Kleeblatt verpasst dem Club eine historische Abreibung

11.8.2014, 22:30 Uhr
Für Raphael Schäfer und den Club war es ein Abend zum Vergessen. Die Fürther Spieler im Hintergrund hingegen hatten allen Grund, um ausgelassen zu feiern.

Für Raphael Schäfer und den Club war es ein Abend zum Vergessen. Die Fürther Spieler im Hintergrund hingegen hatten allen Grund, um ausgelassen zu feiern. © Sportfoto Zink

Das Derby gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth kam dem 1. FC Nürnberg etwas ungelegen. So sagte das Nürnbergs neuer Trainer Valerien Ismael vor der 257. Auflage dieser Partie. Eine runderneuerte Mannschaft, erst der zweite Spieltag in einer Liga, an die man sich erst wieder gewöhnen muss – man spielt zu diesem Zeitpunkt lieber gegen Teams, die nicht so viel Potenzial bieten, um sich vor den nach dem Abstieg sowieso schon verärgerten Fans zu blamieren.

Dass Derbys gegen Fürth dem 1. FCN zuletzt immer eher ungelegen kamen, sagte er nicht. Die Spielvereinigung Greuther Fürth, die vor der Saison ebenfalls ihre besten Spieler an die zahlungskräftige Konkurrenz hatte abgeben müssen, hatte zwei der letzten drei Vergleiche gegen den Club für sich entscheiden können.

Am Montagabend folgte vor 17.200 Zuschauern im ausverkauften Ronhof der nächste Sieg für Fürth, das nun nach dem 5:1 (2:1) und einem phasenweise begeisternden Auftritt zumindest bis zum dritten Spieltag in zwei Wochen die Nummer eins in Fußball-Franken ist.

Gestartet war Frankens neue Nummer zwei aus Nürnberg in dieses Spiel eher unbeholfen, nach 20 Sekunden foulte der für Tomas Pekhart ins Team gerutschte Peniel Mlapa das erste Mal, seine Kollegen taten es ihm in der Folge etwas zu häufig gleich. Der Gastgeber, der zunächst geschlossen in Trikots des nach seinem Autounfall immer noch im Krankenhaus liegenden Ilir Azemi auf dem Platz gekommen war, näherte sich als erstes dem eigentlichen Sinn des Spiels an: Nach einem Freistoß von Tom Weilandt kam Benedikt Röcker frei zum Kopfball, bereitete Raphael Schäfer im Tor der Nürnberger mit seinem Versuch aber keine Probleme (6.).

Nürnberg um Struktur bemüht

Ganz ähnlich hätte es zwei Minuten später gehen können, als Abdul Rahman Baba viel Hoffnung, aber wenig Raffinesse in seinen Schuss von der Strafraumgrenze legte. Diesmal aber zeigte sich Schäfer überrascht – der Ball kullerte über den Torwart zur verdienten Führung für das Kleeblatt ins Netz. Nürnberg war nun ehrlich beeindruckt und hatte Glück, dass Weilandt 120 Sekunden später und frei vor Schäfer die Konzentration abhanden kam.

Nach 16 Minuten drohte dann ein frühes Debakel für den Club: Alessandro Schöpf legte Baba vollkommen unnötig im Strafraum, Sukalo ließ mit seinem Strafstoß Schäfer keine Chance. Der Ronhof war nun enthusiasmiert – mit Ausnahme der fröhlich, aber enervierend mit Pyrotechnik experimentierenden Nürnberger im Gästeblock.

Der Qualm auf den Rängen wurde also mehr, die Spielfreude auf dem Platz ließ nach: Die Spielvereinigung war zufrieden mit dem schönen Zwischenstand, der Club versuchte verzweifelt Struktur in sein bis dahin so uninspiriertes Spiel zu bekommen. Weil das nach 35 Minuten immer noch nicht so recht gelingen wollte, brauchte es Wucht, um die Auseinandersetzung wieder etwas offener zu gestalten: Nach einem Eckball von Cristian Ramirez rannte Javier Pinola, der den Club in Absenz des verletzten Jan Polak als Kapitän aufs Feld geführt hatte, den Ball einfach ins Tor.

Kleeblatt nutzt die FCN-Fehler eiskalt

Schön war das nicht, aber die Fürther – mit einem Remis in Bochum ins neue Fußballjahr gestartet – zeigten sich zumindest ein wenig beeindruckt. Trotzdem passierte bis zur Pause nicht mehr viel. Nach der Unterbrechung blieb Nürnberg dann die – allerdings gezwungenermaßen – engagiertere Mannschaft und hätte früh ausgleichen können, wenn der Freistoß des ehemaligen Fürthers Niclas Füllkrug statt am Pfosten im Tor gelandet wäre.

Fürth wartete seinerseits auf Gelegenheiten zum Schnellangriff und nutzte eine der ersten nach 57 Minuten, durfte sich dabei aber erneut auf Nürnberger Hilfe verlassen: Pinola verlor am eigenen Strafraum erst die Übersicht und dann den Ball, der wieder bei Baba landete, der mit seinem zweiten Treffer überhaupt für das Kleeblatt Tatsachen schuf. Das 3:1 war die Entscheidung, wenngleich es Tormöglichkeiten auch in der Folge auf beiden Seiten gab. Die beste der Nürnberger vergab der eingewechselte Pekhart, der freistehend aus fünf Metern mit dem Kopf das Tor nicht traf. Die beste der Fürther nutzte kurz darauf Weilandt (76.). Den Schlusspunkt setzte schließlich Robert Zulj mit dem 5:1 (87.)  und bestätigte so Ismaels These noch einmal eindrucksvoll. Dem Gastgeber war das nur recht: Daran, dass dem Club Derbys ungelegen kommen, könnte man sich in Fürth gewöhnen.

SpVgg Greuther Fürth: Hesl - Schröck (85. Zulj), Korcsmar, Röcker, Gießelmann - Fürstner, Sukalo - Weilandt, Stiepermann (82. Pledl), Baba (74. Trinks) - Przybylko

1. FC Nürnberg: Schäfer - Pachonik, Stark, Pinola, Ramirez - Petrak, Schöpf - Koch (59. Gebhart), Füllkrug (71. Colak) - Mlapa, Sylvestr (64. Pekhart)

Tore: 1:0 Baba (8.), 2:0 Sukalo (17. FE), 2:1 Pinola (35.), 3:1 Baba (57.), 4:1 Weilandt (76.), 5:1 Zulj (87.) | Gelbe Karten: Sukalo - Pinola, Sylvestr, Gebhart | Schiedsrichter: Stark (Ergolding) | Zuschauer: 17.200 (ausverkauft).

Den Live-Ticker zum Nachlesen finden Sie hier.

Schon im Vorfeld des Frankenderbys ging es heiß her. Eindrücke der Fanmärsche in Nürnberg und Fürth sowie zahlreiche Bilder finden Sie hier.

In diesem Artikel haben wir alle Bildergalerien zum prestigeträchtigen Lokalvergleich gebündelt. Außerdem haben wir Reaktionen im Netz gesucht und gefunden, sowie die Stimmen der Protagonisten in Reih' und Glied gesetzt. 

203 Kommentare