripcke, der Ligachef, malte kürzlich sogar völlig schwarz und schloss im schlimmsten Fall auch das Ende der DEL nicht mehr aus, wenn gewisse Parameter nicht in den Griff gekriegt werden. Gastner sieht den Standort Nürnberg allerdings gut aufgestellt. "Ich kann für andere nicht sprechen, aber wenn du deine Hausaufgaben machst, wenn du gewisse Dinge einplanst, dann hat das Auseinanderfliegen der DEL nichts mit den Ice Tigers zu tun", erklärt er.

Er weiß, dass die Franken regelmäßig zu den Wackelkandidaten gezählt werden, wenn es um die kommende Saison geht. Das war schon vor der Corona-Krise und wegen des auslaufenden Vertrages mit Thomas Sabo als Hauptsponsor so. Doch auch wenn die Ice Tigers ihr neues Konzept mit den Starting Six zumindest noch nicht publikumswirksam mit Leben füllen können, gibt Gastner Entwarnung: "Das Konzept ist klar, die Sechs sollen auffangen, was Thomas Sabo gemacht hat. Laut mündlichen Zusagen ist alles in trockenen Tüchern".


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Doch der Öffentlichkeit präsentieren wird er aufgrund der allgemeinen Lage noch nichts. Die Wirtschaft und damit die Sponsoren sind eben auch von der Krise betroffen. "Die Fans wollen Eishockey sehen. Und das werden sie sehen. Und derjenige, der das dann finanziert, wird auch seine PR bekommen", fügt er an. Ende Mai wird das Lizenzierungsverfahren in der DEL wie gewohnt anlaufen und die Ice Tigers werden ihre Unterlagen ganz normal einreichen.

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Bis Mai wird auch die Frage nach dem Cheftrainer unbeantwortet bleiben. Beide Seiten haben sich etwas mehr Zeit eingeräumt, nachdem ursprünglich Ende April alles geregelt sein sollte. Nürnberg will Kurt Kleinendorst behalten, der gute Arbeit leistete, dessen Vertrag aber auslief. Zunächst will der US-Amerikaner für sich klären, ob er weitermachen oder womöglich aufhören will.

Gastner telefonierte zuletzt vor zwei Wochen mit dem 59-Jährigen. Einen neuen Stand oder eine neue Tendenz kann er nicht vermelden. "Ich will ihn haben, und er sagt nicht, dass er nicht kommen will. Insofern gehe ich davon aus, dass, wenn wir uns über die Zahlen in seinem Vertrag und die Wettbewerbsfähigkeit einig sind, dann alles gut ist, das sind die zwei Dinge." Was den Verbleib von Jack Skille angeht, der nach seiner Verpflichtung am 9. Januar 2020 ohne Vorbereitung und praktisch aus dem Ruhestand kommend voll einschlug, ist Gastner auch optimistisch: "Das sieht immer noch gut aus". Global ist auf dem Transfermarkt angesichts der allgemeinen Unsicherheit fast nichts los, wer auf zahlreiche Neuerwerbungen hofft, wird Geduld aufbringen müssen.

Die hatte Gastner auch am Telefon. In den vergangenen Wochen verhandelte er mit Spielern über einen kleinen Gehaltsverzicht bezüglich des letzten Monats ihrer Verträge und hatte Erfolg. "Ich glaube, da war ich in der Liga so ziemlich der Einzige. Aber das ist essentiell, das ist etwas, was ich machen muss. Egal wie hoch die Summe ist", berichtet der 45-Jährige. Um weitere Fortschritte zu erzielen, ist er auch auf andere angewiesen, wird es auf die DEL-Klubs als Kollektiv ankommen. Wie groß die Solidarität in der Liga ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Florian Jennemann

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